Fehlercode P0700
Getriebesteuerungssystem Störung angefordert
Der Fehlercode P0700 bedeutet, dass das Getriebesteuergerät (TCM) einen Fehler erkannt hat und das Motorsteuergerät (ECM) auffordert, die Motorkontrollleuchte zu aktivieren. Er ist ein allgemeiner Code, der auf spezifischere Getriebefehler hinweist.
Was meldet das Steuergerät?
Das Motorsteuergerät (ECM) hat bei Fehler P0700 nicht direkt einen eigenen Sensorwert als unplausibel eingestuft. Stattdessen hat es über den CAN-Bus eine Anforderung vom Getriebesteuergerät (TCM) erhalten, die Motorkontrollleuchte (MIL) zu aktivieren. Das TCM ist das dedizierte Gehirn des Automatikgetriebes und überwacht permanent alle relevanten Sensoren, Aktoren und internen hydraulischen Drücke. Wenn das TCM eine Fehlfunktion in seinem eigenen System feststellt – sei es ein elektrisches oder mechanisches Problem – setzt es einen spezifischen, herstellereigenen Fehlercode und sendet den allgemeinen Code P0700 als Information an das ECM. Die physikalische Erwartung des ECM, keine Störungsmeldung vom Getriebe zu erhalten, wurde somit nicht erfüllt.
Die Diagnoseroutine für P0700 wird vom Getriebesteuergerät (TCM) initiiert. Das TCM vergleicht kontinuierlich Ist-Werte von Sensoren (z.B. Eingangs- und Ausgangsdrehzahl, Öltemperatur) mit den Soll-Werten, die für den aktuellen Fahrzustand erwartet werden. Weicht beispielsweise das berechnete Übersetzungsverhältnis vom tatsächlich gemessenen ab oder meldet ein Schaltsolenoid einen elektrischen Fehler (Kurzschluss, Unterbrechung), wird ein interner Zähler gestartet. Überschreitet diese Abweichung für eine vordefinierte Zeitspanne oder eine bestimmte Anzahl von Fahrzyklen einen Schwellenwert, speichert das TCM einen spezifischen P07xx-Code und sendet die Aufforderung für P0700 an das Motorsteuergerät, um den Fahrer zu warnen.
Das Getriebesteuergerät (TCM), oft auch als EGS (Elektronische Getriebesteuerung) bezeichnet, ist ein komplexes elektronisches Modul. Es verarbeitet Signale von diversen Sensoren wie den Getriebeeingangs- und -ausgangsdrehzahlsensoren, dem Wählhebelsensor, dem Drosselklappenstellungssensor und dem Getriebeöltemperatursensor. Basierend auf diesen Informationen steuert es präzise die Schaltsolenoiden, um die Gänge zu wechseln, sowie das Magnetventil für die Wandlerüberbrückungskupplung. Ausfälle können durch interne elektronische Defekte im TCM selbst, durch Alterung der Lötstellen aufgrund von Hitze und Vibrationen, oder – weitaus häufiger – durch fehlerhafte externe Sensoren, Aktoren oder Probleme in der Verkabelung entstehen, deren unplausible Signale das TCM als Fehler interpretiert.
Der Fehlercode P0700 selbst ist zunächst nur ein Informationscode, seine Bedeutung ist jedoch als kritisch einzustufen. Er signalisiert immer einen zugrundeliegenden, ernsten Fehler im Getriebesystem. In den meisten Fällen aktiviert das TCM als Schutzmaßnahme einen Notlaufmodus. Dabei wird das Getriebe oft in einem festen Gang (meist der 2. oder 3.) arretiert, um weitere mechanische Schäden durch fehlerhafte Schaltvorgänge zu verhindern. Das Ignorieren dieses Fehlers kann zu Überhitzung, erhöhtem Verschleiß der Kupplungen und letztendlich zu einem kapitalen, sehr teuren Getriebeschaden führen. Eine sofortige Diagnose ist daher dringend anzuraten.
Typische Symptome bei P0700
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Fehlercode P0700 aktiv ist. Je mehr Symptome zutreffen, desto wahrscheinlicher:
- Die Motorkontrollleuchte (MIL) leuchtet auf.
- Das Fahrzeug geht in den Notlaufmodus (Leistung reduziert, Gang oft fixiert).
- Harte, ruckartige oder verzögerte Schaltvorgänge.
- Das Getriebe schaltet nicht mehr in die höchsten Gänge.
- Eine separate Getriebewarnleuchte kann ebenfalls aufleuchten.
- Erhöhter Kraftstoffverbrauch durch ineffiziente Schaltpunkte.
Häufige Ursachen
Nach Wahrscheinlichkeit geordnet – arbeite die Liste von oben nach unten ab, bevor du Teile tauschst.
Spezifischer Fehlercode im Getriebesteuergerät (TCM) gespeichert
Sehr häufigP0700 ist fast immer ein Folgefehler. Die eigentliche Ursache ist ein anderer, spezifischerer Code (z.B. P0730, P0741), der im TCM gespeichert ist und ausgelesen werden muss.
📊 Jederzeit möglich
Niedriger oder alter Getriebeölstand
HäufigZu wenig oder qualitativ schlechtes Öl führt zu unzureichendem Hydraulikdruck, Überhitzung und erhöhtem Verschleiß. Dies wird von den Sensoren erkannt und führt zu einem Fehler.
📊 Ab ca. 100.000 km oder bei vernachlässigter Wartung
Defekte Schaltsolenoiden oder Sensoren
GelegentlichElektrische Magnetventile (Solenoiden), die die Gänge schalten, oder Sensoren für Drehzahl und Temperatur können ausfallen. Das TCM erkennt dies durch unplausible elektrische Werte oder Schaltfehler.
📊 Ab ca. 120.000 km
Verkabelungs- oder Verbindungsprobleme
SeltenKorrosion an Steckern, durchgescheuerte Kabel oder ein Massefehler können die Kommunikation zwischen TCM und Getriebe stören. Oft sind die Stecker direkt am Getriebe betroffen.
📊 Eher bei älteren Fahrzeugen (>10 Jahre)
Defektes Getriebesteuergerät (TCM)
Sehr seltenDas Steuergerät selbst kann durch interne Defekte (kalte Lötstellen, defekte Bauteile) ausfallen. Dies sollte erst nach Ausschluss aller anderen Ursachen in Betracht gezogen werden.
📊 Meist bei Laufleistungen > 200.000 km
Diagnose Schritt für Schritt
Systematische Fehlersuche vom günstigsten zum aufwändigsten Schritt. Notiere nach jedem Schritt das Ergebnis.
-
Schritt 1
Fehlerspeicher beider Steuergeräte auslesen
Der entscheidende Schritt ist, nicht nur das Motorsteuergerät (ECM), sondern zwingend auch das Getriebesteuergerät (TCM) auszulesen. Der Code P0700 im ECM ist nur der Hinweis, die eigentlichen Fehlercodes (z.B. P0730 'Falsches Übersetzungsverhältnis Gang 1') stehen im TCM.
Soll-Ergebnis: Im ECM wird P0700 angezeigt. Im TCM findet sich mindestens ein spezifischer P07xx- oder P17xx-Code, der die Richtung der weiteren Diagnose vorgibt. -
Schritt 2
Getriebeölstand und -zustand prüfen
Bei Fahrzeugen mit Ölmessstab wird dieser nach Herstellervorgabe (oft bei laufendem Motor, warmem Getriebe, in 'P' oder 'N') geprüft. Bei Fahrzeugen ohne Messstab muss die Kontrolle über eine Füllstandsschraube bei einer bestimmten Öltemperatur erfolgen. Achte auf die Farbe (sollte rot/klar sein) und den Geruch (darf nicht verbrannt riechen).
Soll-Ergebnis: Der Ölstand befindet sich im korrekten Bereich, das Öl ist klar und riecht nicht verbrannt. -
Schritt 3
Prüfung der spezifischen Komponenten laut Fehlercode
Anhand des spezifischen Codes aus dem TCM (z.B. P0755 für Schaltsolenoid B) wird die entsprechende Komponente geprüft. Meist wird der Widerstand des Solenoids direkt am Stecker gemessen und mit den Sollwerten aus dem Reparaturleitfaden verglichen.
Soll-Ergebnis: Die gemessenen Widerstandswerte liegen innerhalb der vom Hersteller vorgegebenen Toleranz. -
Schritt 4
Überprüfung der Verkabelung und Steckverbindungen
Der Kabelbaum zum Getriebe und zum TCM wird auf sichtbare Schäden (Scheuerstellen, Marderbiss) untersucht. Die Hauptstecker am Getriebe und am TCM werden getrennt und auf Korrosion, Feuchtigkeit oder verbogene Pins geprüft.
Soll-Ergebnis: Alle Kabel sind unbeschädigt, die Stecker sind sauber, trocken und die Pins intakt. -
Schritt 5
Testfahrt mit Live-Daten-Analyse
Während einer Probefahrt werden die Live-Daten des TCM beobachtet. Wichtige Parameter sind Getriebeeingangs- und -ausgangsdrehzahl, befohlener Gang vs. tatsächlicher Gang, Öltemperatur und der Status der Solenoiden. Unplausible Sprünge oder Abweichungen deuten auf die Fehlerquelle hin.
Soll-Ergebnis: Alle Sensordaten sind plausibel und die vom TCM befohlenen Aktionen werden vom Getriebe korrekt und ohne Verzögerung umgesetzt.
Messwerte & Sollwerte
Referenzwerte für die Live-Daten-Diagnose mit OBD2-Scanner oder Multimeter.
| Messwert | Bedingung | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| Widerstand Schaltsolenoid (Beispielwert) | Motor aus, Stecker am Getriebe abgezogen | 15 - 30 Ohm | ± 2 Ohm |
| Getriebeöltemperatur (Betriebstemperatur) | Nach 15-20 Minuten Fahrt | 80 - 95 °C | |
| Spannungsversorgung TCM | Zündung an | > 12,0 V |
Reparaturkosten im Detail
| Erweiterte Diagnose (ECM & TCM auslesen) | 80 – 150 € |
| Getriebeölwechsel mit Filter | 250 – 450 € |
| Ersatzteil (z.B. Sensor, Schaltsolenoid) | 80 – 300 € |
| Arbeitszeit (je nach Aufwand, 1-4 Stunden) | 120 – 600 € |
Richtwerte für freie Werkstätten in Deutschland (Stand 2026). Bei Markenwerkstätten liegen die Arbeitskosten 20–40 % höher. Reine Fehlerspeicher-Diagnose kostet typischerweise 40–80 €.
Hersteller-spezifische Hinweise
Der gleiche Code kann bei verschiedenen Marken unterschiedliche Ursachen haben. Typische Auffälligkeiten:
Bei Fahrzeugen mit DSG (Direktschaltgetriebe) deutet P0700 oft auf Probleme mit der Mechatronik-Einheit hin. Dies kann von defekten Sensoren in der Einheit bis hin zu einem kompletten Ausfall reichen und ist oft eine kostspielige Reparatur.
Häufig sind die ZF-Automatikgetriebe betroffen. Eine bekannte Schwachstelle ist die Mechatronik-Dichtbrille bzw. der Dichtsteg, der mit der Zeit aushärtet und zu internen Druckverlusten führt, was diverse Fehlercodes im TCM auslösen kann.
Besonders bei den 7G-Tronic (722.9) und 5G-Tronic (722.6) Getrieben ist oft die elektrische Leiterplatte (EHS - Elektrohydraulische Steuereinheit) die Ursache. Defekte Drehzahlsensoren auf dieser Platine sind ein häufiges Problem.
Bei Modellen mit PowerShift-Getriebe kann dieser Code auf Probleme mit den Kupplungsaktuatoren oder dem TCM hindeuten. Bei älteren Wandlerautomaten sind oft die Schaltsolenoiden die Ursache.
Bei älteren Modellen mit 4- oder 5-Gang-Automatik sind oft defekte Schaltsolenoiden oder der Wählhebelsensor (Range Sensor) für diesen Fehler verantwortlich. Auch hier ist der Ölstand ein kritischer Faktor.
Obwohl sehr zuverlässig, kann der Fehler auch hier auftreten. Bei Hybridfahrzeugen ist das 'Getriebe' (Planetenradsatz) extrem komplex. Ein P0700 kann hier auf Probleme im Zusammenspiel von Inverter, Elektromotoren und Steuerung hindeuten und erfordert unbedingt eine Fachwerkstatt mit Hybrid-Kompetenz.
Kann ich das selbst reparieren?
Erfordert ein Diagnosegerät, das Getriebesteuergeräte auslesen kann, sowie Fachwissen über Automatikgetriebe.
Erweitertes OBD2-Diagnosegerät, Multimeter, Steckschlüsselsatz, Drehmomentschlüssel, fahrzeugspezifischer Reparaturleitfaden
Das Auslesen der Fehlercodes kann ein ambitionierter Hobbyschrauber selbst durchführen. Die eigentliche Diagnose und Reparatur am Getriebe, insbesondere interne Arbeiten, sollten aufgrund der Komplexität und des Risikos teurer Folgeschäden einer Fachwerkstatt, idealerweise einem Getriebespezialisten, überlassen werden.
Wann zur Werkstatt?
Du solltest unverzüglich eine Werkstatt aufsuchen, sobald der Fehlercode P0700 auftritt und die Motorkontrollleuchte an ist, insbesondere wenn das Fahrzeug bereits im Notlauf ist oder merkwürdige Schaltvorgänge zeigt. Da P0700 nur ein allgemeiner Hinweis ist, ist eine Werkstatt mit einem geeigneten Diagnosegerät zur Auslesung des Getriebesteuergeräts unerlässlich. Für komplexe Probleme, besonders bei DSG- oder CVT-Getrieben, ist eine auf Getriebe spezialisierte freie Werkstatt oft die beste und kosteneffizienteste Wahl. Nur bei Problemen, die eine Software-Aktualisierung des TCM erfordern, ist der Gang zur Markenwerkstatt zwingend notwendig.
So beugst du vor
Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die Einhaltung der vom Hersteller empfohlenen Getriebeölwechselintervalle. Ignoriere sogenannte 'Lifetime-Füllungen' – jedes Öl altert und verschmutzt. Ein regelmäßiger Wechsel (oft alle 60.000 bis 100.000 km) hält die Hydraulik sauber und die Mechanik geschmeidig. Vermeide außerdem extreme Belastungen bei kaltem Getriebe und eine aggressive Fahrweise mit ständigen Kick-downs. Dies reduziert den Verschleiß erheblich und kann die Lebensdauer des Getriebes deutlich verlängern.
Ähnliche Codes
Häufige Fragen zum Fehlercode
Kann ich mit dem Fehlercode P0700 noch fahren?
Wie lange dauert die Reparatur von P0700?
Ist P0700 ein Garantiefall?
Fehler gelöscht – kommt er wieder?
Gibt es eine einfache Sofort-Prüfung, die ich selbst machen kann?
Bestehe ich mit dem Code P0700 die Hauptuntersuchung (TÜV)?
Fazit
Der Fehlercode P0700 ist kein spezifischer Fehler, sondern eine dringende Nachricht vom Getriebesteuergerät an den Fahrer. Er signalisiert, dass im Getriebesystem ein Problem vorliegt, das eine sofortige und professionelle Diagnose erfordert. Der erste und wichtigste Schritt ist das Auslesen des Getriebesteuergeräts (TCM), um den eigentlichen, spezifischen Fehlercode zu identifizieren. Ignoriere diesen Fehler auf keinen Fall, um einen kapitalen und extrem kostspieligen Getriebeschaden zu vermeiden. Suche eine qualifizierte Werkstatt auf, um die genaue Ursache zu finden und zu beheben.