Fehlercode P0520
Motoröldrucksensor/Schalter Schaltkreis Fehlfunktion
Der Fehlercode P0520 bedeutet, dass das Motorsteuergerät eine Fehlfunktion im Stromkreis des Motoröldrucksensors oder -schalters erkannt hat. Dies kann auf einen falschen Öldruck oder ein elektrisches Problem hindeuten.
Was meldet das Steuergerät?
Das Motorsteuergerät (ECU) hat mit dem Fehlercode P0520 ein unplausibles elektrisches Signal vom Motoröldrucksensor oder dessen Schaltkreis registriert. Die ECU erwartet ein Spannungssignal, das sich proportional zum Öldruck ändert, welcher wiederum von der Motordrehzahl und der Last abhängt. Wenn dieses Signal dauerhaft auf einem festen Wert verharrt (z.B. 0V oder 5V), sich nicht wie erwartet ändert oder komplett ausbleibt, interpretiert die ECU dies als eine Fehlfunktion im Stromkreis. Die physikalische Erwartung eines variablen, drehzahlabhängigen Drucksignals wird somit nicht erfüllt.
Die Diagnoseroutine der ECU überwacht kontinuierlich die Spannung am Signalkabel des Öldrucksensors. Der Fehler P0520 wird gesetzt, wenn die Spannung für eine vordefinierte Zeitspanne, typischerweise zwischen 2 und 10 Sekunden, außerhalb eines gültigen Bereichs liegt. Dieser Bereich ist herstellerspezifisch, liegt aber oft zwischen 0,1 Volt und 4,9 Volt. Ein Wert darunter deutet auf einen Kurzschluss nach Masse hin, ein Wert darüber auf einen Kurzschluss nach Plus oder eine unterbrochene Masseverbindung. Die Prüfung erfolgt meist kurz nach dem Motorstart und während des gesamten Fahrbetriebs.
Der Motoröldrucksensor, oft auch Öldruckschalter genannt, ist ein entscheidendes Bauteil zur Überwachung der Motorschmierung. In der Regel handelt es sich um einen piezoresistiven Sensor, der den im Ölkreislauf herrschenden Druck in ein analoges Spannungssignal umwandelt. Er ist meist in den Motorblock oder in die Nähe des Ölfiltergehäuses eingeschraubt. Ausfälle können durch interne elektronische Defekte, eine gerissene Messmembran durch Alterung und Druckspitzen oder durch Verstopfung der kleinen Sensoröffnung mit Ölschlamm und Ablagerungen verursacht werden. Auch Vibrationen und extreme Temperaturen im Motorraum tragen zum Verschleiß bei.
Dieser Fehlercode ist als kritisch einzustufen. Obwohl es sich um einen reinen Schaltkreisfehler handeln kann, ist es nicht möglich, ohne weitere Diagnose einen tatsächlichen, motorschädigenden Öldruckverlust auszuschließen. Die rote Öldruckwarnleuchte ist die letzte Warnung vor einem kapitalen Motorschaden. Als Schutzmaßnahme wird die ECU in den meisten Fällen den Motor in den Notlaufmodus mit stark reduzierter Leistung versetzen. Ignoriert man die Warnung, droht innerhalb kürzester Zeit ein Lagerschaden an Kurbelwelle und Pleueln, was einem wirtschaftlichen Totalschaden gleichkommt.
Typische Symptome bei P0520
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Fehlercode P0520 aktiv ist. Je mehr Symptome zutreffen, desto wahrscheinlicher:
- Die rote Öldruck-Warnleuchte im Kombiinstrument leuchtet oder blinkt
- Die gelbe Motorkontrollleuchte (MIL) ist aktiv
- Der Motor geht in den Notlaufmodus mit spürbar reduzierter Leistung
- Im Display erscheint eine Warnmeldung wie 'Öldruck zu niedrig, Motor abstellen!'
- Bei einem tatsächlichen mechanischen Problem sind laute, klappernde oder tickende Geräusche aus dem Motorraum hörbar
- In seltenen Fällen kann der Motor zum Selbstschutz nicht starten oder geht während der Fahrt aus
Häufige Ursachen
Nach Wahrscheinlichkeit geordnet – arbeite die Liste von oben nach unten ab, bevor du Teile tauschst.
Defekter Motoröldrucksensor
Sehr häufigDer Sensor selbst ist die häufigste Ursache. Interne Kurzschlüsse, eine defekte Membran oder einfach altersbedingter Verschleiß führen zu fehlerhaften Signalen. Oftmals ist der Sensor auch undicht und Öl tritt aus, was auf einen inneren Defekt hindeutet.
📊 Ab ca. 100.000 km, kann aber auch früher auftreten
Probleme mit Verkabelung oder Stecker
HäufigDie Kabel zum Sensor sind hohen Temperaturen und Vibrationen ausgesetzt. Marderbisse, durchgescheuerte Isolierungen oder korrodierte Pins im Stecker können zu Kurzschlüssen oder Unterbrechungen führen. Oft sind Schäden direkt am Steckergehäuse sichtbar.
📊 Kann bei jedem Fahrzeugalter auftreten, häufiger bei älteren Fahrzeugen >10 Jahre
Niedriger Motorölstand oder falsches Öl
GelegentlichObwohl P0520 ein elektrischer Fehler ist, kann ein extrem niedriger Ölstand dazu führen, dass die Ölpumpe Luft ansaugt. Die daraus resultierenden, extremen Druckschwankungen können vom Steuergerät als unplausibles Sensorsignal fehlinterpretiert werden. Auch Öl mit stark abweichender Viskosität kann die Messwerte verfälschen.
📊 Tritt bei mangelhafter Wartung auf
Mechanisches Problem im Ölkreislauf
SeltenEine defekte Ölpumpe, ein verstopftes Ansaugsieb in der Ölwanne oder verschlissene Kurbelwellenlager können den Öldruck dramatisch senken. Dies würde normalerweise eher einen Fehler wie P0524 (Engine Oil Pressure Too Low) auslösen, kann aber in manchen Fällen auch als P0520 interpretiert werden.
📊 Typischerweise bei sehr hohen Laufleistungen >200.000 km oder bei Motorschäden
Defektes Motorsteuergerät (ECU)
Sehr seltenEin interner Defekt im Motorsteuergerät ist die unwahrscheinlichste Ursache. Bevor die ECU in Betracht gezogen wird, müssen alle anderen Möglichkeiten, insbesondere Verkabelung und Sensor, zu 100% ausgeschlossen sein. Dies ist die letzte und teuerste Diagnoseoption.
Diagnose Schritt für Schritt
Systematische Fehlersuche vom günstigsten zum aufwändigsten Schritt. Notiere nach jedem Schritt das Ergebnis.
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Schritt 1
Sichtprüfung & Fehlerspeicher auslesen
Lies zuerst den Fehlerspeicher aus und notiere alle Codes. Danach den Motor abstellen und den Ölstand mit dem Messstab prüfen. Achte auch auf die Farbe und Konsistenz des Öls. Ein extrem niedriger Stand oder pechschwarzes, schlammiges Öl sind erste wichtige Hinweise.
Soll-Ergebnis: Der Fehlerspeicher zeigt P0520 (und evtl. Folgefehler). Der Ölstand ist innerhalb der Markierungen 'Min' und 'Max' und das Öl hat eine normale, bräunliche Farbe. -
Schritt 2
Visuelle Inspektion des Sensors und der Verkabelung
Lokalisiere den Öldrucksensor am Motorblock (oft nahe dem Ölfilter). Untersuche den Sensor auf Undichtigkeiten (Ölaustritt am Steckergehäuse). Prüfe den Stecker auf festen Sitz und Korrosion. Verfolge das Kabel so weit wie möglich und suche nach Scheuerstellen, Marderbissen oder Hitzeschäden.
Soll-Ergebnis: Der Sensor ist trocken, der Stecker sitzt fest und die Verkabelung ist unbeschädigt. -
Schritt 3
Elektrische Prüfung am Sensorstecker
Ziehe den Stecker vom Sensor ab. Schalte die Zündung ein und miss die Spannung zwischen dem Versorgungspin (meist 5V) und Masse. Prüfe auch den Massepin auf guten Durchgang zum Motorblock. Ein Schaltplan ist hierfür sehr hilfreich.
Soll-Ergebnis: Am Stecker liegen eine stabile 5V-Referenzspannung und eine gute Masseverbindung an. -
Schritt 4
Mechanische Öldruckmessung
Dies ist der entscheidende Schritt. Schraube den Öldrucksensor heraus und schließe an seiner Stelle ein mechanisches Manometer an. Starte den Motor und miss den Öldruck im Leerlauf und bei erhöhter Drehzahl (z.B. 3000 U/min). Vergleiche die Werte mit den Herstellervorgaben.
Soll-Ergebnis: Der gemessene Öldruck entspricht den Sollwerten des Herstellers für den jeweiligen Betriebszustand (z.B. >1,2 bar im Leerlauf, 3-5 bar bei 3000 U/min). -
Schritt 5
Durchgangsprüfung der Signalleitung
Wenn der mechanische Druck in Ordnung ist, der Sensor getauscht wurde und die Spannungsversorgung am Stecker passt, muss die Signalleitung zum Steuergerät geprüft werden. Miss den Durchgang des Signalkabels vom Sensorstecker zum Stecker der ECU. Prüfe das Kabel auch auf einen Kurzschluss gegen Masse oder Plus.
Soll-Ergebnis: Die Signalleitung hat vollen Durchgang (Widerstand < 1 Ohm) und keinen Kurzschluss zu anderen Leitungen.
Messwerte & Sollwerte
Referenzwerte für die Live-Daten-Diagnose mit OBD2-Scanner oder Multimeter.
| Messwert | Bedingung | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| Referenzspannung am Sensorstecker | Zündung an, Motor aus, Stecker abgezogen | 5 V | ± 0.2 V |
| Mechanischer Öldruck (Leerlauf, warm) | Motor auf Betriebstemperatur (>80°C Öl) | > 1.0 bar | Herstellervorgabe beachten |
| Mechanischer Öldruck (erhöhte Drehzahl, warm) | Motor auf Betriebstemperatur, ca. 3000 U/min | 3.0 - 5.0 bar | Herstellervorgabe beachten |
Reparaturkosten im Detail
| Diagnose in der Werkstatt | 50 – 100 € |
| Neuteil Öldrucksensor (Marken-OE) | 30 – 90 € |
| Neuteil Öldrucksensor (Premium-Aftermarket) | 20 – 60 € |
| Arbeitszeit (0,5-1,5 Stunden) | 60 – 180 € |
Richtwerte für freie Werkstätten in Deutschland (Stand 2026). Bei Markenwerkstätten liegen die Arbeitskosten 20–40 % höher. Reine Fehlerspeicher-Diagnose kostet typischerweise 40–80 €.
Hersteller-spezifische Hinweise
Der gleiche Code kann bei verschiedenen Marken unterschiedliche Ursachen haben. Typische Auffälligkeiten:
Bei TSI- und TFSI-Motoren tritt dieser Fehler häufiger auf. Der Sensor ist oft schwer zugänglich verbaut, was die Arbeitszeit erhöht. Manchmal wird der Fehler durch Probleme mit der regelbaren Ölpumpe oder verstopften Ölkanälen verursacht.
Besonders bei den N- und B-Baureihen der Motoren (z.B. N55, B48, B58) bekannt. Oft geht der Sensor selbst kaputt. Eine häufige Ursache sind auch Undichtigkeiten am Ölfiltergehäuse, wodurch austretendes Öl den Stecker und die Verkabelung des Sensors beschädigt.
Tritt quer durch viele Baureihen auf, z.B. bei den M272/M273 V6/V8-Motoren. Meist ist es ein direkter Defekt des Sensors. Es wird dringend empfohlen, Originalteile oder OE-Qualität zu verwenden, da Nachbausensoren oft ungenaue Werte liefern.
Bei EcoBoost-Motoren kann der Fehler im Zusammenhang mit der Verwendung von falschem Motoröl oder überzogenen Ölwechselintervallen stehen. Ölschlamm kann den Sensor verstopfen und zu Fehlfunktionen führen.
Sowohl bei älteren Saugmotoren als auch bei neueren Turbomotoren ein bekanntes Problem. Der Tausch ist meist unkompliziert, sofern der Sensor gut erreichbar ist. Die Kosten für das Ersatzteil sind in der Regel moderat.
Kann ich das selbst reparieren?
Der Tausch ist oft einfach, aber die Diagnose erfordert elektrotechnisches Verständnis und die Fähigkeit, den realen Öldruck zu messen.
OBD2-Diagnosegerät, Multimeter, Steckschlüsselsatz, Drehmomentschlüssel, Öldruck-Manometer, eventuell spezielle Öldrucksensor-Nuss
Ein erfahrener Hobbyschrauber kann den Sensor selbst wechseln, wenn die Zugänglichkeit gut ist. Die größte Gefahr besteht darin, einen echten mechanischen Öldruckmangel fälschlicherweise für einen Sensorfehler zu halten. Wenn du dir bei der elektrischen Diagnose oder der mechanischen Druckmessung unsicher bist, überlasse die Arbeit unbedingt einer Werkstatt.
Wann zur Werkstatt?
Fahre unter keinen Umständen weiter, wenn die rote Öldruckwarnleuchte aufleuchtet! Stelle den Motor sofort ab und lasse das Fahrzeug in die Werkstatt schleppen, um einen kapitalen Motorschaden zu vermeiden. Leuchtet nur die gelbe Motorkontrollleuchte, ist eine vorsichtige Fahrt zur nächsten Werkstatt meist möglich. Eine gute freie Werkstatt ist für diesen Fehler absolut ausreichend. Nur wenn der Verdacht auf ein defektes Motorsteuergerät fällt, kann der Gang zur Markenwerkstatt mit ihren spezifischen Diagnosegeräten sinnvoll sein.
So beugst du vor
Die beste Vorbeugung gegen den Fehlercode P0520 und vor allem gegen echte Öldruckprobleme ist eine penible Wartung. Halte die vom Hersteller vorgeschriebenen Ölwechselintervalle strikt ein und verwende ausschließlich Motoröl, das die geforderte Spezifikation und Viskosität erfüllt. Bei Fahrzeugen mit hohem Kurzstreckenanteil oder sportlicher Fahrweise empfiehlt es sich, die Intervalle sogar zu verkürzen. Die Verwendung hochwertiger Ölfilter ist ebenfalls entscheidend, um das Öl sauber und die feinen Kanäle frei von Ablagerungen zu halten.
Ähnliche Codes
Häufige Fragen zum Fehlercode
Kann ich mit dem Fehlercode P0520 noch fahren?
Wie lange dauert die Reparatur?
Ist P0520 ein Garantiefall?
Fehler gelöscht – kommt er wieder?
Gibt es eine einfache Sofort-Prüfung?
Bestehe ich den TÜV mit dem Code P0520?
Fazit
Der Fehlercode P0520 signalisiert ein Problem im Schaltkreis des Öldrucksensors und ist aufgrund der potenziellen Gefahr für den Motor sehr ernst zu nehmen. Die häufigste Ursache ist ein defekter Sensor, der relativ einfach und kostengünstig zu ersetzen ist. Dennoch ist eine sorgfältige Diagnose unerlässlich, um einen weitaus schlimmeren mechanischen Defekt im Schmiersystem des Motors auszuschließen. Die goldene Regel lautet: Leuchtet die rote Öllampe, Motor sofort aus! Im Zweifel ist der Weg in die Fachwerkstatt immer die sicherste und langfristig günstigste Lösung, um einen kapitalen Motorschaden zu verhindern.