Fehlercode P0713
Getriebeöltemperatursensor Signal zu hoch
Der Fehlercode P0713 bedeutet, dass das Getriebesteuergerät ein unplausibel hohes Spannungssignal vom Getriebeöltemperatursensor empfängt. Dies deutet auf einen offenen Stromkreis oder einen defekten Sensor hin.
Was meldet das Steuergerät?
Das Getriebesteuergerät (TCM) hat eine Eingangsspannung vom Getriebeöltemperatursensor (TFT) gemessen, die den maximal zulässigen Schwellenwert des Herstellers überschreitet. Physikalisch erwartet das Steuergerät eine Spannung, die in einem bestimmten Bereich liegt und sich proportional zur Temperatur des Getriebeöls ändert. Ein extrem hoher Spannungswert, oft nahe der Referenzspannung von 5 Volt, ist unplausibel, da dies einer extrem kalten Temperatur (z.B. -40°C) entsprechen würde, was insbesondere bei warmem Motor unmöglich ist. Dieser Zustand deutet auf eine Unterbrechung im Stromkreis hin.
Die On-Board-Diagnose (OBD) überwacht kontinuierlich die Spannung des TFT-Sensors, sobald die Zündung eingeschaltet ist. Wenn die gemessene Spannung für eine vordefinierte Zeitspanne, typischerweise einige Sekunden, über einem kalibrierten Grenzwert (z.B. 4,9 Volt) liegt, interpretiert das TCM dies als Fehler. Das Steuergerät setzt daraufhin den Fehlercode P0713, aktiviert die Motorkontrollleuchte (MIL) und kann zusätzlich eine Getriebewarnleuchte ansteuern. Die genauen Schwellenwerte und Zeitspannen sind herstellerspezifisch, folgen aber demselben Prinzip zur Erkennung eines offenen Stromkreises.
Der Getriebeöltemperatursensor ist in der Regel ein Heißleiter, auch NTC-Widerstand (Negativer Temperaturkoeffizient) genannt. Sein elektrischer Widerstand sinkt mit steigender Temperatur des Getriebeöls. Das TCM legt eine Referenzspannung (meist 5 Volt) an den Sensor an und misst den Spannungsabfall über dem Widerstand, um die Öltemperatur zu berechnen. Ausfälle können durch interne Unterbrechungen des Widerstandselements aufgrund von Alterung und thermischer Belastung, Korrosion an den Anschlusspins oder durch Beschädigungen der internen Verkabelung, die oft in der Ölwanne verläuft, verursacht werden.
Dieser Fehlercode ist als kritisch einzustufen, da die Getriebeöltemperatur ein entscheidender Parameter für die Steuerung ist. Das TCM nutzt diesen Wert zur Regelung der Schaltpunkte, des Kupplungsdrucks in den Lamellenkupplungen und zur Steuerung der Wandlerüberbrückungskupplung. Ohne ein gültiges Temperatursignal schaltet das Getriebe oft in ein Notlaufprogramm mit harten Schaltvorgängen und deaktivierter Wandlerüberbrückung. Dies führt zu erhöhtem Kraftstoffverbrauch, schlechterem Fahrkomfort und kann langfristig durch Überhitzung zu schweren mechanischen Getriebeschäden führen.
Typische Symptome bei P0713
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Fehlercode P0713 aktiv ist. Je mehr Symptome zutreffen, desto wahrscheinlicher:
- Die Motorkontrollleuchte (MIL) ist aktiviert.
- Harte oder verzögerte Schaltvorgänge.
- Das Getriebe schaltet in den Notlaufmodus.
- Eine separate Getriebewarnleuchte kann aufleuchten.
- Deaktivierung der Wandlerüberbrückungskupplung, was zu höheren Drehzahlen bei konstanter Geschwindigkeit führt.
- Erhöhter Kraftstoffverbrauch.
Häufige Ursachen
Nach Wahrscheinlichkeit geordnet – arbeite die Liste von oben nach unten ab, bevor du Teile tauschst.
Defekter Getriebeöltemperatursensor (TFT)
Sehr häufigDer Sensor selbst ist das häufigste Verschleißteil in diesem Fehlerbild. Eine interne Unterbrechung des NTC-Widerstands führt zu einem unendlich hohen Widerstand, was das Steuergerät als maximale Spannung interpretiert. Der Ausfall tritt oft schleichend ein oder passiert spontan.
📊 Ab ca. 100.000 km
Beschädigte Verkabelung oder Steckverbindungen
HäufigDie Verkabelung zum Getriebe ist starken Vibrationen und hohen Temperaturen ausgesetzt. Scheuerstellen, Kabelbrüche oder korrodierte Pins am Stecker des Getriebes oder direkt am Sensor sind eine typische Ursache. Oft ist der Sensor Teil eines Kabelbaums innerhalb der Getriebeölwanne, der durch altes Öl spröde werden kann.
📊 Fahrzeugalter über 10 Jahre oder hohe Laufleistung
Niedriger oder stark verunreinigter Getriebeölstand
GelegentlichObwohl nicht die direkte Ursache für einen elektrischen Fehler, kann ein zu niedriger Ölstand zu Überhitzung führen, was den Sensor thermisch überlastet und seinen Ausfall beschleunigt. Stark verschmutztes Öl kann ebenfalls die Sensorfunktion beeinträchtigen.
📊 Bei vernachlässigter Wartung
Kurzschluss nach Plus in der Signalleitung
SeltenEin Kurzschluss der Signalleitung zur 5V-Referenzspannung oder einer anderen positiven Leitung würde ebenfalls eine konstant hohe Spannung am Steuergerätseingang verursachen. Dies ist meist die Folge einer beschädigten Isolierung im Kabelbaum.
Defektes Getriebesteuergerät (TCM)
Sehr seltenEin interner Fehler im Getriebesteuergerät ist die unwahrscheinlichste Ursache. Bevor das TCM in Betracht gezogen wird, müssen alle anderen Möglichkeiten wie Sensor, Verkabelung und Steckverbindungen zu 100% ausgeschlossen werden.
Diagnose Schritt für Schritt
Systematische Fehlersuche vom günstigsten zum aufwändigsten Schritt. Notiere nach jedem Schritt das Ergebnis.
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Schritt 1
Fehlerspeicher und Live-Daten auslesen
Lies den Fehlerspeicher aus und notiere alle gespeicherten Codes. Beobachte im Live-Daten-Stream den Wert für die Getriebeöltemperatur. Bei einem P0713 wird oft ein fester, unplausibler Wert wie -40°C oder der Maximalwert angezeigt, der sich auch bei laufendem Motor nicht ändert.
Soll-Ergebnis: Eine plausible Temperatur, die bei laufendem Motor langsam ansteigt. -
Schritt 2
Getriebeölstand und -zustand prüfen
Prüfe den Getriebeölstand gemäß Herstellervorgabe (oft bei laufendem Motor und bestimmter Öltemperatur). Achte auf die Farbe und den Geruch des Öls. Stark verbrannter Geruch oder eine dunkle Verfärbung deuten auf Überhitzung und Verschleiß hin.
Soll-Ergebnis: Der Ölstand ist korrekt und das Öl ist klar und hat eine rötliche/bernsteinfarbene Färbung ohne Brandgeruch. -
Schritt 3
Sichtprüfung der Verkabelung und Stecker
Inspiziere den Hauptstecker am Getriebegehäuse sowie den gesamten sichtbaren Kabelbaum auf Beschädigungen, Scheuerstellen, lose Verbindungen oder Korrosion. Ruckle leicht am Stecker, um Wackelkontakte aufzudecken.
Soll-Ergebnis: Die Verkabelung ist intakt, der Stecker sitzt fest und die Pins sind sauber. -
Schritt 4
Widerstand des Sensors messen
Je nach Zugänglichkeit muss die Getriebeölwanne demontiert werden. Trenne den Stecker vom Sensor und miss den Widerstand zwischen den beiden Pins des Sensors. Vergleiche den Wert mit der Herstellertabelle (Widerstand vs. Temperatur). Ein unendlich hoher Widerstand (OL) bestätigt eine interne Unterbrechung.
Soll-Ergebnis: Der gemessene Widerstand entspricht dem Sollwert für die aktuelle Temperatur des Sensors. -
Schritt 5
Spannungsversorgung und Masse am Stecker prüfen
Prüfe bei abgezogenem Sensorstecker und eingeschalteter Zündung die ankommende Verkabelung. Zwischen dem Referenzspannungs-Pin und dem Masse-Pin sollten ca. 5 Volt anliegen. Prüfe auch den Masse-Pin gegen eine gute Fahrzeugmasse auf Durchgang.
Soll-Ergebnis: Eine stabile Referenzspannung von ca. 5V und eine einwandfreie Masseverbindung sind vorhanden.
Messwerte & Sollwerte
Referenzwerte für die Live-Daten-Diagnose mit OBD2-Scanner oder Multimeter.
| Messwert | Bedingung | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| Widerstand TFT-Sensor | Getriebe kalt (ca. 20°C) | 2.000 - 3.000 Ω | ± 10% |
| Widerstand TFT-Sensor | Getriebe betriebswarm (ca. 80°C) | 250 - 450 Ω | ± 10% |
| Spannung am Signal-Pin (gegen Masse) | Stecker angeschlossen, Zündung an, Getriebe kalt (ca. 20°C) | 2.5 - 3.8 V | ± 0.2 V |
Reparaturkosten im Detail
| Diagnose in der Werkstatt | 60 – 120 € |
| Getriebeöltemperatursensor (Einzelteil) | 30 – 90 € |
| Sensor als Teil des Kabelbaums/der Leiterplatte | 120 – 350 € |
| Arbeitszeit (1,5-3,0 AW, inkl. Ölwechsel) | 150 – 300 € |
| Getriebeöl und Dichtung | 80 – 180 € |
Richtwerte für freie Werkstätten in Deutschland (Stand 2026). Bei Markenwerkstätten liegen die Arbeitskosten 20–40 % höher. Reine Fehlerspeicher-Diagnose kostet typischerweise 40–80 €.
Hersteller-spezifische Hinweise
Der gleiche Code kann bei verschiedenen Marken unterschiedliche Ursachen haben. Typische Auffälligkeiten:
Bei DSG-Getrieben (z.B. DQ250) ist der Sensor oft Teil des Mechatronik-Kabelbaums. Ein Tausch erfordert die Demontage der Mechatronik, was aufwändig ist. Bei älteren Tiptronic-Automaten ist der Sensor meist einfacher im Schaltschieberkasten zugänglich.
Bei den weit verbreiteten ZF-Automatikgetrieben (6HP, 8HP) sitzt der Sensor meist auf der Leiterfolie der Mechatronik. Der Tausch erfordert die Demontage der Ölwanne und des Schaltschieberkastens. Oft wird die komplette Mechatronik-Dichtbrille mit erneuert.
Besonders bei den 7G-Tronic (722.9) Getrieben ist der Fehler oft auf eine defekte elektrohydraulische Steuereinheit (EHS) bzw. deren Leiterplatte zurückzuführen. Hier wird oft die gesamte Einheit getauscht oder von Spezialisten repariert.
Bei Fahrzeugen mit PowerShift-Getriebe kann der Fehler auf Probleme mit dem TCM hindeuten, das direkt am Getriebe montiert ist. Bei älteren Wandlerautomaten ist der Sensor oft klassisch in der Ölwanne verbaut.
Bei Modellen mit 6-Gang-Automatik (z.B. im Insignia A) ist der Sensor Teil des Schaltschieberkastens und der Tausch erfordert die Demontage der Ölwanne. Die Verkabelung im Inneren des Getriebes kann durch Alterung brüchig werden.
Kann ich das selbst reparieren?
Erfordert das Arbeiten unter dem Fahrzeug und den Umgang mit Getriebeöl, was eine saubere Arbeitsweise voraussetzt.
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Für erfahrene Hobbyschrauber mit Hebebühne oder Grube machbar. Die größten Risiken sind das Einbringen von Schmutz ins offene Getriebe und das falsche Befüllen des Öls. Wer sich unsicher ist, sollte die Reparatur einer Fachwerkstatt überlassen, idealerweise einem Getriebespezialisten.
Wann zur Werkstatt?
Du solltest definitiv eine Werkstatt aufsuchen, wenn dein Fahrzeug bereits im Notlaufprogramm fährt oder die Schaltvorgänge extrem hart sind, um Folgeschäden zu vermeiden. Da die Reparatur oft das Ablassen von Getriebeöl und die Demontage der Ölwanne erfordert, ist eine Werkstatt mit Hebebühne klar im Vorteil. Eine auf Getriebe spezialisierte freie Werkstatt ist oft die beste Wahl, da sie über die nötige Erfahrung und oft günstigere Reparaturlösungen (z.B. Instandsetzung von Leiterplatten) verfügt als eine Markenwerkstatt.
So beugst du vor
Die beste Vorbeugung gegen diesen und andere Getriebefehler ist die strikte Einhaltung der vom Hersteller vorgegebenen Getriebeölwechselintervalle. Die Verwendung des exakt spezifizierten Getriebeöls ist dabei von entscheidender Bedeutung. Eine defensive Fahrweise ohne häufige Kaltstarts mit hoher Last und die Vermeidung von Anhängerbetrieb an der Belastungsgrenze helfen, die Öltemperatur niedrig zu halten und die Lebensdauer von Sensor und Getriebe zu verlängern.
Ähnliche Codes
Häufige Fragen zum Fehlercode
Kann ich mit dem Fehlercode P0713 noch fahren?
Wie lange dauert die Reparatur?
Ist P0713 ein Garantiefall?
Fehler gelöscht – kommt er wieder?
Gibt es eine einfache Sofort-Prüfung?
Werde ich die Hauptuntersuchung (TÜV) mit diesem Code bestehen?
Fazit
Der Fehlercode P0713 ist eine ernste Warnung, die auf ein Problem mit der Temperaturerfassung deines Automatikgetriebes hinweist. Ignorieren ist keine Option, da die Gefahr teurer Folgeschäden am Getriebe hoch ist. Die Ursache ist meist ein defekter Sensor oder ein Problem mit der Verkabelung. Eine systematische Diagnose ist entscheidend, um die genaue Fehlerquelle zu finden. Wenn du nicht über die nötige Erfahrung und Ausrüstung für Arbeiten am Getriebe verfügst, ist der Gang zu einer qualifizierten Werkstatt der sicherste und letztlich kostengünstigste Weg.