Der Readiness Code AU ist ein interner Bereitschaftsstatus des Motorsteuergeräts, der anzeigt, ob alle abgasrelevanten Systemtests seit dem letzten Reset abgeschlossen sind. Ist er nicht gesetzt, gilt das Fahrzeug als nicht prüfbereit, was laut Anlage VIIIa StVZO zum sofortigen Nichtbestehen der Abgasuntersuchung (AU) führt.
Das Wichtigste in Kürze
- Rechtliche Grundlage: § 47a StVZO fordert eine funktionierende On-Board-Diagnose (OBD) für die AU.
- Kein Code, keine Plakette: Ein nicht gesetzter Readiness Code AU führt zum sofortigen Durchfallen der Prüfung.
- Häufigste Ursache: Ein kürzlich gelöschter Fehlerspeicher oder eine abgeklemmte Batterie setzen alle Codes zurück.
- Fahrzyklus ist Pflicht: Zum Setzen des Codes muss ein spezifischer Fahrzyklus mit verschiedenen Lastzuständen absolviert werden.
- Defekte Bauteile: Fehlerhafte Sensoren (z.B. Lambdasonde) können den Abschluss der Selbsttests verhindern.
Inhaltsverzeichnis (aufklappen)
Der Readiness Code AU ist eine der häufigsten, aber oft missverstandenen Hürden bei der Abgasuntersuchung (AU). Er ist kein Fehlercode im klassischen Sinne, sondern ein interner Statusbericht Deines Motorsteuergeräts. Dieser sogenannte Bereitschaftscode AU signalisiert dem Prüfer, ob alle für die Abgasreinigung relevanten Komponenten und Systeme seit dem letzten Löschen des Fehlerspeichers ihre Selbstdiagnoseroutinen erfolgreich durchlaufen haben. Ist auch nur ein einziger Test unvollständig, meldet das Bordsystem „nicht bereit“ – und die AU ist sofort beendet, bevor sie richtig begonnen hat. Rechtliche Grundlage hierfür ist die „Richtlinie für die Durchführung der Untersuchung der Abgase von Kraftfahrzeugen“, die in § 47a Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) verankert ist und eine funktionstüchtige On-Board-Diagnose (OBD) fordert.
Die rechtlichen Grundlagen: Was § 47a StVZO zum Readiness Code AU sagt
Die Abgasuntersuchung, als fester Bestandteil der Hauptuntersuchung, stützt sich bei Fahrzeugen ab Erstzulassung 2006 (Benziner) bzw. 2007 (Diesel) primär auf die Auswertung der On-Board-Diagnose. Die genauen Prüfvorgaben sind in der Anlage VIIIa StVZO spezifiziert. Punkt 3.1.1 dieser Anlage legt fest, dass die Prüfung über die OBD-Schnittstelle zu erfolgen hat. Ein zentraler Prüfpunkt ist dabei der Status des Readiness Code AU. Dieser Code ist quasi das Tor zur Prüfung. Ist er nicht gesetzt, wertet der Prüfer dies als „nicht prüfbereit“. Gemäß dem aktuellen VdTÜV-Mängelreport führt dies zur Einstufung als „Erheblicher Mangel“ (EM). Das Ergebnis: Die HU-Plakette wird verweigert. Die Logik des Gesetzgebers ist nachvollziehbar: Ein System, das seine eigenen Komponenten nicht vollständig überwachen kann, kann auch keine verlässlichen Abgaswerte garantieren. Es bestünde die Gefahr, dass ein Defekt durch einen frisch gelöschten Fehlerspeicher kurz vor der Prüfung kaschiert wird. Der nicht gesetzte Readiness AU schiebt dem einen Riegel vor und stellt die Integrität der Messung sicher.
Wie die Prüfung abläuft und warum der Code entscheidend ist
Der Ablauf der modernen AU über die OBD-Schnittstelle ist streng standardisiert. Zuerst verbindet der Prüfingenieur sein Diagnosegerät mit Deinem Auto. Die Software führt dann folgende Schritte durch:
- Kommunikationsaufbau: Das Gerät stellt eine Verbindung zum Motorsteuergerät her.
- Prüfung der Motorkontrollleuchte (MKL): Die Warnleuchte muss bei „Zündung an“ leuchten und nach dem Motorstart erlöschen. Ein Dauerleuchten ist ein EM.
- Auslesen des Fehlerspeichers: Es wird geprüft, ob abgasrelevante Fehlercodes (P0xxx, P2xxx etc.) gespeichert sind. Jeder aktive Fehler führt zum Nichtbestehen.
- Prüfung des Readiness Code AU: Dies ist der kritischste Schritt. Das Gerät fragt den Status der einzelnen Systemmonitore ab. Meldet das Steuergerät hier „nicht bereit“ oder „unvollständig“, wird die Prüfung an dieser Stelle abgebrochen. Eine Endrohrmessung findet dann in der Regel nicht mehr statt.
Der Readiness Code AU ist also eine zwingende Voraussetzung. Er bestätigt, dass das Fahrzeug sich selbst ausreichend geprüft hat. Erst dann sind die ausgelesenen Daten für den Prüfer valide.
Typische Systemmonitore des Readiness Code
Die Anzahl der Monitore variiert je nach Hersteller und Motortyp. Folgende Systeme werden typischerweise überwacht:
| Systemmonitor | Funktion der Überwachung |
|---|---|
| Katalysator | Prüft die Konvertierungsrate und Effizienz des Katalysators. |
| Lambdasonden | Überwacht die Funktion und die Regelgeschwindigkeit der Sonden vor und nach dem Kat. |
| Tankentlüftungssystem (EVAP) | Kontrolliert das System auf Dichtheit und Funktion des Regenerierventils. |
| Sekundärluftsystem | Prüft die Funktion der Luftpumpe und der Ventile in der Kaltstartphase. |
| Abgasrückführung (AGR) | Überwacht die Rate der Abgasrückführung und die Funktion des AGR-Ventils. |
| Heizung Lambdasonde | Prüft den Heizstromkreis der Lambdasonden für schnelles Erreichen der Betriebstemperatur. |
| Kraftstoffsystem | Überwacht die Gemischadaption (Short/Long Term Fuel Trim) auf Regelabweichungen. |
Ein nicht gesetzter Readiness Code AU ist kein Kavaliersdelikt, sondern ein klar definierter Mangel. Du hast keine Chance, die AU zu bestehen, solange nicht alle Systemtests als „abgeschlossen“ gemeldet werden. Ein erneuter Werkstattbesuch ist unausweichlich.
Häufige Ursachen: Warum ist der Readiness Code AU nicht gesetzt?
Wenn der Bereitschaftscode AU nicht gesetzt ist, liegt die Ursache fast immer in einer von drei Kategorien. Eine systematische Fehlersuche ist hier der Schlüssel zum Erfolg, um teuren Teiletausch auf Verdacht zu vermeiden.
Der Klassiker: Gelöschter Fehlerspeicher oder abgeklemmte Batterie
Die mit Abstand häufigste Ursache ist ein kürzlich durchgeführter Reset des Motorsteuergeräts. Dies geschieht durch aktives Löschen des Fehlerspeichers mit einem OBD2-Scanner oder durch Abklemmen der Autobatterie für längere Zeit. Wichtig zu verstehen ist: Dabei werden nicht nur die Fehlercodes gelöscht, sondern auch alle internen Selbsttest-Status – also der Readiness Code AU – auf „nicht abgeschlossen“ zurückgesetzt. Das Auto muss danach erst wieder einen kompletten Fahrzyklus absolvieren, um alle Tests erneut durchzuführen. Viele Fahrer löschen einen Fehler kurz vor dem TÜV-Termin in der Hoffnung, ihn zu verbergen, und scheitern dann am nicht gesetzten Readiness Code.
Defekte Bauteile und Sensoren als Ursache
Die zweite große Ursachengruppe sind tatsächliche Defekte. Wenn ein abgasrelevantes Bauteil fehlerhaft arbeitet, kann dessen Selbsttest nicht erfolgreich abgeschlossen werden. Solange der Test fehlschlägt, wird der entsprechende Monitor im Readiness Code nicht auf „gesetzt“ springen. Typische Kandidaten sind:
- Lambdasonden: Eine träge oder defekte Sonde verhindert die korrekte Überwachung des Katalysators.
- Luftmassenmesser: Liefert er unplausible Werte, schlägt der Test für das Kraftstoffsystem fehl.
- AGR-Ventil: Ein verkoktes oder klemmendes Ventil führt zu Fehlern im Abgasrückführungssystem.
- Temperatursensoren: Falsche Werte vom Kühlmittel- oder Ansauglufttemperatursensor können den Start bestimmter Tests verhindern, da diese an spezifische Betriebstemperaturen gekoppelt sind.
In diesem Fall ist eine fachmännische Diagnose mit Auslesen der Sensor-Live-Daten unumgänglich, um das defekte Teil zu identifizieren.
Ein spezifischer Fahrzyklus ist oft der schnellste Weg, den Readiness Code AU zu setzen. Eine allgemeine Anleitung: Motor kalt starten, 5 Minuten im Leerlauf laufen lassen, dann eine Mischung aus Stadtverkehr (ca. 15 Min.), konstanter Landstraßenfahrt (ca. 10 Min. bei 70-90 km/h) und einer kurzen Autobahnfahrt (ca. 5 Min. über 100 km/h) absolvieren. Das exakte Prozedere findest Du im Werkstatthandbuch Deines Fahrzeugs.
Lösungen: So bekommst Du den Bereitschaftscode AU wieder auf „grün“
Die gute Nachricht ist: Das Problem mit dem Readiness Code AU ist fast immer lösbar. Gehe systematisch vor. Zuerst solltest Du den Fehlerspeicher mit einem geeigneten Diagnosegerät auslesen. Sind abgasrelevante Fehler gespeichert, muss die Ursache dafür zuerst behoben werden. Ein Fehlercode wie P0420 (Katalysatorsystem Wirkungsgrad unter Schwellenwert) muss repariert werden, bevor der Readiness Code gesetzt werden kann. Nach der Reparatur und dem Löschen des Fehlerspeichers ist der entscheidende Schritt das Absolvieren des herstellerspezifischen Fahrzyklus. Dieser simuliert alle notwendigen Betriebsbedingungen (Kaltstart, Teillast, Volllast, Schubbetrieb), damit das Motorsteuergerät seine Tests durchführen kann. Manchmal sind mehrere Fahrten nötig. Sei geduldig und fahre eine längere, abwechslungsreiche Strecke. Erst wenn alle Monitore auf „bestanden“ stehen, ist Dein Auto bereit für die AU. Informationen dazu stellt auch das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) bereit, welches die Typgenehmigungen für Fahrzeuge erteilt und die technischen Grundlagen überwacht.
Zusammenfassend ist der Readiness Code AU eine wichtige Kontrollinstanz, die die Wirksamkeit der On-Board-Diagnose sicherstellt. Er ist keine Schikane, sondern ein Schutz vor manipulierten oder unvollständigen Abgasuntersuchungen. Wenn Du mit einem nicht gesetzten Bereitschaftscode AU konfrontiert bist, vermeide blinden Aktionismus. Eine saubere Diagnose, die Beseitigung der eigentlichen Ursache und ein anschließender, sorgfältig durchgeführter Fahrzyklus sind der sichere Weg zur bestandenen Hauptuntersuchung und einer neuen HU-Plakette.
Alle unsere Ratgeber zu TÜV & HU findest du gebündelt in der TÜV & HU-Übersicht. Dort siehst du das gesamte Themen-Cluster im Zusammenhang und findest passende weiterführende Artikel.
Häufige Fragen
Wie lange dauert es, bis der Readiness Code gesetzt ist?
Das ist stark vom Fahrzeug und Deinem Fahrprofil abhängig. Manchmal genügt eine einzige, 30-minütige Fahrt mit Stadt-, Land- und Autobahnanteil. Bei manchen Fahrzeugen oder bei reinen Kurzstreckenfahrten kann es mehrere Tage und einige hundert Kilometer dauern, bis alle Systemmonitore ihre Tests erfolgreich abgeschlossen haben.
Kann eine Werkstatt den Readiness Code direkt setzen?
Nein, eine Werkstatt kann den Readiness Code nicht manuell auf „gesetzt“ schalten. Sie kann lediglich die Voraussetzungen schaffen: den zugrundeliegenden Fehler reparieren, den Fehlerspeicher löschen und dann den für das Fahrzeugmodell vorgeschriebenen Fahrzyklus durchführen, um den Prozess zu beschleunigen. Das Fahren bleibt der entscheidende Schritt.
Wie viele Readiness Monitore dürfen bei der AU „nicht bereit“ sein?
Für Fahrzeuge mit Erstzulassung bis Ende 2005 darf bei der AU ein einziger Monitor auf „nicht bereit“ stehen. Für alle Fahrzeuge ab dem 01.01.2006 müssen ausnahmslos alle abgasrelevanten Monitore den Status „bereit“ oder „abgeschlossen“ haben. Andernfalls gilt die Prüfung als nicht bestanden.
Was kostet die Behebung eines nicht gesetzten Readiness Codes?
Die Kosten variieren extrem. Ist nur ein Fahrzyklus nach einem Batteriewechsel nötig, kostet es nur Deine Zeit und den Kraftstoff. Muss jedoch ein defekter Sensor, wie eine Lambdasonde oder ein Luftmassenmesser, getauscht werden, können die Kosten je nach Bauteil und Werkstattlohn schnell zwischen 150 und 500 Euro oder mehr betragen.