Bei einer AU für ein umgerüstetes Fahrzeug mit Diesel-Hardware-Nachrüstung (SCR-System) gelten strenge Stickoxid-Grenzwerte laut ABE. Die Prüfung nach § 47a StVZO umfasst neben dem OBD-Check und der Partikelmessung eine entscheidende Endrohrmessung der NOx-Werte, um die Funktion des Nachrüstsystems nachzuweisen.
Das Wichtigste in Kürze
- Rechtsgrundlage: Die Prüfung erfolgt nach § 47a StVZO, wobei die ABE des Nachrüstsystems die entscheidenden NOx-Grenzwerte vorgibt.
- Prüfverfahren: Die AU kombiniert eine Sichtprüfung, das Auslesen des OBD-Fehlerspeichers und eine Endrohrmessung von Partikeln und Stickoxiden (NOx).
- NOx-Messung: Dies ist der kritischste Teil; die realen NOx-Emissionen müssen unter dem spezifischen Grenzwert der Nachrüstung liegen.
- Häufige Fehler: Ein leerer AdBlue-Tank, defekte NOx-Sensoren oder gespeicherte Fehlercodes führen sicher zum Nichtbestehen der Prüfung.
- Dokumentenpflicht: Die Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) der Hardware-Nachrüstung muss bei der Hauptuntersuchung zwingend vorgelegt werden.
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Gesetzliche Grundlagen: § 47a StVZO und die Besonderheiten der Diesel Hardware-Nachrüstung AU
Die Abgasuntersuchung für ein AU umgerüstet Fahrzeug unterliegt denselben rechtlichen Rahmenbedingungen wie jede andere AU, fußt also auf § 47a der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) in Verbindung mit der Anlage VIII und VIIIa StVZO. Der entscheidende Unterschied liegt jedoch im Detail der Prüfprozedur und den zu messenden Werten. Während bei einem serienmäßigen Euro-5-Diesel primär die Prüfung der On-Board-Diagnose (OBD) und die Messung der Rauchgastrübung (Partikelkonzentration) im Fokus stehen, kommt bei einem Fahrzeug mit einer Diesel Hardware-Nachrüstung eine entscheidende Komponente hinzu: die Messung der Stickoxid-Emissionen (NOx). Das nachgerüstete SCR-System (Selektive Katalytische Reduktion) wurde explizit zur Reduzierung dieser Stickoxide verbaut. Folglich muss dessen Funktion im Rahmen der sogenannten SCR AU nachgewiesen werden. Die Prüforganisationen wie TÜV oder DEKRA folgen hierbei den Vorgaben aus der Allgemeinen Betriebserlaubnis (ABE) des jeweiligen Nachrüstsystems. Diese ABE, ausgestellt vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA), definiert die spezifischen NOx-Grenzwerte, die das Fahrzeug einhalten muss, und ist zwingend bei der Hauptuntersuchung vorzulegen.
Der Prüfablauf für eine AU bei einem umgerüsteten Fahrzeug im Detail
Der Ablauf der Abgasuntersuchung für ein nachgerüstetes Fahrzeug ist mehrstufig und prüft sowohl die elektronischen Systeme als auch die realen Emissionen. Jeder Schritt muss erfolgreich absolviert werden, um die begehrte Plakette zu erhalten. Eine sorgfältige Vorbereitung Deines Autos ist daher unerlässlich.
Phase 1: Sichtprüfung und Dokumenten-Check
Zu Beginn prüft der Sachverständige die äußere Konformität des Systems. Er gleicht die Bauteilnummern des SCR-Katalysators, des Steuergeräts und der Sensorik mit den Angaben in der mitgeführten ABE ab. Es wird geprüft, ob alle Komponenten fachgerecht und ohne sichtbare Beschädigungen verbaut sind. Fehlende oder falsche Dokumente führen an dieser Stelle bereits zum Abbruch der Prüfung. Stelle also sicher, dass Du die Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) und die vollständige ABE des Nachrüstsystems griffbereit hast. Ein Eintrag der Nachrüstung in die Fahrzeugpapiere ist in der Regel ebenfalls erforderlich.
Phase 2: Auslesen des On-Board-Diagnosesystems (OBD)
Im zweiten Schritt wird das Bordsystem Deines Fahrzeugs über die OBD2-Schnittstelle ausgelesen. Der Prüfer kontrolliert, ob abgasrelevante Fehlercodes im Fehlerspeicher hinterlegt sind. Jeglicher Fehlercode, der auf eine Fehlfunktion des Motors oder der Abgasnachbehandlung hindeutet (z.B. ein defekter NOx-Sensor), führt zum sofortigen Nichtbestehen der AU. Zudem müssen die sogenannten Readiness-Codes gesetzt sein. Diese signalisieren, dass alle abgasrelevanten Systemtests vom Motorsteuergerät erfolgreich abgeschlossen wurden. Ein kurz vor der Prüfung gelöschter Fehlerspeicher führt ebenfalls zum Scheitern, da die Readiness-Codes dann nicht gesetzt sind.
Ein abgasrelevanter Fehlercode im Fehlerspeicher, wie zum Beispiel ein defekter NOx-Sensor oder Probleme mit der AdBlue-Dosierung, führt unweigerlich zum Nichtbestehen der Abgasuntersuchung. Lasse den Speicher vor der Prüfung professionell in einer Werkstatt auslesen und behebe alle Mängel.
Phase 3: Die Endrohrmessung – der entscheidende Test für die SCR AU
Dies ist der kritischste Teil der AU für ein umgerüstet Fahrzeug. Nachdem der Motor seine volle Betriebstemperatur erreicht hat, wird eine Sonde in das Endrohr eingeführt. Zuerst wird, wie bei jedem Diesel, die Rauchgastrübung bei freier Beschleunigung gemessen. Der hierfür geltende Grenzwert ist der vom Hersteller vorgegebene Wert oder der gesetzliche Standardwert. Anschließend folgt die entscheidende NOx-Messung. Unter definierten Last- und Drehzahlbedingungen misst das Gerät die Konzentration der Stickoxide. Das Ergebnis wird mit dem spezifischen Grenzwert aus der ABE Deines Nachrüstsystems verglichen. Nur wenn dieser Wert unterschritten wird, gilt die AU umgerüstet als bestanden.
Grenzwerte und häufige Fehlerquellen bei der AU für umgerüstete Diesel
Die Grenzwerte sind der entscheidende Faktor. Während die Partikelmessung meist unproblematisch ist, stellt der NOx-Wert die eigentliche Hürde dar. Die exakten Werte variieren je nach Hersteller des Nachrüstsystems. Als Halter musst Du Dich auf die Angaben in Deiner ABE verlassen.
| Messgröße | Serienmäßiger Euro-5-Diesel | Nachgerüsteter Euro-5-Diesel |
|---|---|---|
| Rauchgastrübung (k-Wert) | Herstellervorgabe, max. 1,5 m⁻¹ | Herstellervorgabe, max. 1,5 m⁻¹ |
| Stickoxide (NOx) | Wird nicht gemessen | Spezifischer Grenzwert laut ABE (z.B. < 270 mg/km) |
| OBD-Prüfung | Fehlerfreiheit erforderlich | Fehlerfreiheit erforderlich (inkl. SCR-System) |
Die häufigsten Ursachen für das Scheitern einer AU für ein umgerüstet Fahrzeug hängen direkt mit dem SCR-System zusammen:
- Leerer AdBlue-Tank: Die banalste, aber häufigste Ursache. Ohne den Harnstoff AdBlue kann keine NOx-Reduktion stattfinden.
- Defekte NOx-Sensoren: Das System nutzt einen Sensor vor und einen nach dem SCR-Katalysator, um die Reduktionsleistung zu regeln und zu überwachen. Ein Defekt wird als Fehlercode gespeichert.
- Verstopfte AdBlue-Düse: Die Harnstofflösung kann kristallisieren und die Einspritzdüse in den Abgastrakt verstopfen.
- Fehler im SCR-Steuergerät: Auch die Steuerungselektronik des Nachrüstsystems kann ausfallen oder Softwareprobleme aufweisen.
- Qualität des AdBlue: Minderwertiges oder verunreinigtes AdBlue kann das empfindliche System beschädigen und die Wirksamkeit reduzieren.
Eine regelmäßige Wartung des Systems in einer fachkundigen Werkstatt ist der beste Schutz vor bösen Überraschungen bei der Hauptuntersuchung.
Führe vor der Hauptuntersuchung einen längeren Fahrzyklus auf der Autobahn durch (mindestens 30 Minuten). Dies hilft, den Partikelfilter zu regenerieren und stellt sicher, dass alle Bordsysteme, insbesondere das nachgerüstete SCR-System, die volle Betriebstemperatur erreichen und die Readiness-Codes gesetzt sind.
Vorbereitung und Reparatur-Tipps für die Prüfung
Sollte Dein Fahrzeug die AU umgerüstet nicht bestehen, erhältst Du einen Mängelbericht. Die häufigsten Mängel betreffen, wie beschrieben, das SCR-System. Die Fehlersuche sollte systematisch erfolgen. Zuerst wird der Fehlerspeicher mit einem geeigneten Diagnosegerät ausgelesen. Der Fehlercode gibt meist einen klaren Hinweis auf die defekte Komponente, sei es ein Sensor, die Pumpe oder die Heizung des AdBlue-Systems. Bei der Reparatur solltest Du eine Werkstatt aufsuchen, die Erfahrung mit der Diesel Hardware-Nachrüstung AU hat. Nicht jede Werkstatt kennt die spezifischen Eigenheiten der verschiedenen Nachrüstsysteme von Herstellern wie Dr. Pley, Baumot oder Oberland-Mangold. Zur Vorbereitung auf die Nachprüfung und generell vor jeder HU gilt: Fülle den AdBlue-Tank auf, mache eine ausgiebige Probefahrt und nimm alle relevanten Dokumente mit. Ein Blick in den Mängelkatalog des VdTÜV kann ebenfalls helfen, die Systematik der Prüfung besser zu verstehen. Eine bestandene AU ist die Voraussetzung für eine neue HU-Plakette.
Die AU für ein umgerüstetes Fahrzeug eine anspruchsvollere Prüfung als die Standard-AU darstellt. Die zusätzliche NOx-Messung stellt die korrekte Funktion des teuren Nachrüstsystems auf den Prüfstand. Mit einem gut gewarteten System, vollem AdBlue-Tank und den richtigen Dokumenten ist die Prüfung jedoch eine reine Formsache. Die Investition in die Hardware-Nachrüstung verpflichtet Dich als Halter, die Funktionsfähigkeit dauerhaft sicherzustellen – die zweijährliche Abgasuntersuchung ist hierfür der entscheidende Beleg.
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Häufige Fragen
Welche Dokumente benötige ich für die AU meines umgerüsteten Diesels?
Du benötigst zwingend die Zulassungsbescheinigung Teil I (Fahrzeugschein) sowie die vollständige Allgemeine Betriebserlaubnis (ABE) für das verbaute SCR-Nachrüstsystem. Ohne diese Dokumente kann der Prüfer die Konformität und die geltenden Grenzwerte nicht überprüfen und wird die Prüfung verweigern.
Was passiert, wenn der AdBlue-Tank bei der AU leer ist?
Ein leerer oder zu gering befüllter AdBlue-Tank führt unweigerlich zum Nichtbestehen der Abgasuntersuchung. Ohne die Harnstofflösung kann das SCR-System keine Stickoxide reduzieren, wodurch die gesetzlich vorgeschriebenen NOx-Grenzwerte bei der Endrohrmessung massiv überschritten werden.
Kann ich die AU für ein umgerüstetes Fahrzeug bei jeder Werkstatt machen lassen?
Grundsätzlich ja, sofern es sich um einen anerkannten AU-Betrieb handelt. Es ist jedoch sehr empfehlenswert, eine Werkstatt aufzusuchen, die Erfahrung mit Deinem spezifischen Nachrüstsystem hat. Diese Betriebe verfügen über das nötige Know-how zur Diagnose und Reparatur der SCR-Komponenten.
Welche Abgaswerte werden bei einer SCR AU genau gemessen?
Bei der AU eines nachgerüsteten Diesels werden zwei Kernwerte am Endrohr gemessen: Erstens die Rauchgastrübung (Partikelkonzentration), wie bei jedem Diesel. Zweitens, und das ist das Besondere, die Konzentration der Stickoxide (NOx). Dieser NOx-Wert muss unter dem spezifischen Grenzwert liegen, der in der ABE des Systems festgelegt ist.