Fehlercode P0735
Übersetzungsverhältnis Gang 5 unplausibel
Der Fehlercode P0735 bedeutet, dass das Getriebesteuergerät ein falsches Übersetzungsverhältnis für den fünften Gang erkannt hat. Dies deutet auf ein internes Rutschen oder ein Schaltungsproblem im Automatikgetriebe hin.
Was meldet das Steuergerät?
Das Getriebesteuergerät (TCM) hat eine signifikante Abweichung zwischen der erwarteten und der tatsächlichen Getriebeausgangsdrehzahl festgestellt, während der fünfte Gang eingelegt war. Um die Übersetzung zu überwachen, vergleicht das Steuergerät permanent die Motordrehzahl (bzw. die Drehzahl des Getriebeeingangssensors) mit der Drehzahl des Getriebeausgangssensors. Für jeden Gang gibt es ein fest definiertes, mechanisches Übersetzungsverhältnis. Wenn das gemessene Verhältnis nicht mit dem im Kennfeld hinterlegten Soll-Verhältnis für den fünften Gang übereinstimmt, interpretiert das TCM dies als Schlupf.
Die Diagnoseroutine läuft kontinuierlich, sobald das Steuergerät den Befehl zum Schalten in den fünften Gang gibt und bestimmte Bedingungen (Fahrzeuggeschwindigkeit, Motordrehzahl, Drosselklappenstellung) erfüllt sind. Überschreitet die Differenz zwischen dem berechneten und dem tatsächlichen Übersetzungsverhältnis einen Schwellenwert von beispielsweise 5-8% für eine Dauer von mehreren Sekunden, wird der Fehlercode P0735 im Fehlerspeicher abgelegt. Gleichzeitig wird in der Regel die Motorkontrollleuchte (MKL) oder eine spezifische Getriebewarnleuchte aktiviert und das Getriebe in ein Notlaufprogramm versetzt, um weitere Schäden zu verhindern.
Dieser Fehlercode bezieht sich nicht auf einen einzelnen Sensor, sondern auf das Zusammenspiel des gesamten hydraulischen und mechanischen Systems, das für die Einlegung des fünften Ganges verantwortlich ist. Dazu gehören die Kupplungspakete (Lamellenkupplungen), die durch hydraulischen Druck betätigt werden, die Schaltschieber bzw. Magnetventile (Solenoiden), die den Öldruck steuern, sowie die Planetensätze, die die eigentliche Übersetzung herstellen. Ein Ausfall kann durch verschlissene Kupplungsbeläge, festsitzende oder elektrisch defekte Magnetventile, zu geringen hydraulischen Druck durch Ölmangel oder eine defekte Ölpumpe sowie durch Undichtigkeiten im Hydrauliksystem (z.B. an Dichtungsringen) verursacht werden.
Der Fehlercode P0735 ist als kritisch für die Gesundheit des Getriebes einzustufen. Ignorierst du dieses Problem, kann das Rutschen der Kupplungen zu einer extremen Hitzeentwicklung führen, die das Getriebeöl verbrennt und die Kupplungsbeläge sowie andere interne Bauteile zerstört. In den meisten Fällen aktiviert das Fahrzeug ein Notlaufprogramm, das die Schaltung auf einen oder wenige Gänge (oft den 2. oder 3. Gang) beschränkt, um eine Weiterfahrt mit reduzierter Leistung zu ermöglichen. Ein kapitaler Getriebeschaden ist eine wahrscheinliche und sehr kostspielige Folge, wenn die Ursache nicht umgehend behoben wird.
Typische Symptome bei P0735
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Fehlercode P0735 aktiv ist. Je mehr Symptome zutreffen, desto wahrscheinlicher:
- Motorkontrollleuchte (MKL) oder Getriebewarnleuchte ist an
- Das Getriebe schaltet nicht mehr in den 5. Gang oder darüber hinaus
- Spürbares Rutschen oder Ruckeln beim Schaltversuch in den 5. Gang
- Das Getriebe geht in den Notlaufmodus und ist auf einen Gang beschränkt
- Harte oder verzögerte Schaltvorgänge auch in anderen Gängen
- Deutlich erhöhter Kraftstoffverbrauch durch Fahren mit hoher Drehzahl in niedrigeren Gängen
Häufige Ursachen
Nach Wahrscheinlichkeit geordnet – arbeite die Liste von oben nach unten ab, bevor du Teile tauschst.
Niedriger oder verschmutzter Getriebeölstand
Sehr häufigDies ist die häufigste und am einfachsten zu behebende Ursache. Zu wenig Öl führt zu unzureichendem Hydraulikdruck, um die Kupplungspakete fest zu schließen, was zu Schlupf führt. Altes, verbranntes oder verschmutztes Öl verliert seine Schmiereigenschaften und kann feine Kanäle im Schaltschieberkasten verstopfen.
📊 Ab ca. 80.000 km, insbesondere wenn Getriebeölwechsel vernachlässigt wurden.
Defektes Schaltmagnetventil (Solenoid)
HäufigSchaltmagnetventile steuern den Öldruck zu den einzelnen Kupplungen. Ein Ventil für den 5. Gang kann mechanisch klemmen, durch Schmutz blockiert sein oder einen elektrischen Defekt (Unterbrechung, Kurzschluss) aufweisen. Dadurch wird der Gang nicht korrekt eingelegt.
📊 Kann bei jeder Laufleistung auftreten, häufiger ab 120.000 km.
Interner mechanischer Verschleiß
GelegentlichDie Reibbeläge der Lamellenkupplung für den 5. Gang können verschleißen. Dies führt dazu, dass sie das Drehmoment nicht mehr vollständig übertragen können und durchrutschen. Diese Reparatur ist aufwendig und erfordert eine Getriebeinstandsetzung.
📊 Typischerweise bei hohen Laufleistungen über 200.000 km oder bei starker Belastung.
Fehler im Schaltschieberkasten (Ventilkörper)
SeltenDer Schaltschieberkasten ist das hydraulische Gehirn des Getriebes. Risse im Gehäuse, klemmende Ventile oder verschlissene Bohrungen können zu internen Druckverlusten führen, die gezielt den 5. Gang betreffen. Oftmals ist ein Austausch oder eine Überholung des gesamten Schaltschieberkastens notwendig.
Defektes Getriebesteuergerät (TCM)
Sehr seltenEin Ausfall des Steuergeräts selbst ist eine der unwahrscheinlichsten Ursachen. Bevor das TCM in Betracht gezogen wird, müssen alle mechanischen, hydraulischen und elektrischen Komponenten (Sensoren, Aktoren, Kabelbäume) gründlich geprüft werden. Manchmal kann auch ein Softwarefehler vorliegen, der ein Update erfordert.
Diagnose Schritt für Schritt
Systematische Fehlersuche vom günstigsten zum aufwändigsten Schritt. Notiere nach jedem Schritt das Ergebnis.
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Schritt 1
Sichtprüfung & Fehlerspeicher auslesen
Lies zunächst den Fehlerspeicher aus, um P0735 und eventuelle Begleitfehler (z.B. von Drehzahlsensoren oder Magnetventilen) zu bestätigen. Prüfe anschließend bei laufendem Motor (Herstellervorgabe beachten!) den Stand und Zustand des Getriebeöls (ATF). Achte auf die Farbe (sollte rot/klar sein, nicht braun/schwarz) und den Geruch (darf nicht verbrannt riechen).
Soll-Ergebnis: Der Fehlerspeicher ist idealerweise leer und der Ölstand befindet sich im korrekten Bereich bei korrekter Temperatur. Das Öl ist klar und riecht nicht verbrannt. -
Schritt 2
Analyse der Getriebe-Live-Daten
Mache eine Probefahrt und beobachte die Live-Daten des Getriebes. Wichtige Parameter sind: Getriebeeingangsdrehzahl, Getriebeausgangsdrehzahl, angeforderter Gang, tatsächlicher Gang und der Status der Magnetventile. Beobachte genau, was passiert, wenn das Getriebe in den 5. Gang schalten soll. Siehst du einen Anstieg der Eingangsdrehzahl (Motordrehzahl), während die Ausgangsdrehzahl nicht proportional zunimmt, ist das ein klarer Hinweis auf Schlupf.
Soll-Ergebnis: Bei einem korrekten Schaltvorgang in den 5. Gang fällt die Eingangsdrehzahl ab und die Drehzahlverhältnisse (Ratio) von Eingangs- zu Ausgangsdrehzahl entsprechen dem Sollwert für den 5. Gang. -
Schritt 3
Elektrische Prüfung der Magnetventile
Sofern zugänglich, messe den Widerstand des für den 5. Gang zuständigen Schaltmagnetventils am Stecker des Getriebes oder direkt am Ventil. Vergleiche den Wert mit der Herstellervorgabe. Mit einem guten Diagnosegerät kannst du eventuell auch einen Stellgliedtest durchführen und das Ventil manuell ansteuern, um zu hören, ob es klickt.
Soll-Ergebnis: Der gemessene Widerstand liegt innerhalb des vom Hersteller spezifizierten Bereichs (z.B. 10-20 Ohm). Das Ventil reagiert auf die Ansteuerung. -
Schritt 4
Hydraulische Druckprüfung
Dieser Schritt ist für Profis. Schließe Manometer an die dafür vorgesehenen Testports am Getriebegehäuse an, um den allgemeinen Leitungsdruck und den spezifischen Druck im Kupplungskreislauf des 5. Ganges zu messen. Vergleiche die Werte bei verschiedenen Drehzahlen und Lastzuständen mit den Sollwerten aus den Werkstattunterlagen. Ein zu niedriger Druck bestätigt ein hydraulisches Problem.
Soll-Ergebnis: Alle gemessenen Drücke entsprechen den Sollwerten des Herstellers unter den jeweiligen Testbedingungen. -
Schritt 5
Inspektion der Ölwanne
Wenn die bisherigen Schritte keine eindeutige Ursache liefern, ist der letzte Schritt vor einer Demontage des Getriebes die Abnahme der Ölwanne. Untersuche den Magneten in der Wanne und das alte Öl auf Metallspäne oder Partikel von Kupplungsbelägen. Ein signifikanter Abrieb ist ein eindeutiges Indiz für einen schweren mechanischen Verschleiß im Inneren des Getriebes.
Soll-Ergebnis: In der Ölwanne und am Magneten finden sich nur minimale, feine metallische Partikel (normaler Verschleiß), aber keine groben Späne oder Stücke von Kupplungsmaterial.
Messwerte & Sollwerte
Referenzwerte für die Live-Daten-Diagnose mit OBD2-Scanner oder Multimeter.
| Messwert | Bedingung | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| Getriebeöltemperatur (Live-Daten) | Fahrzeug betriebswarm | 80 - 100 °C | ±10 °C |
| Widerstand Schaltmagnetventil | Zündung aus, Stecker abgezogen | Herstellerspezifisch (z.B. 10-20 Ohm) | ±1 Ohm |
| Leitungsdruck im Leerlauf (Stufe D) | Motor im Leerlauf, betriebswarm | Herstellerspezifisch (z.B. 3.5 - 4.5 bar) | ±0.2 bar |
Reparaturkosten im Detail
| Diagnose in einer Getriebe-Fachwerkstatt | 80 – 200 € |
| Getriebeölwechsel mit Spülung | 350 – 600 € |
| Schaltmagnetventil ersetzen (inkl. Öl und Dichtung) | 400 – 800 € |
| Getriebeinstandsetzung / Austauschgetriebe | 2500 – 5000 € |
Richtwerte für freie Werkstätten in Deutschland (Stand 2026). Bei Markenwerkstätten liegen die Arbeitskosten 20–40 % höher. Reine Fehlerspeicher-Diagnose kostet typischerweise 40–80 €.
Hersteller-spezifische Hinweise
Der gleiche Code kann bei verschiedenen Marken unterschiedliche Ursachen haben. Typische Auffälligkeiten:
Bei Fahrzeugen mit DSG (z.B. DQ250) kann dieser Fehler auf ein Problem in der Mechatronik-Einheit hindeuten. Oft sind die Magnetventile oder die interne Hydrauliksteuerung betroffen. Bei älteren Tiptronic-Wandlerautomaten ist der Fehler oft auf verschlissene Kupplungen oder den Schaltschieberkasten zurückzuführen.
Die weit verbreiteten ZF-Automatikgetriebe (z.B. 6HP, 8HP) sind robust, können aber im Alter unter verschlissenen Dichtungen im Schaltschieberkasten oder defekten Magnetventilen leiden. Manchmal kann auch ein Reset der Getriebeadaptionswerte oder ein Softwareupdate Abhilfe schaffen, bevor teure Teile getauscht werden.
Besonders bei der 7G-Tronic (NAG2/722.9) ist ein häufiger Verursacher die elektronische Leiterplatte (EHS), die im Schaltschieberkasten integriert ist. Defekte an den Drehzahlsensoren oder den Ventilen auf dieser Platine können zu diversen Übersetzungsfehlern führen.
Bei Modellen mit PowerShift-Doppelkupplungsgetriebe kann der Fehler auf Probleme mit den Kupplungen oder dem TCM hindeuten. Bei traditionellen Wandlerautomaten wie dem 6F35 sind Probleme mit dem Magnetventilblock eine bekannte Schwachstelle.
Je nach Getriebetyp (z.B. AF40/AWTF-80 SC von Aisin) sind die Ursachen ähnlich wie bei anderen Herstellern. Oft sind es die Magnetventile, die aufgrund von Ölverschmutzung klemmen. Regelmäßige Ölwechsel sind hier besonders wichtig.
Obwohl ihre Getriebe als sehr zuverlässig gelten, können bei hohen Laufleistungen auch hier Magnetventile ausfallen oder mechanischer Verschleiß an den Kupplungen auftreten. Die Diagnose ist jedoch meist geradlinig und die Teile sind gut verfügbar.
Kann ich das selbst reparieren?
Arbeiten am Automatikgetriebe erfordern spezielles Wissen, Werkzeuge und absolute Sauberkeit.
OBD2-Diagnosegerät mit Live-Daten, Multimeter, Drehmomentschlüssel, Steckschlüsselsatz, Getriebeöl-Einfüllpumpe, Auffangwanne
Als Hobbyschrauber kannst du den Fehlerspeicher auslesen und den Ölstand prüfen (sofern ein Peilstab vorhanden ist). Alle weiteren Arbeiten, insbesondere das Öffnen des Getriebes oder den Tausch von internen Komponenten, solltest du unbedingt einer Fachwerkstatt, idealerweise einem Getriebespezialisten, überlassen. Das Risiko, einen teuren Folgeschaden zu verursachen, ist extrem hoch.
Wann zur Werkstatt?
Bei einem Fehlercode wie P0735 solltest du immer und umgehend eine Werkstatt aufsuchen. Ein Weiterfahren im Notlauf sollte nur für die kürzeste notwendige Strecke zur Werkstatt erfolgen. Eine freie Werkstatt mit gutem Ruf kann eine erste Diagnose und einen Ölwechsel durchführen. Bei Verdacht auf einen internen Defekt ist der Gang zu einem spezialisierten Getriebeinstandsetzer jedoch die beste Wahl. Diese Betriebe haben die nötige Erfahrung und Ausrüstung für eine tiefgehende Diagnose und können oft eine kostengünstigere Reparatur statt eines teuren Komplettaustauschs anbieten.
So beugst du vor
Die wichtigste vorbeugende Maßnahme ist die strikte Einhaltung der vom Hersteller vorgeschriebenen Wartungsintervalle für das Getriebeöl (ATF). Viele Hersteller bewerben ihre Getriebe als „wartungsfrei“, doch die Praxis zeigt, dass ein regelmäßiger Ölwechsel (oft alle 60.000 bis 100.000 km) die Lebensdauer erheblich verlängert. Verwende ausschließlich das exakt für dein Getriebe spezifizierte Öl. Eine ruhige, vorausschauende Fahrweise ohne ständige Kickdown-Manöver und das Vermeiden von Anhängerbetrieb an der Belastungsgrenze schonen das Getriebe zusätzlich.
Ähnliche Codes
Häufige Fragen zum Fehlercode
Kann ich mit dem Fehlercode P0735 noch fahren?
Wie lange dauert die Reparatur?
Ist P0735 ein Garantiefall?
Fehler gelöscht – kommt er wieder?
Gibt es eine einfache Sofort-Prüfung?
Bestehe ich den TÜV mit dem Fehlercode P0735?
Fazit
Der Fehlercode P0735 ist ein ernstzunehmendes Signal für ein Problem im Automatikgetriebe, das schnelles Handeln erfordert. Meist liegt die Ursache in einem zu niedrigen oder alten Getriebeölstand oder einem defekten Schaltmagnetventil. Ignorierst du die Warnung, riskierst du einen sehr teuren Getriebeschaden. Unsere klare Empfehlung: Fahre umgehend zu einer Werkstatt, am besten zu einem Spezialisten für Getriebeinstandsetzung. Eine frühzeitige und korrekte Diagnose kann dir viel Geld sparen und die Lebensdauer deines Fahrzeugs sichern.