Fehlercode P1106
Saugrohrdrucksensor Signal sporadisch oder unplausibel
Der Fehlercode P1106 bedeutet, dass das Motorsteuergerät ein unplausibles oder zeitweise aussetzendes Signal vom Saugrohrdrucksensor (MAP) empfängt. Dies deutet auf ein Problem mit dem Sensor, seiner Verkabelung oder einem Leck im Ansaugsystem hin.
Was meldet das Steuergerät?
Das Motorsteuergerät (ECU) hat eine Unstimmigkeit bei den vom Saugrohrdrucksensor (MAP-Sensor) gelieferten Werten festgestellt. Konkret bedeutet das, dass die gemessene Spannung des Sensors nicht zu den erwarteten Werten passt, die sich aus anderen Parametern wie Motordrehzahl, Drosselklappenstellung und Luftmassenmesser-Daten ergeben. Beispielsweise erwartet die ECU bei geschlossener Drosselklappe im Leerlauf einen hohen Unterdruck (niedrige Spannung), während bei Vollgas der Druck im Saugrohr dem atmosphärischen Druck entsprechen sollte (hohe Spannung). Wenn das Signal plötzlich springt, ausfällt oder dauerhaft zu hoch oder zu niedrig ist, wird dies als Fehler erkannt.
Die Diagnoseroutine der ECU überwacht die Signalspannung des MAP-Sensors kontinuierlich. Der Fehlercode P1106 wird gesetzt, wenn die Spannung für eine vordefinierte Zeitspanne (oft nur wenige Sekunden) einen oberen Schwellenwert (z.B. 4,8 Volt) oder einen unteren Schwellenwert (z.B. 0,2 Volt) über- bzw. unterschreitet. Alternativ kann der Code auch durch eine Plausibilitätsprüfung ausgelöst werden. Dabei vergleicht die ECU den gemessenen Saugrohrdruck mit einem berechneten Modellwert. Weicht der gemessene Wert signifikant vom erwarteten Wert ab, wird nach mehreren Fahrzyklen mit wiederkehrendem Fehler die Motorkontrollleuchte aktiviert und der Code gespeichert.
Der Saugrohrdrucksensor ist ein entscheidender Sensor für die moderne Motorsteuerung. Er misst den absoluten Druck (also den Unterdruck) im Ansaugkrümmer hinter der Drosselklappe. Technisch handelt es sich meist um einen piezoresistiven Sensor, dessen elektrischer Widerstand sich mit dem anliegenden Druck ändert. Diese Widerstandsänderung wird in ein Spannungssignal umgewandelt, das die ECU zur Berechnung der Motorlast verwendet. Anhand dieser Information werden die Einspritzmenge und der Zündzeitpunkt präzise angepasst. Ausfallen kann der Sensor durch Alterung, thermische Belastung, Vibrationen oder durch Verschmutzung seiner Messöffnung mit Öl und Ruß aus der Kurbelgehäuseentlüftung.
Der Fehlercode P1106 ist als mäßig kritisch einzustufen. Ein direkter, kapitaler Motorschaden ist unwahrscheinlich, jedoch wird der Motor in den meisten Fällen in ein Notlaufprogramm versetzt. Dabei verwendet die ECU feste Ersatzwerte anstelle der fehlerhaften Sensordaten. Dies führt zu spürbar schlechterer Leistung, erhöhtem Kraftstoffverbrauch und schlechteren Abgaswerten. Ignoriert man den Fehler über längere Zeit, kann ein fettes oder mageres Gemisch den Katalysator durch Überhitzung oder Verrußung schädigen, was zu einer sehr teuren Folgereparatur führen kann.
Typische Symptome bei P1106
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Fehlercode P1106 aktiv ist. Je mehr Symptome zutreffen, desto wahrscheinlicher:
- Die Motorkontrollleuchte (MKL) ist aktiviert.
- Unruhiger, sägender oder absterbender Motor im Leerlauf.
- Spürbarer Leistungsverlust und verzögerte Gasannahme.
- Erhöhter Kraftstoffverbrauch.
- Ruckeln des Fahrzeugs, besonders bei Teillast oder Beschleunigung.
- Schwarzer Rauch aus dem Auspuff bei zu fettem Gemisch.
Häufige Ursachen
Nach Wahrscheinlichkeit geordnet – arbeite die Liste von oben nach unten ab, bevor du Teile tauschst.
Defekter Saugrohrdrucksensor (MAP-Sensor)
Sehr häufigDie häufigste Ursache ist ein interner Defekt des Sensors selbst. Alterung, Hitzezyklen und Vibrationen führen zum Versagen der empfindlichen Elektronik oder der Membran im Inneren. Der Sensor liefert dann keine, sporadische oder komplett falsche Werte.
📊 Ab ca. 100.000 km, kann aber auch früher auftreten.
Undichtigkeiten im Ansaugsystem (Falschluft)
HäufigPoröse oder gerissene Unterdruckschläuche, eine defekte Ansaugkrümmerdichtung oder ein fehlerhaftes Kurbelgehäuseentlüftungsventil (PCV) lassen ungefilterte Luft ins System. Dieser 'Falschluft' genannte Zustand verfälscht den Saugrohrdruck, was die ECU als unplausibles Sensorsignal interpretiert.
📊 Häufiger bei Fahrzeugen älter als 8 Jahre, da Gummiteile spröde werden.
Elektrische Probleme (Kabelbaum, Stecker)
GelegentlichKorrosion am Stecker des MAP-Sensors, ein Kabelbruch durch Vibrationen oder ein Kurzschluss im Kabelbaum können das Signal stören oder komplett unterbrechen. Oft sind solche Schäden an Knickstellen oder in der Nähe von heißen Motorteilen zu finden.
Verschmutzung des Sensors
SeltenÖldämpfe und Rußpartikel aus der Kurbelgehäuseentlüftung können die kleine Öffnung des MAP-Sensors zusetzen. Dadurch kann der Sensor den Druck nicht mehr schnell und präzise messen, was zu trägen oder falschen Signalen führt. Dies ist vor allem bei Motoren mit hoher Laufleistung oder erhöhtem Ölverbrauch ein Thema.
📊 Ab ca. 150.000 km oder bei bekannten Ölverbrauchsproblemen.
Defektes Motorsteuergerät (ECU)
Sehr seltenIn äußerst seltenen Fällen liegt der Fehler nicht am Sensor oder der Peripherie, sondern am Motorsteuergerät selbst. Ein interner Defekt im Eingangsschaltkreis für das MAP-Signal kann den Fehlercode P1106 verursachen. Dies sollte immer die letzte geprüfte Möglichkeit sein.
Diagnose Schritt für Schritt
Systematische Fehlersuche vom günstigsten zum aufwändigsten Schritt. Notiere nach jedem Schritt das Ergebnis.
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Schritt 1
Sichtprüfung & Fehlerspeicher auslesen
Lies zunächst den Fehlerspeicher komplett aus und notiere alle Codes. Prüfe dann den MAP-Sensor, seinen Stecker und alle sichtbaren Unterdruckschläuche auf Risse, lose Verbindungen oder offensichtliche Beschädigungen.
Soll-Ergebnis: Der Fehlerspeicher zeigt P1106, eventuell begleitet von Gemisch-Fehlern (P0171/P0172). Bei der Sichtprüfung sind keine Schäden erkennbar. -
Schritt 2
Prüfung des Ansaugsystems auf Falschluft
Die professionellste Methode ist das Abnebeln des Ansaugtrakts bei stehendem Motor. Alternativ kann bei laufendem Motor vorsichtig Bremsenreiniger auf Dichtflächen und Schläuche gesprüht werden. Eine Drehzahlerhöhung verrät eine undichte Stelle.
Soll-Ergebnis: Es tritt kein Nebel aus dem Ansaugsystem aus und die Motordrehzahl bleibt bei der Prüfung mit Bremsenreiniger stabil. -
Schritt 3
Elektrische Prüfung des MAP-Sensor-Stromkreises
Ziehe den Stecker vom Sensor ab. Messe bei eingeschalteter Zündung die Spannungsversorgung (meist 5V Referenzspannung) und die Masseverbindung am Stecker. Prüfe außerdem den Durchgang der Signalleitung zwischen Sensorstecker und Steuergerätestecker.
Soll-Ergebnis: Am Stecker liegen ca. 5V an, die Masseverbindung ist einwandfrei (< 0.1 Ohm zu Masse) und die Signalleitung hat Durchgang. -
Schritt 4
Dynamische Prüfung des MAP-Sensors
Schließe den Sensor wieder an und verbinde das Multimeter mit der Signalleitung. Bei Zündung AN (Motor AUS) sollte die Spannung dem atmosphärischen Druck entsprechen. Lege nun mit der Vakuumpumpe stufenweise Unterdruck an und beobachte, ob die Spannung linear und ohne Sprünge abfällt.
Soll-Ergebnis: Die Signalspannung sinkt gleichmäßig mit zunehmendem Unterdruck. Bei ca. -0,7 bar sollte die Spannung bei etwa 1V liegen. -
Schritt 5
Probeweiser Austausch des Sensors
Wenn alle vorherigen Tests unauffällig waren, der Fehler aber weiterhin besteht, ist ein interner, sporadischer Defekt des Sensors wahrscheinlich. Ein Austausch gegen ein Neuteil eines Markenherstellers ist hier der letzte und oft entscheidende Diagnoseschritt.
Soll-Ergebnis: Nach dem Austausch des Sensors und dem Löschen des Fehlerspeichers tritt der Code P1106 auch nach einer ausgiebigen Probefahrt nicht mehr auf.
Messwerte & Sollwerte
Referenzwerte für die Live-Daten-Diagnose mit OBD2-Scanner oder Multimeter.
| Messwert | Bedingung | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| MAP-Sensor Signalspannung (Zündung AN, Motor AUS) | Fahrzeug auf Meereshöhe | 4,5 - 4,9 V | ±0.2 V |
| MAP-Sensor Signalspannung (Leerlauf, betriebswarm) | Saugmotor, ca. 800 U/min | 1,0 - 1,5 V | ±0.3 V |
| Referenzspannung am Sensorstecker | Zündung AN, Stecker abgezogen | 5,0 V | ±0.1 V |
Reparaturkosten im Detail
| Diagnose in der Werkstatt | 50 – 100 € |
| Saugrohrdrucksensor (Marken-OE-Qualität) | 60 – 180 € |
| Saugrohrdrucksensor (Nachbau) | 30 – 80 € |
| Arbeitszeit Einbau (0,5-1,0 h) | 60 – 120 € |
Richtwerte für freie Werkstätten in Deutschland (Stand 2026). Bei Markenwerkstätten liegen die Arbeitskosten 20–40 % höher. Reine Fehlerspeicher-Diagnose kostet typischerweise 40–80 €.
Hersteller-spezifische Hinweise
Der gleiche Code kann bei verschiedenen Marken unterschiedliche Ursachen haben. Typische Auffälligkeiten:
Bei aufgeladenen TSI- und TFSI-Motoren des VAG-Konzerns ist der Saugrohrdrucksensor oft mit dem Ladedrucksensor kombiniert. P1106 kann hier auf eine Unplausibilität zwischen diesem Sensor und dem Sensor für den atmosphärischen Druck hindeuten. Eine häufige Ursache sind auch Undichtigkeiten im Ladeluftsystem, z.B. am Ladeluftkühler.
Bei einigen Ford-Modellen, insbesondere mit Duratec-Motoren, bezieht sich P1106 nicht auf den MAP-, sondern auf den Luftmassenmesser (MAF). Die Definition lautet hier oft 'MAF Sensor In Range But Higher Than Expected'. Die Diagnose muss sich dann auf den LMM, dessen Verkabelung und Falschluft zwischen LMM und Drosselklappe konzentrieren.
Bei vielen Opel-Benzinern (z.B. Astra G/H, Corsa C/D, Zafira A/B) ist P1106 ein sehr typischer Fehlercode für einen defekten MAP-Sensor. Oft äußert sich der Fehler durch starkes Ruckeln bei konstanter Fahrt. Meist ist ein direkter Austausch des Sensors die schnellste und sicherste Lösung.
Kann ich das selbst reparieren?
Der Austausch des Sensors ist oft einfach, die Diagnose erfordert jedoch elektrische Messungen und Spezialwerkzeug.
OBD2-Diagnosegerät, Multimeter, Steckschlüsselsatz, Drehmomentschlüssel, idealerweise eine Nebelmaschine oder Hand-Vakuumpumpe
Der Austausch des Sensors kann von einem geübten Hobbyschrauber oft selbst durchgeführt werden, da das Bauteil meist gut zugänglich ist. Die Fehlersuche bei elektrischen Problemen oder schwer zu findenden Falschluftlecks sollte jedoch der Fachwerkstatt überlassen werden, um Fehldiagnosen und unnötige Kosten zu vermeiden.
Wann zur Werkstatt?
Ein Besuch in der Werkstatt ist immer dann ratsam, wenn du dir bei der Diagnose unsicher bist oder nicht über die notwendigen Werkzeuge wie ein Multimeter oder eine Nebelmaschine verfügst. Spätestens wenn die Sichtprüfung und der Austausch des Sensors auf Verdacht keine Besserung bringen, ist professionelle Hilfe gefragt. Eine gute freie Werkstatt ist für diesen Fehler absolut ausreichend. Nur bei Verdacht auf ein defektes Steuergerät oder wenn fahrzeugspezifische Software-Updates im Raum stehen, ist der Gang zur Markenwerkstatt sinnvoll.
So beugst du vor
Um dem Fehler P1106 vorzubeugen, ist die Einhaltung der regulären Wartungsintervalle entscheidend. Ein sauberer Luftfilter schützt den Ansaugtrakt vor Verschmutzung. Die Verwendung von hochwertigem Motoröl reduziert die Bildung von Öldämpfen, die den Sensor verschmutzen können. Achte bei Arbeiten im Motorraum darauf, keine Unterdruckschläuche zu beschädigen oder abzuziehen. Bei Fahrzeugen mit bekannter Problematik kann ein präventiver Austausch des Sensors bei einer Laufleistung von ca. 120.000 km sinnvoll sein.
Ähnliche Codes
Häufige Fragen zum Fehlercode
Kann ich mit dem Fehlercode P1106 noch fahren?
Wie lange dauert die Reparatur?
Ist P1106 ein Garantiefall?
Fehler gelöscht – kommt er wieder?
Gibt es eine einfache Sofort-Prüfung?
Bestehe ich die Hauptuntersuchung (TÜV) mit diesem Code?
Fazit
Der Fehlercode P1106 ist ein häufiger und meist klar umrissener Fehler, der auf ein Problem mit dem Saugrohrdrucksensor oder seiner unmittelbaren Umgebung hindeutet. Die häufigste Ursache ist ein defekter Sensor. Auch wenn keine unmittelbare Gefahr für den Motor besteht, solltest du die Reparatur zeitnah durchführen lassen, um Folgeschäden am Katalysator und einen unnötig hohen Kraftstoffverbrauch zu vermeiden. Die Diagnose ist für eine Fachwerkstatt Routine und die Kosten für die Reparatur halten sich in einem überschaubaren Rahmen.