Fehlercode P0720
Getriebeausgangsdrehzahl-Sensor Signalfehler
Der Fehlercode P0720 bedeutet, dass das Getriebesteuergerät ein fehlerhaftes, unplausibles oder fehlendes Signal vom Getriebeausgangsdrehzahl-Sensor empfängt. Dies beeinträchtigt die Schaltvorgänge und die Geschwindigkeitsanzeige.
Was meldet das Steuergerät?
Das Getriebe- oder Motorsteuergerät (TCM/PCM) hat eine Fehlfunktion im Stromkreis des Getriebeausgangsdrehzahl-Sensors (Output Speed Sensor, OSS) festgestellt. Dieser Sensor misst, wie schnell sich die Ausgangswelle des Getriebes dreht, was direkt der Fahrzeuggeschwindigkeit vor dem Differential entspricht. Das Steuergerät vergleicht dieses Signal permanent mit anderen Werten, wie der Motordrehzahl, der Eingangsdrehzahl des Getriebes und den Signalen der Raddrehzahlsensoren vom ABS. Wenn das Signal des OSS plötzlich ausfällt, unlogische Sprünge aufweist oder nicht mehr zu den anderen Drehzahlsignalen und dem eingelegten Gang passt, interpretiert das Steuergerät dies als Fehler.
Die Diagnoseroutine des Steuergeräts ist darauf ausgelegt, Signalfehler zuverlässig zu erkennen. Es prüft kontinuierlich, ob die vom OSS gemeldete Drehzahl in einem plausiblen Bereich liegt. Fällt die Signalspannung beispielsweise für eine definierte Zeit (oft nur wenige Sekunden) unter einen Schwellenwert oder steigt darüber, wird ein interner Fehlerzähler hochgesetzt. Das Gleiche geschieht, wenn die gemessene Drehzahländerung physikalisch unmöglich ist, z.B. ein Sprung von 100 km/h auf 0 km/h in Millisekunden. Überschreitet dieser Fehlerzähler einen kalibrierten Grenzwert, wird der Fehlercode P0720 im Fehlerspeicher abgelegt und die Motorkontrollleuchte wird aktiviert.
Der Getriebeausgangsdrehzahl-Sensor ist meist ein Hall- oder Induktivgeber. Er ist am Getriebegehäuse so positioniert, dass er die Zähne eines Impuls- oder Geberrads auf der Getriebeausgangswelle berührungslos abtasten kann. Bei jeder vorbeilaufenden Zahnlücke erzeugt der Sensor einen elektrischen Impuls (eine Rechteck- oder Sinuswelle). Die Frequenz dieser Impulse ist direkt proportional zur Drehzahl der Welle. Häufige Ausfallursachen sind interne Kurzschlüsse durch Alterung und thermische Belastung, mechanische Beschädigungen der Sensorspitze oder eine Ansammlung von metallischem Abrieb aus dem Getriebeöl am Magnetkopf des Sensors, was das Signal stört.
Dieser Fehlercode ist als mäßig kritisch einzustufen. Er führt nicht zwangsläufig zu einem sofortigen Liegenbleiben, kann aber die Fahrsicherheit und den Fahrkomfort erheblich beeinträchtigen. Oft aktiviert das Getriebesteuergerät ein Notlaufprogramm, bei dem das Getriebe in einem festen Gang (meist der 2. oder 3.) verbleibt, um mechanische Schäden durch falsche Schaltvorgänge zu verhindern. Ignorierst du diesen Fehler, riskierst du erhöhten Verschleiß an den Kupplungen und Bremsbändern im Getriebe sowie einen höheren Kraftstoffverbrauch. Folgefehler im ABS/ESP-System sind ebenfalls möglich, da die Fahrzeuggeschwindigkeit ein zentraler Parameter für diese Systeme ist.
Typische Symptome bei P0720
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Fehlercode P0720 aktiv ist. Je mehr Symptome zutreffen, desto wahrscheinlicher:
- Die Motorkontrollleuchte (MIL) ist aktiviert.
- Errantische, harte oder verzögerte Schaltvorgänge des Automatikgetriebes.
- Der Tachometer funktioniert nicht oder zeigt unplausible Werte an.
- Der Tempomat lässt sich nicht aktivieren oder schaltet sich während der Fahrt ab.
- Das Getriebe schaltet in den Notlaufmodus und verbleibt in einem Gang.
- Erhöhter Kraftstoffverbrauch durch ineffiziente Schaltstrategie.
Häufige Ursachen
Nach Wahrscheinlichkeit geordnet – arbeite die Liste von oben nach unten ab, bevor du Teile tauschst.
Defekter Getriebeausgangsdrehzahl-Sensor
Sehr häufigDer Sensor selbst ist das häufigste Verschleißteil in diesem System. Interne elektronische Bauteile können durch ständige Hitzezyklen und Vibrationen im Getriebe versagen. Dies führt zu einem kompletten Signalausfall oder unregelmäßigen Impulsen.
📊 Ab ca. 120.000 km, kann aber auch früher auftreten.
Beschädigte Verkabelung oder Steckverbindungen
HäufigDie Kabel zum Sensor sind oft Hitze, Öl und mechanischer Belastung ausgesetzt. Scheuerstellen, Kabelbrüche oder Korrosion am Stecker direkt am Getriebe sind eine typische Ursache für Signalunterbrechungen.
📊 Kann bei jedem Fahrzeugalter auftreten, häufiger bei älteren Fahrzeugen >10 Jahre.
Niedriger oder verschmutzter Getriebeölstand
GelegentlichEin zu niedriger Ölstand kann zu Überhitzung und erhöhtem Verschleiß führen. Metallspäne im Öl können sich am magnetischen Kopf des Sensors sammeln und dessen Funktion beeinträchtigen. Dies ist oft ein Indikator für ein größeres, internes Getriebeproblem.
📊 Bei vernachlässigter Wartung oder Undichtigkeiten.
Mechanische Probleme im Getriebe
SeltenEin beschädigtes oder loses Geberrad auf der Ausgangswelle kann zu einem fehlerhaften Signal führen. Dies ist jedoch ein schwerwiegender mechanischer Schaden, der meist mit weiteren Symptomen wie starken Geräuschen einhergeht.
Defektes Getriebesteuergerät (TCM)
Sehr seltenEin Ausfall des Steuergeräts selbst ist die unwahrscheinlichste Ursache. Bevor das TCM in Betracht gezogen wird, müssen alle anderen Möglichkeiten wie Sensor, Verkabelung und Mechanik zu 100% ausgeschlossen sein.
Diagnose Schritt für Schritt
Systematische Fehlersuche vom günstigsten zum aufwändigsten Schritt. Notiere nach jedem Schritt das Ergebnis.
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Schritt 1
Fehlerspeicher und Live-Daten auslesen
Lies den Fehlerspeicher aus und notiere alle gespeicherten Codes. Analysiere die Freeze-Frame-Daten zu P0720, um die Betriebsbedingungen (Geschwindigkeit, Drehzahl, Temperatur) beim Auftreten des Fehlers zu verstehen. Beobachte dann die Live-Daten des Eingangs- und Ausgangsdrehzahlsensors während einer Probefahrt. Das Signal des Ausgangssensors sollte gleichmäßig mit der Fahrzeuggeschwindigkeit ansteigen.
Soll-Ergebnis: Das Signal des Ausgangsdrehzahl-Sensors (OSS) steigt linear zur Fahrzeuggeschwindigkeit an und zeigt keine Aussetzer oder unplausiblen Sprünge. -
Schritt 2
Sichtprüfung von Sensor und Verkabelung
Fahrzeug anheben und den Einbauort des Sensors am Getriebe lokalisieren. Überprüfe den Stecker auf festen Sitz, Korrosion oder verbogene Pins. Verfolge das Kabel so weit wie möglich und suche nach Scheuerstellen, Brüchen oder Hitzeschäden.
Soll-Ergebnis: Die Verkabelung ist unbeschädigt, der Stecker sitzt fest und ist sauber. -
Schritt 3
Getriebeöl prüfen
Bei Fahrzeugen mit Messstab den Ölstand und -zustand bei laufendem Motor und korrekter Temperatur prüfen. Bei Getrieben ohne Messstab die Kontrollschraube öffnen. Das Öl sollte klar und rötlich sein, nicht verbrannt riechen oder voller Metallpartikel sein.
Soll-Ergebnis: Der Getriebeölstand ist korrekt und das Öl ist in gutem Zustand. -
Schritt 4
Elektrische Prüfung des Sensors
Stecker vom Sensor abziehen. Mit einem Multimeter den internen Widerstand des Sensors messen und mit den Herstellervorgaben vergleichen. Ein Oszilloskop ist ideal, um das Sensorsignal direkt am Sensor oder am Steuergerät bei drehenden Rädern zu prüfen. Es sollte eine saubere Rechteck- oder Sinuswelle sichtbar sein.
Soll-Ergebnis: Der Widerstand liegt im Sollbereich und das Oszilloskop zeigt ein klares, stabiles Signal. -
Schritt 5
Leitungsprüfung zum Steuergerät
Die Leitungen zwischen Sensorstecker und Steuergerätestecker auf Durchgang und Kurzschluss gegen Masse oder Plus prüfen. Hierfür ist ein genauer Schaltplan unerlässlich. Dies stellt sicher, dass kein Kabelbruch vorliegt.
Soll-Ergebnis: Alle Leitungen haben vollen Durchgang (nahe 0 Ohm) und keinen Kurzschluss zu anderen Leitungen oder zur Fahrzeugmasse.
Messwerte & Sollwerte
Referenzwerte für die Live-Daten-Diagnose mit OBD2-Scanner oder Multimeter.
| Messwert | Bedingung | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| Ausgangsdrehzahl-Sensor (Live-Daten) | Fahrzeug fährt mit konstanter Geschwindigkeit | Stabiler Wert, der zur Tachoanzeige passt | Keine Aussetzer oder Sprünge |
| Sensor-Widerstand (Induktivgeber) | Motor aus, Stecker abgezogen | Herstellerspezifisch (oft 500 - 1.500 Ω) | ±10% |
| Spannungsversorgung (Hallgeber) | Zündung an, Stecker abgezogen | 5V oder 12V (je nach System) | ±0.5V |
Reparaturkosten im Detail
| Diagnose in der Werkstatt | 60 – 120 € |
| Getriebeausgangsdrehzahl-Sensor (OE-Qualität) | 50 – 180 € |
| Einbau des Sensors (je nach Zugänglichkeit) | 50 – 200 € |
| Ggf. Getriebeöl nachfüllen/wechseln | 20 – 80 € |
Richtwerte für freie Werkstätten in Deutschland (Stand 2026). Bei Markenwerkstätten liegen die Arbeitskosten 20–40 % höher. Reine Fehlerspeicher-Diagnose kostet typischerweise 40–80 €.
Hersteller-spezifische Hinweise
Der gleiche Code kann bei verschiedenen Marken unterschiedliche Ursachen haben. Typische Auffälligkeiten:
Bei älteren Modellen mit 5- und 6-Stufen-Automatikgetrieben (z.B. 01M, 09G) ist der Ausfall des G195 (Geber für Getriebeausgangsdrehzahl) ein bekanntes Problem. Der Sensor ist oft von außen zugänglich und relativ einfach zu tauschen.
Bei Fahrzeugen mit ZF-Automatikgetrieben (z.B. E46, E90, E60) kann der Fehler auftreten. Manchmal ist nicht der Sensor defekt, sondern die Mechatronik-Dichtbrille oder die Steckerhülse am Getriebe, was zu Öleintritt im Kabelbaum führt.
Ein sehr häufiges Problem bei den 5-Gang (722.6) und 7-Gang (722.9) Automatikgetrieben. Hier sind die Drehzahlsensoren fest auf der elektrischen Leiterplatte der Schalteinheit (EHS) verbaut. Meist muss die gesamte Leiterplatte getauscht werden, was aufwendiger ist.
Bei Modellen wie dem Focus oder Mondeo mit Powershift- oder älteren Automatikgetrieben kann dieser Fehler auf einen defekten Sensor oder Probleme im Kabelbaum hindeuten. Die Zugänglichkeit kann je nach Modell variieren.
Bei Modellen wie Astra H, Vectra C oder Insignia A mit Automatikgetriebe ist der Fehler bekannt. Oft ist es der Sensor selbst, der aufgrund von Alterung ausfällt. Eine genaue Prüfung der Verkabelung ist aber auch hier ratsam.
Obwohl sehr zuverlässig, können bei hohen Laufleistungen (>200.000 km) auch hier die Drehzahlsensoren ausfallen. Die Diagnose und der Austausch sind in der Regel unkompliziert.
Kann ich das selbst reparieren?
Die Zugänglichkeit des Sensors kann je nach Fahrzeugmodell stark variieren und erfordert oft Arbeiten unter dem Fahrzeug.
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Wenn der Sensor von außen am Getriebegehäuse verschraubt ist, kann ein erfahrener Hobbyschrauber den Austausch selbst vornehmen. Befindet sich der Sensor jedoch im Inneren des Getriebes (z.B. auf dem Ventilkörper), sollte die Reparatur unbedingt einer Fachwerkstatt überlassen werden, da hierfür die Ölwanne demontiert werden muss.
Wann zur Werkstatt?
Du solltest definitiv eine Werkstatt aufsuchen, wenn dein Fahrzeug starke Schaltschläge zeigt oder im Notlaufmodus feststeckt. Auch wenn du dir bei der Diagnose unsicher bist oder der Sensor im Getriebeinneren verbaut ist, ist der Gang zum Profi unumgänglich. Eine auf Getriebe spezialisierte freie Werkstatt ist hier oft die beste Wahl, da sie über die notwendige Erfahrung und Spezialwerkzeuge verfügt. Bei neueren Fahrzeugen innerhalb der Garantie oder bei komplexen Problemen mit der Mechatronik kann die Markenwerkstatt die bessere Anlaufstelle sein.
So beugst du vor
Die beste Vorbeugung gegen Getriebeprobleme ist die strikte Einhaltung der vom Hersteller vorgeschriebenen Wartungsintervalle für den Getriebeöl- und Filterwechsel. Die Verwendung von hochwertigem, für dein Fahrzeug freigegebenem Getriebeöl ist dabei entscheidend. Ein regelmäßiger Ölwechsel hält das Getriebe sauber, reduziert den Verschleiß und verlängert die Lebensdauer aller Komponenten, einschließlich der empfindlichen Sensoren. Vermeide zudem extreme Belastungen wie häufige Kaltstarts mit hoher Last oder das Ziehen von zu schweren Anhängern.
Ähnliche Codes
Häufige Fragen zum Fehlercode
Kann ich mit dem Fehlercode P0720 noch fahren?
Wie lange dauert die Reparatur?
Ist P0720 ein Garantiefall?
Fehler gelöscht – kommt er wieder?
Gibt es eine einfache Sofort-Prüfung?
Bestehe ich die Hauptuntersuchung (TÜV) mit diesem Code?
Fazit
Der Fehlercode P0720 ist ein ernstzunehmendes Signal deines Fahrzeugs, das auf ein Problem mit der Erfassung der Getriebeausgangsdrehzahl hindeutet. Die Ursachen reichen von einem einfachen, defekten Sensor bis hin zu komplexen mechanischen Problemen im Getriebe. Eine systematische Diagnose ist entscheidend, um die genaue Fehlerquelle zu finden und unnötige Kosten zu vermeiden. Während der Austausch eines externen Sensors für geübte Schrauber machbar ist, sollten Arbeiten im Getriebeinneren stets dem Fachmann überlassen werden. Zögere nicht zu lange mit der Reparatur, um teure Folgeschäden zu verhindern und die volle Funktionsfähigkeit deines Fahrzeugs wiederherzustellen.