Fehlercode P0220
Drosselklappen-Positionssensor B Signalfehler
Der Fehlercode P0220 bedeutet, dass das Motorsteuergerät einen elektrischen Fehler im Stromkreis des Drosselklappen- oder Gaspedal-Positionssensors 'B' erkannt hat. Dies führt zu unplausiblen Signalen über die gewünschte Motorleistung.
Was meldet das Steuergerät?
Das Motorsteuergerät (ECU) hat eine Fehlfunktion im Stromkreis des zweiten Drosselklappen- oder Gaspedal-Positionssensors, auch als Sensor 'B' bezeichnet, festgestellt. Konkret bedeutet das, dass die vom Sensor gemeldete Spannung außerhalb des vom Hersteller definierten Sollbereichs liegt – sie ist entweder zu hoch (Kurzschluss nach Plus), zu niedrig (Kurzschluss nach Masse oder Unterbrechung) oder fehlt komplett. Das Steuergerät erwartet ein kontinuierliches Spannungssignal, das proportional zur Stellung der Drosselklappe oder des Gaspedals ansteigt. Diese Erwartung wurde nicht erfüllt, was auf ein elektrisches Problem hindeutet.
Die Diagnoseroutine der ECU überwacht permanent die Signalspannung des Sensors 'B'. Sobald diese Spannung für eine definierte Zeitspanne, meist wenige Sekunden, einen Schwellenwert von beispielsweise unter 0,2 Volt oder über 4,8 Volt über- oder unterschreitet, wird der Fehlercode P0220 im Fehlerspeicher abgelegt und die Motorkontrollleuchte aktiviert. Zusätzlich führt die ECU eine Plausibilitätsprüfung durch, indem sie das Signal von Sensor 'B' mit dem von Sensor 'A' (zugehöriger Fehlercode P0120) vergleicht. Weichen die beiden Signale signifikant voneinander ab, wird ebenfalls ein Fehler erkannt, da dies auf einen Defekt in einem der beiden Systeme hindeutet.
Der Drosselklappen-Positionssensor (TPS) oder Gaspedal-Positionssensor (APPS) ist ein entscheidendes Bauteil der elektronischen Motorsteuerung ('Drive-by-Wire'). Er misst die exakte Position des Gaspedals oder der Drosselklappe und wandelt diese mechanische Bewegung in ein elektrisches Spannungssignal für das Motorsteuergerät um. Moderne Systeme verwenden aus Sicherheitsgründen zwei oder drei redundante Sensoren. Diese sind oft als Potentiometer mit einer Widerstandsbahn oder als verschleißfreie Hall-Effekt-Sensoren aufgebaut. Typische Ausfallursachen sind der Verschleiß der Widerstandsbahn bei Potentiometern, interne Kurzschlüsse, Bruch der Zuleitungen durch Vibrationen oder Korrosion an den Steckkontakten.
Dieser Fehlercode ist als kritisch für die Fahrsicherheit einzustufen, da das Motorsteuergerät die Absicht des Fahrers nicht mehr zuverlässig erkennen kann. In nahezu allen Fällen wird als Schutzmaßnahme das Notlaufprogramm aktiviert, was die Motorleistung drastisch reduziert und die Gasannahme stark einschränkt. Ein plötzlicher Leistungsverlust kann im Straßenverkehr zu gefährlichen Situationen führen. Als Folgefehler können zudem Warnmeldungen von Systemen wie ESP oder der Traktionskontrolle auftreten, da diese auf korrekte Motordrehmoment-Informationen angewiesen sind.
Typische Symptome bei P0220
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Fehlercode P0220 aktiv ist. Je mehr Symptome zutreffen, desto wahrscheinlicher:
- Die Motorkontrollleuchte (MKL) ist aktiv.
- Das Fahrzeug geht in den Notlaufmodus mit stark reduzierter Motorleistung.
- Stark verzögerte oder gar keine Reaktion auf Gaspedalbewegungen.
- Der Motor hat einen unruhigen oder stark schwankenden Leerlauf.
- Der Motor stirbt im Stand oder beim Auskuppeln ab.
- Warnleuchten für ESP oder Traktionskontrolle (ASR) leuchten zusätzlich auf.
Häufige Ursachen
Nach Wahrscheinlichkeit geordnet – arbeite die Liste von oben nach unten ab, bevor du Teile tauschst.
Defekter Drosselklappen- oder Gaspedalsensor
Sehr häufigDer Sensor selbst ist die häufigste Ursache. Bei Potentiometern verschleißt die interne Widerstandsbahn, was zu Signalaussetzern führt. Bei Hall-Sensoren kann die interne Elektronik ausfallen. Dies ist ein typisches Verschleißteil bei hohen Laufleistungen.
📊 Ab ca. 120.000 km, je nach Fahrzeugmodell und Einsatz.
Beschädigung des Kabelbaums oder der Steckverbindungen
HäufigDurch Motorvibrationen, Hitzealterung oder Marderbisse können Kabel brechen oder ihre Isolierung verlieren, was zu Kurzschlüssen führt. Korrosion oder lose Pins in den Steckern sind ebenfalls eine verbreitete Ursache für sporadische oder permanente Signalfehler.
📊 Kann bei jeder Laufleistung auftreten, verstärkt bei Fahrzeugen über 10 Jahren.
Starke Verschmutzung oder mechanischer Defekt der Drosselklappe
GelegentlichEine stark verkokte Drosselklappe kann klemmen und ihre Endpositionen nicht mehr korrekt erreichen. Obwohl dies ein mechanisches Problem ist, führt die Diskrepanz zwischen der erwarteten und der tatsächlichen Sensorposition zur Speicherung eines elektrischen Fehlercodes.
📊 Besonders bei Direkteinspritzern oder Fahrzeugen mit hohem Kurzstreckenanteil ab 80.000 km.
Fehlerhafte Spannungsversorgung vom Steuergerät
SeltenDer Sensor benötigt eine stabile 5-Volt-Referenzspannung und eine saubere Masseverbindung vom Motorsteuergerät. Liegt hier ein Fehler vor (z.B. durch einen Defekt im Steuergerät oder einen Kabelbruch), kann der Sensor kein korrektes Signal erzeugen.
Defekt im Motorsteuergerät (ECU)
Sehr seltenIn seltenen Fällen kann der Fehler im Motorsteuergerät selbst liegen, zum Beispiel durch einen defekten Eingangsschaltkreis. Diese Ursache sollte erst nach Ausschluss aller anderen Möglichkeiten in Betracht gezogen werden, da der Austausch sehr kostspielig ist.
📊 Meist Folge von externen Einflüssen wie Wassereintritt oder Spannungsspitzen.
Diagnose Schritt für Schritt
Systematische Fehlersuche vom günstigsten zum aufwändigsten Schritt. Notiere nach jedem Schritt das Ergebnis.
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Schritt 1
Sichtprüfung & Fehlerspeicher auslesen
Lies alle Fehlercodes aus dem Motorsteuergerät aus und achte besonders auf begleitende Codes wie P0120 oder P2135. Analysiere die Freeze-Frame-Daten, um die genauen Betriebsbedingungen (Drehzahl, Last, Temperatur) beim Auftreten des Fehlers zu sehen. Führe anschließend eine gründliche Sichtprüfung der Drosselklappe, des Gaspedals und der zugehörigen Kabel auf Schäden durch.
Soll-Ergebnis: Der Fehlerspeicher bestätigt P0220. Die Sichtprüfung zeigt eventuell Marderbisse, lose Stecker oder korrodierte Pins. -
Schritt 2
Live-Daten der Positionssensoren analysieren
Rufe die Live-Daten für die Drosselklappen-/Gaspedal-Positionssensoren 1 und 2 (oder A und B) auf. Betätige das Gaspedal bei eingeschalteter Zündung langsam und gleichmäßig vom Leerlauf bis zum Anschlag. Beide Spannungswerte sollten sich flüssig, ohne Sprünge oder Aussetzer, verändern. Oft läuft ein Sensor von ca. 0.5V auf 4.5V hoch, während der andere von ca. 4.5V auf 0.5V herunterläuft.
Soll-Ergebnis: Der Wert von Sensor 'B' springt, bleibt auf einem festen Wert (z.B. 0V oder 5V) oder zeigt im Vergleich zu Sensor 'A' ein unlogisches Verhalten. Dies deutet stark auf einen Sensor- oder Verkabelungsdefekt hin. -
Schritt 3
Elektrische Messungen am Sensorstecker
Ziehe den Stecker vom verdächtigen Sensor ab und schalte die Zündung ein. Miss mit dem Multimeter am kabelbaumseitigen Stecker die Referenzspannung zwischen dem entsprechenden Pin und der Fahrzeugmasse (Soll: ca. 5V). Prüfe ebenfalls die Masseleitung auf Durchgang (Soll: nahe 0 Ohm).
Soll-Ergebnis: Eine stabile 5V-Referenzspannung und eine intakte Masseverbindung sind messbar. Fehlt eine der beiden, liegt der Fehler im Kabelbaum oder im Motorsteuergerät. -
Schritt 4
Signalspannung direkt am Sensor prüfen (Backprobing)
Bei aufgestecktem Stecker führst du eine dünne Prüfspitze von hinten in den Stecker am Signal-Pin von Sensor 'B' ein. Miss die Spannung, während eine zweite Person das Gaspedal langsam betätigt. Vergleiche den Messwert mit den Live-Daten aus dem Diagnosegerät.
Soll-Ergebnis: Die gemessene Spannung zeigt die gleichen Sprünge oder Aussetzer wie die Live-Daten. Dies bestätigt, dass der Sensor selbst defekt ist und nicht ein Problem in der Datenübertragung zum Steuergerät vorliegt. -
Schritt 5
Prüfung der Drosselklappenmechanik
Falls der Fehler an der Drosselklappe vermutet wird, baue den Ansaugschlauch ab. Prüfe die Drosselklappe auf starke Verkokungen. Bewege die Klappe bei ausgeschalteter Zündung vorsichtig von Hand, um sicherzustellen, dass sie leichtgängig ist und nicht hakt oder klemmt.
Soll-Ergebnis: Die Drosselklappe ist sauber und bewegt sich frei und ohne mechanischen Widerstand über den gesamten Stellbereich.
Messwerte & Sollwerte
Referenzwerte für die Live-Daten-Diagnose mit OBD2-Scanner oder Multimeter.
| Messwert | Bedingung | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| Referenzspannung am Sensorstecker | Zündung AN, Motor AUS, Stecker abgezogen | 5,0 V | ±0,2 V |
| Signalspannung Sensor 'B' (Leerlaufposition) | Zündung AN, Motor AUS, Pedal/Klappe in Ruheposition | ca. 0,5 - 1,0 V | Herstellerabhängig |
| Signalspannung Sensor 'B' (Volllastposition) | Zündung AN, Motor AUS, Pedal/Klappe voll betätigt | ca. 4,0 - 4,8 V | Herstellerabhängig |
Reparaturkosten im Detail
| Diagnose in der Werkstatt | 50 – 100 € |
| Neuteil Drosselklappe/Gaspedalsensor (Marken-OE) | 120 – 250 € |
| Neuteil Drosselklappe/Gaspedalsensor (Nachbau) | 40 – 120 € |
| Arbeitszeit (0,5 - 1,5 Stunden) | 60 – 180 € |
Richtwerte für freie Werkstätten in Deutschland (Stand 2026). Bei Markenwerkstätten liegen die Arbeitskosten 20–40 % höher. Reine Fehlerspeicher-Diagnose kostet typischerweise 40–80 €.
Hersteller-spezifische Hinweise
Der gleiche Code kann bei verschiedenen Marken unterschiedliche Ursachen haben. Typische Auffälligkeiten:
Bei vielen TSI- und TDI-Motoren des VW-Konzerns ist nicht der Sensor einzeln, sondern die komplette Drosselklappeneinheit zu tauschen. Häufig tritt der Fehler nach einer unsachgemäßen Reinigung der Drosselklappe auf, wenn keine neue Grundeinstellung per Diagnosegerät durchgeführt wurde.
Bei BMW-Modellen mit Valvetronic kann der Fehler auch auf Probleme mit dem Valvetronic-Stellmotor oder dessen Sensorik hindeuten, da diese eng mit der Drosselklappensteuerung zusammenarbeiten. Eine genaue Diagnose ist hier besonders wichtig, um teure Falschreparaturen zu vermeiden.
Ältere Mercedes-Modelle, insbesondere mit M112/M113-Motoren, sind bekannt für Probleme mit dem elektronischen Gaspedal. Hier ist oft der Pedalwertgeber selbst die Ursache, dessen Potentiometerbahnen mit der Zeit verschleißen.
Bei Ford-Fahrzeugen, speziell mit Duratec-HE-Motoren, kann P0220 auf interne Fehler in der Drosselklappeneinheit hinweisen. Oftmals sind kalte Lötstellen auf der Platine der Drosselklappensteuerung die Ursache, was eine Reparatur für Spezialisten ermöglicht.
Bei Opel ist oft die Verkabelung im motornahen Bereich durch Hitze und Vibrationen anfällig. Eine genaue Prüfung des Kabelbaums zur Drosselklappe und zum Motorsteuergerät ist ratsam, bevor die Drosselklappe selbst getauscht wird.
Toyota und Lexus sind für sehr zuverlässige Elektronik bekannt, der Fehler tritt hier seltener auf. Wenn er doch erscheint, ist oft eine verschmutzte Drosselklappe die Ursache, die nach einer Reinigung neu angelernt werden muss.
Kann ich das selbst reparieren?
Erfordert elektrische Messungen mit einem Multimeter und potenziell das Anlernen des neuen Bauteils.
OBD2-Diagnosegerät, Multimeter, Steckschlüsselsatz, Drosselklappenreiniger, Schraubendreher
Der Austausch des Sensors oder der kompletten Drosselklappe ist für erfahrene Hobbyschrauber machbar. Die elektrische Fehlersuche erfordert jedoch Fachwissen. Wenn du unsicher im Umgang mit einem Multimeter bist oder das neue Teil angelernt werden muss, solltest du eine Werkstatt aufsuchen.
Wann zur Werkstatt?
Ein Werkstattbesuch ist unumgänglich, wenn das Fahrzeug im Notlauf ist und die Motorkontrollleuchte leuchtet. Da die Fahrsicherheit direkt beeinträchtigt ist, sollte nicht weitergefahren werden, außer für die kurze Fahrt zur Werkstatt. Eine freie Werkstatt mit guter Diagnoseausstattung kann den Fehler in der Regel kostengünstig beheben. Der Gang zur Markenwerkstatt ist nur dann zwingend notwendig, wenn spezielle Anlernprozeduren erforderlich sind oder der Fehler auf ein bekanntes Softwareproblem des Steuergeräts hindeutet, das ein Update erfordert.
So beugst du vor
Um dem Fehler P0220 vorzubeugen, ist eine regelmäßige Wartung des Ansaugsystems sinnvoll. Insbesondere bei Fahrzeugen mit Direkteinspritzung oder Abgasrückführung kann eine professionelle Reinigung der Drosselklappe alle 60.000-80.000 km Verkokungen verhindern, die die Mechanik belasten. Vermeide den Einsatz von aggressiven Motorsprays im Bereich der Drosselklappe, da diese die empfindliche Elektronik beschädigen können. Achte zudem auf einen intakten Marderschutz, um Kabelschäden vorzubeugen.
Ähnliche Codes
Häufige Fragen zum Fehlercode
Kann ich mit dem Fehlercode P0220 noch fahren?
Wie lange dauert die Reparatur?
Ist P0220 ein Garantiefall?
Fehler gelöscht – kommt er wieder?
Gibt es eine einfache Sofort-Prüfung?
Bestehe ich den TÜV mit dem Code P0220?
Fazit
Der Fehlercode P0220 ist ein ernstzunehmendes Problem, das die Motorsteuerung und damit die Fahrsicherheit direkt beeinflusst. In den meisten Fällen ist ein defekter Sensor oder eine beschädigte Verkabelung die Ursache. Aufgrund des fast immer aktivierten Notlaufprogramms ist eine Weiterfahrt nicht zu empfehlen. Eine zügige und systematische Diagnose, beginnend bei den Live-Daten und elektrischen Messungen, führt schnell zur Lösung. Während der Tausch des Bauteils für versierte Schrauber möglich ist, sollte die Diagnose bei Unsicherheit einem Profi überlassen werden, um teure Fehlinvestitionen zu vermeiden.