Fehlercode P1555
Ladedruckregelung Regelgrenze überschritten
Der Fehlercode P1555 bedeutet, dass der Ladedruck des Turboladers den vom Motorsteuergerät festgelegten Maximalwert überschritten hat. Dies führt zu einer Schutzreaktion des Motors, meist in Form von Leistungsverlust (Notlauf).
Was meldet das Steuergerät?
Das Motorsteuergerät (ECU) hat über den Ladedrucksensor (auch MAP-Sensor genannt) einen realen Ladedruck gemessen, der signifikant über dem berechneten Soll-Ladedruck liegt. Die ECU erwartet, dass der Turbolader einen präzise geregelten Druck aufbaut, der zur aktuellen Lastanforderung, Motordrehzahl und anderen Umgebungsparametern passt. Bei P1555 wurde diese obere Regelgrenze für eine definierte Zeit überschritten, was auf eine unkontrollierte Druckerhöhung im Ansaugtrakt hindeutet. Das System kann den Ladedruck nicht mehr effektiv nach unten korrigieren.
Die Diagnoseroutine im Steuergerät gleicht permanent den Ist-Ladedruck mit einem hinterlegten Kennfeld für den maximal zulässigen Ladedruck ab. Überschreitet der gemessene Druck diesen Schwellenwert (z.B. um mehr als 200-250 Millibar) für eine Dauer von mehreren Sekunden, wird der Fehler als plausibel eingestuft. Das Steuergerät setzt daraufhin den Fehlercode P1555, aktiviert die Motorkontrollleuchte (MIL) und schaltet zum Schutz der Motorkomponenten in das Notlaufprogramm. In diesem Modus wird die Kraftstoffmenge drastisch reduziert und die Ansteuerung des Turboladers deaktiviert, um weiteren Überdruck zu verhindern.
Die Ladedruckregelung ist ein komplexes System. Der Turbolader selbst verdichtet die Ansaugluft mithilfe von Abgasenergie. Um den Ladedruck zu steuern, wird bei den meisten modernen Dieselmotoren eine Variable Turbinengeometrie (VTG) verwendet. Kleine Leitschaufeln im Abgasstrom werden verstellt, um den Abgasstrom auf das Turbinenrad zu lenken und so den Ladedruck zu regulieren. Angesteuert wird diese Verstellung über eine Unterdruckdose, die wiederum vom Ladedruckregelventil (bei VW oft N75-Ventil genannt) per Unterdruck moduliert wird. Fällt dieses System aus – sei es durch ein klemmendes Ventil, undichte Schläuche oder eine festsitzende VTG-Verstellung – kann der Ladedruck unkontrolliert ansteigen.
Dieser Fehlercode ist als kritisch einzustufen. Obwohl das Notlaufprogramm den Motor vor unmittelbaren, katastrophalen Schäden schützt, ist die Ursache umgehend zu beheben. Ein dauerhaft zu hoher Ladedruck führt zu extremer thermischer und mechanischer Belastung für Kolben, Zylinderkopf, Zylinderkopfdichtung und den Turbolader selbst. Ignoriert man das Problem, drohen kapitale Motorschäden. Das Fahrzeug wird definitiv im Notlauf weiterlaufen, was die Motorleistung auf ein Minimum reduziert und ein sicheres Fahren, insbesondere auf Autobahnen, stark einschränkt.
Typische Symptome bei P1555
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Fehlercode P1555 aktiv ist. Je mehr Symptome zutreffen, desto wahrscheinlicher:
- Die Motorkontrollleuchte (MIL) ist aktiv.
- Das Fahrzeug geht schlagartig in den Notlaufmodus, oft bei starker Beschleunigung.
- Massiver Leistungsverlust, das Auto fühlt sich an wie ein Saugmotor ohne Turbo.
- Ruckeln oder Stottern des Motors unter Last.
- Ungewöhnliche Pfeif- oder Zischgeräusche aus dem Motorraum.
- In seltenen Fällen kann es zu erhöhtem Rußausstoß (schwarzer Rauch) kommen.
Häufige Ursachen
Nach Wahrscheinlichkeit geordnet – arbeite die Liste von oben nach unten ab, bevor du Teile tauschst.
Unterdruckschläuche undicht oder verstopft
Sehr häufigDie kleinen Gewebeschläuche, die das Unterdrucksystem für die Turbosteuerung bilden, werden mit der Zeit porös, rissig oder von Mardern zerbissen. Dadurch geht der Steuerdruck für den VTG-Aktuator verloren, die Regelung versagt und der Turbo erzeugt unkontrolliert maximalen Ladedruck.
📊 Typisch bei Fahrzeugen älter als 8-10 Jahre oder ab ca. 120.000 km
Defektes Ladedruckregelventil (N75)
HäufigDieses elektromagnetische Ventil taktet den Unterdruck zur VTG-Dose und ist das Gehirn der Ladedruckregelung. Es kann mechanisch klemmen oder einen elektrischen Defekt aufweisen, was zu einer fehlerhaften Ansteuerung des Turboladers führt.
📊 Kann über die gesamte Lebensdauer auftreten, gehäuft ab 150.000 km
VTG-Verstellung am Turbolader schwergängig
GelegentlichDurch Rußablagerungen, besonders bei häufigem Kurzstreckenbetrieb, können die feinen Leitschaufeln der Variablen Turbinengeometrie im Abgasgehäuse des Laders verkoken und festklemmen. Die Verstellung bleibt dann oft in einer Position stehen, die bei hoher Last zu viel Ladedruck erzeugt.
📊 Ab ca. 150.000 km, stark abhängig vom Fahrprofil (Kurzstrecke vs. Langstrecke)
Defekter Ladedrucksensor (MAP-Sensor)
SeltenDer Sensor selbst kann ausfallen und dem Steuergerät einen permanent zu hohen Druckwert melden, obwohl der tatsächliche Ladedruck im normalen Bereich liegt. Dies löst ebenfalls den Fehlercode aus, obwohl die Regelung mechanisch intakt ist.
Defekter VTG-Aktuator (Unterdruckdose)
Sehr seltenDie Membran in der Unterdruckdose am Turbolader kann reißen, wodurch der Unterdruck nicht mehr gehalten werden kann. Dies führt jedoch häufiger zu einem Ladedruck-Unterschreitungsfehler (Underboost), kann aber in seltenen Fällen auch zu Regelproblemen mit Überschreitung führen.
Diagnose Schritt für Schritt
Systematische Fehlersuche vom günstigsten zum aufwändigsten Schritt. Notiere nach jedem Schritt das Ergebnis.
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Schritt 1
Fehlerspeicher auslesen & Sichtprüfung
Lies zunächst den Fehlerspeicher aus. Achte neben P1555 auch auf andere, eventuell zusammenhängende Fehlercodes. Führe anschließend eine gründliche Sichtprüfung aller dünnen Unterdruckschläuche durch, die vom N75-Ventil zum Turbolader und zur Unterdruckquelle führen. Biege die Schläuche leicht, um feine Risse aufzudecken.
Soll-Ergebnis: Der Fehlerspeicher ist idealerweise leer und alle Schläuche sind unbeschädigt, flexibel und fest auf ihren Anschlüssen. -
Schritt 2
Messfahrt zur Analyse der Ladedruckwerte
Wähle die Messwertblöcke für Ladedruck (Soll und Ist) und die Ansteuerung des N75-Ventils (Tastverhältnis) aus. Fahre auf einer freien Strecke und beschleunige im 3. oder 4. Gang ab ca. 1.500 U/min mit Vollgas. Beobachte, wie der Ist-Druck dem Soll-Druck folgt. Bei Fehler P1555 wird der Ist-Druck den Soll-Druck kurzzeitig massiv überschreiten, bevor die Leistung einbricht.
Soll-Ergebnis: Der Ist-Ladedruck sollte dem Soll-Ladedruck mit nur minimaler Verzögerung und Abweichung (ca. +/- 50-100 mbar) folgen. -
Schritt 3
Unterdrucksystem prüfen
Ziehe den Unterdruckschlauch direkt an der VTG-Dose des Turboladers ab und schließe die Vakuumpumpe an. Baue einen Unterdruck von ca. -0,6 bar auf. Der Unterdruck muss stabil gehalten werden und die Steuerstange am Turbolader muss sich dabei sichtbar und ruckfrei bewegen.
Soll-Ergebnis: Der aufgebaute Unterdruck bleibt über mindestens 30 Sekunden stabil und die Stange bewegt sich über den vollen Hubweg von ca. 1-1,5 cm. -
Schritt 4
Ladedruckregelventil (N75) prüfen
Führe über die Diagnosesoftware eine Stellglieddiagnose für das N75-Ventil durch. Du solltest ein deutliches Klicken oder Summen hören. Zusätzlich kannst du bei abgezogenem Stecker den Widerstand zwischen den beiden Pins messen. Er sollte im herstellerspezifischen Bereich liegen (oft 25-45 Ohm).
Soll-Ergebnis: Das Ventil klickt bei der Ansteuerung hörbar und der Widerstand liegt innerhalb der Herstellervorgabe. -
Schritt 5
Gängigkeit der VTG-Verstellung manuell prüfen
Bewege bei kaltem Motor die Steuerstange der Unterdruckdose am Turbolader von Hand oder mit einem Werkzeug über ihren gesamten Verstellweg. Die Bewegung muss leichtgängig, gleichmäßig und ohne Haken oder Klemmen erfolgen. Wenn sie schwergängig ist oder klemmt, ist die VTG im Inneren des Laders verkokt.
Soll-Ergebnis: Die Stange lässt sich leicht und ohne Widerstand vom einen bis zum anderen Anschlag bewegen.
Messwerte & Sollwerte
Referenzwerte für die Live-Daten-Diagnose mit OBD2-Scanner oder Multimeter.
| Messwert | Bedingung | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| Ladedruck Istwert vs. Sollwert | Volllastbeschleunigung im 3. Gang bei ca. 2.500 U/min | Istwert folgt Sollwert | ± 100 mbar |
| Widerstand Ladedruckregelventil (N75) | Motor aus, Zündung aus, Stecker abgezogen | 25 - 45 Ω (VAG-spezifisch, kann variieren) | ± 2 Ω |
| Unterdruck an VTG-Dose | Motor im Leerlauf | -0.6 bis -0.8 bar |
Reparaturkosten im Detail
| Diagnose in der Werkstatt | 50 – 100 € |
| Neuteil (Marken-OE, z.B. N75-Ventil) | 60 – 150 € |
| Neuteil (Nachbau) | 30 – 80 € |
| Arbeitszeit (0,5-1,5 Stunden) | 60 – 180 € |
Richtwerte für freie Werkstätten in Deutschland (Stand 2026). Bei Markenwerkstätten liegen die Arbeitskosten 20–40 % höher. Reine Fehlerspeicher-Diagnose kostet typischerweise 40–80 €.
Hersteller-spezifische Hinweise
Der gleiche Code kann bei verschiedenen Marken unterschiedliche Ursachen haben. Typische Auffälligkeiten:
Dieser Fehlercode ist eine Paradedisziplin für VAG-Fahrzeuge, insbesondere für die 1.9 TDI und frühen 2.0 TDI Motoren (ca. 1998-2010) in Modellen wie Golf IV/V, Passat 3B/3BG/3C, Audi A3/A4/A6. Die Ursache ist in über 90% der Fälle auf defekte Unterdruckschläuche, ein klemmendes N75-Ventil oder eine verkokte VTG-Verstellung zurückzuführen. Die Reparatur ist für VAG-erfahrene Werkstätten Routine.
Kann ich das selbst reparieren?
Erfordert neben mechanischem Geschick zwingend ein Diagnosetool zur Analyse der Live-Daten.
OBD2-Diagnosegerät (VCDS/VAG-COM empfohlen), Steckschlüsselsatz, Zangensatz, Hand-Vakuumpumpe, Multimeter, Taschenlampe
Wenn du Erfahrung im Schrauben hast und über die notwendigen Diagnosewerkzeuge verfügst, kannst du die häufigsten Ursachen wie Schläuche oder das N75-Ventil selbst beheben. Die Diagnose und Reinigung einer schwergängigen VTG ist jedoch aufwendig und sollte eher einer Werkstatt überlassen werden, da hierfür oft der Turbolader ausgebaut werden muss.
Wann zur Werkstatt?
Du solltest definitiv eine Werkstatt aufsuchen, wenn du kein geeignetes Diagnosegerät besitzt, um eine Messfahrt durchzuführen. Ohne die Live-Daten von Soll- und Ist-Ladedruck ist eine genaue Diagnose nur ein Ratespiel. Stellt sich bei der Prüfung heraus, dass die VTG-Verstellung am Turbolader selbst klemmt, ist der Gang zum Profi unumgänglich. Eine freie Werkstatt mit guter Erfahrung bei VAG-Motoren ist für dieses Problem oft die kostengünstigste und beste Wahl. Die Markenwerkstatt ist nur notwendig, wenn Garantieansprüche bestehen oder du auf Nummer sicher gehen willst.
So beugst du vor
Fahrprofil anpassen: Um das Verkoken der VTG-Verstellung zu vermeiden, solltest du regelmäßige Autobahnfahrten mit höherer Last einplanen. Ständiger Kurzstreckenbetrieb, bei dem der Motor und die Abgasanlage nie richtig heiß werden, fördert die Rußablagerung. Regelmäßige Wartung: Halte die Ölwechselintervalle strikt ein und verwende nur vom Hersteller freigegebenes Motoröl. Qualität bei Ersatzteilen: Verwende bei Unterdruckschläuchen und Ventilen hochwertige Ersatzteile in Erstausrüsterqualität, um eine lange Lebensdauer zu gewährleisten.
Ähnliche Codes
Häufige Fragen zum Fehlercode
Kann ich mit dem Fehlercode P1555 noch fahren?
Wie lange dauert die Reparatur?
Ist P1555 ein Garantiefall?
Fehler gelöscht – kommt er wieder?
Gibt es eine einfache Sofort-Prüfung?
Bestehe ich den TÜV/die AU mit diesem Code?
Fazit
Der Fehlercode P1555 ist ein typisches und gut bekanntes Problem, vor allem bei älteren TDI-Motoren des VW-Konzerns. Er signalisiert einen zu hohen Ladedruck, der meist auf einfache und relativ kostengünstige Ursachen wie defekte Unterdruckschläuche oder ein fehlerhaftes Regelventil zurückzuführen ist. Wichtig ist eine systematische Diagnose, um nicht vorschnell den teuren Turbolader zu tauschen. Für erfahrene Hobbyschrauber mit der richtigen Ausrüstung ist die Fehlersuche und -behebung oft machbar. Spätestens wenn der Verdacht auf eine festsitzende VTG-Verstellung im Turbolader fällt, solltest du jedoch die Expertise einer Fachwerkstatt in Anspruch nehmen, um teure Folgeschäden zu vermeiden.