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Lenkung bei der HU: So bestehst du die Prüfung (TÜV-Ratgeber)

Die Prüfung der Lenkung bei der HU ist entscheidend für deine Sicherheit. Erfahre hier, was der TÜV bei Lenkungsspiel, Spurstangen und Manschetten prüft, welche Mängel als erheblich gelten und wie du dein Auto optimal auf die Hauptuntersuchung vorbereitest.

Lenkung bei der HU: So bestehst du die Prüfung (TÜV-Ratgeber)
Kurz & klar

Bei der Lenkung für die HU prüft der Sachverständige das Lenkungsspiel, den Zustand der Spurstangenköpfe, die Dichtheit der Lenkmanschetten und die Funktion der Servolenkung. Zu viel Spiel, rissige Manschetten oder ausgeschlagene Gelenke führen meist zu einem erheblichen Mangel und dem Versagen der HU-Plakette gemäß § 29 StVZO.

Das Wichtigste in Kürze

  • Lenkungsspiel: Mehr als zwei bis drei Zentimeter Spiel am Lenkradumfang gelten als erheblicher Mangel bei der Hauptuntersuchung.
  • Sichtprüfung: Rissige oder undichte Lenkmanschetten sind ein häufiger Mangel und können teure Folgeschäden am Lenkgetriebe verursachen.
  • Spurstangenköpfe: Ausgeschlagene Gelenke am Spurstangenkopf sind ein erheblicher Mangel und gefährden die Fahrsicherheit unmittelbar.
  • Kostenfalle: Nach dem Tausch von Spurstangenköpfen ist eine teure Achsvermessung Pflicht, um die Spur korrekt einzustellen.
  • Vorsorge: Ein einfacher Selbsttest von Lenkungsspiel und Manschetten vor dem HU-Termin kann dir eine teure Nachprüfung ersparen.
📑 Inhaltsverzeichnis (aufklappen)
  1. Was der Prüfer bei der Lenkung für die HU genau kontrolliert
  2. Typische Mängel an der Lenkung: Von gering bis erheblich
  3. Kosten-Check: Was kostet die Reparatur der Lenkung?
  4. So prüfst Du die Lenkung vor der Hauptuntersuchung selbst
  5. Fazit: Sicherheit hat Vorrang
  6. Häufige Fragen

Die korrekte Funktion der Lenkung bei der HU ist kein Nebenschauplatz, sondern ein zentraler Aspekt für Deine Sicherheit und die Deines Fahrzeugs. Bei der Hauptuntersuchung nach § 29 StVZO widmet der Sachverständige der Lenkanlage daher besondere Aufmerksamkeit. Mängel in diesem Bereich werden selten als geringfügig eingestuft. Ein zu großes Lenkungsspiel, verschlissene Spurstangen oder poröse Manschetten sind nicht nur gefährlich, sondern auch ein sicherer Weg, die begehrte HU-Plakette zu verfehlen. In diesem Ratgeber erkläre ich Dir als Juristin und Expertin für HU-Recht, was genau geprüft wird, welche Mängel kritisch sind und wie Du Dich und Dein Auto optimal auf die Prüfung der Lenkung vorbereitest.

Was der Prüfer bei der Lenkung für die HU genau kontrolliert

Die Prüfung der Lenkanlage ist ein mehrstufiger Prozess, der in der HU-Richtlinie (Anlage VIIIa zu § 29 StVZO) genau definiert ist. Sie ist Teil der Baugruppe „Fahrwerk, Achsen, Räder, Reifen“. Der Prüfingenieur geht dabei systematisch vor, meist auf einer Grube oder Hebebühne, oft unter Zuhilfenahme einer Rüttelplatte. Folgende Punkte stehen im Fokus:

  • Funktions- und Sichtprüfung: Zunächst wird das Lenkrad im Stand von Anschlag zu Anschlag gedreht. Der Prüfer achtet auf die Leichtgängigkeit, das Rückstellverhalten und auf ungewöhnliche Geräusche wie Knacken oder Mahlen. Gleichzeitig prüft er von außen, ob die Bewegung der Räder der Lenkradbewegung ohne große Verzögerung folgt.
  • Prüfung auf der Rüttelplatte: Hier werden die Achsen hydraulisch seitlich verschoben, um das Fahrverhalten in Kurven zu simulieren. Dabei zeigt sich übermäßiges Spiel in den Gelenken der Lenkung besonders deutlich. Der Prüfer beobachtet dabei alle Bauteile von unten.
  • Detaillierte Sichtprüfung der Bauteile: Alle Komponenten der Lenkung werden auf Korrosion, Beschädigungen, korrekte Befestigung und Dichtheit geprüft. Dazu gehören das Lenkgetriebe selbst, die Lenkstange, die Spurstangen und insbesondere die Spurstangenköpfe, Umlenkhebel sowie eventuell vorhandene Lenkungsdämpfer.
  • Prüfung der Servolenkung: Bei Fahrzeugen mit hydraulischer oder elektrohydraulischer Servounterstützung werden Schläuche und Leitungen auf Dichtheit und Scheuerstellen kontrolliert. Auch der Flüssigkeitsstand im Ausgleichsbehälter wird geprüft. Ein Ausfall der Servolenkung ist ein erheblicher Mangel.

Diese gründliche Untersuchung stellt sicher, dass die Lenkung bei der HU den gesetzlichen Anforderungen entspricht und keine Gefahr für den Straßenverkehr darstellt.

Typische Mängel an der Lenkung: Von gering bis erheblich

Der offizielle Mängelkatalog des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) und die Prüferfahrungen des VdTÜV-Verbands zeigen, dass Mängel an der Lenkung häufig sind und fast immer gravierend eingestuft werden. Eine Unterscheidung zwischen geringen (GM) und erheblichen Mängeln (EM) ist hier entscheidend für das Bestehen der Hauptuntersuchung.

Das Lenkungsspiel beim TÜV: Die Zwei-Finger-Regel

Ein gewisses Spiel ist technisch bedingt, doch zu viel Lenkungsspiel beim TÜV ist ein klares K.O.-Kriterium. Als Grenzwert gilt ein Leerweg von zwei bis drei Zentimetern am Lenkradumfang, bevor die Räder anfangen zu reagieren. Dies entspricht in etwa einer „Zwei-Finger-Breite“. Ist das Spiel größer, wird dies als erheblicher Mangel gewertet, da das Fahrzeug nicht mehr präzise gesteuert werden kann. Die Prüfung der Lenkung bei der HU fokussiert sich stark auf diesen Punkt.

Der Spurstangenkopf bei der HU: Ein kritisches Gelenk

Der Spurstangenkopf bei der HU ist ein besonders anfälliges Bauteil. Dieses Kugelgelenk verbindet die Spurstange mit dem Radträger und ist für die Übertragung der Lenkbewegung zuständig. Ist der Spurstangenkopf ausgeschlagen, hat er zu viel Spiel. Der Prüfer erkennt dies durch Rütteln am Rad oder den Einsatz eines Hebelwerkzeugs. Ein ausgeschlagener Spurstangenkopf ist immer ein erheblicher Mangel, da er im schlimmsten Fall brechen und zum sofortigen Verlust der Lenkkontrolle führen kann.

TÜV-Relevant

Erhebliche Mängel führen zur Verweigerung der Plakette. Mängel an der Lenkung sind keine Kleinigkeit und führen fast immer zur Einstufung als „erheblicher Mangel“ (EM). Das bedeutet: keine neue HU-Plakette und die Pflicht zur Nachprüfung innerhalb eines Monats.

Lenkmanschetten und Lenkgetriebe: Dichtheit ist Pflicht

Die Gummimanschetten (auch Faltenbälge genannt) schützen die Gelenke des Lenkgestänges vor Schmutz und Wasser und halten das Schmierfett im Gelenk. Sind diese Manschetten rissig oder porös, tritt Fett aus und Schmutz ein, was das Gelenk schnell zerstört. Eine defekte Manschette ist zunächst oft nur ein geringer Mangel, wird aber schnell zum erheblichen Mangel, wenn das Gelenk bereits Spiel aufweist. Ein Ölverlust am Lenkgetriebe selbst, erkennbar an ölfeuchten Manschetten oder Tropfenbildung, ist ebenfalls ein erheblicher Mangel bei der Lenkung HU.

Kosten-Check: Was kostet die Reparatur der Lenkung?

Die Kosten für eine Reparatur an der Lenkung können stark variieren. Entscheidende Faktoren sind das Fahrzeugmodell, der Stundensatz der Werkstatt und die Ersatzteilqualität. Die folgende Tabelle gibt Dir einen realistischen Überblick über gängige Arbeiten.

Reparatur Materialkosten (ca.) Arbeitszeit (ca.) Gesamtkosten (inkl. MwSt.)
Lenkmanschette wechseln (eine Seite) 20 – 40 € 1 – 1,5 Stunden 120 – 250 €
Spurstangenkopf wechseln (eine Seite) 30 – 80 € 1 – 2 Stunden 150 – 350 € (inkl. Achsvermessung)
Lenkgetriebe tauschen (ohne Servopumpe) 400 – 1.500 € 3 – 5 Stunden 800 – 2.500 €

Wichtig: Nach dem Tausch von Spurstangenköpfen ist eine Achsvermessung zwingend erforderlich, um die Spur korrekt einzustellen. Diese kostet zusätzlich 80 bis 150 Euro und ist in den obigen Schätzwerten bereits berücksichtigt. Ohne diese Einstellung kommt es zu erhöhtem Reifenabrieb und einem schlechten Fahrverhalten. Die Investition in die Lenkung vor der HU ist also auch eine Investition in die Langlebigkeit Deiner Reifen.

Profi-Tipp

Kombiniere Werkstatt-Termine. Steht der Tausch eines Spurstangenkopfes an, frage die Werkstatt, ob andere Fahrwerks-Arbeiten wie der Wechsel von Bremsen oder Stoßdämpfern sinnvoll kombiniert werden können. Das kann Rüstzeiten und Kosten für eine mehrfache Achsvermessung sparen.

So prüfst Du die Lenkung vor der Hauptuntersuchung selbst

Mit einem einfachen Selbsttest vor dem Termin kannst Du potenzielle Mängel an der Lenkung für die HU frühzeitig erkennen und sparst Dir im besten Fall Geld und Nerven für eine Nachprüfung. Hier eine kurze Anleitung:

  1. Lenkungsspiel prüfen: Stelle die Räder geradeaus. Starte den Motor, damit die Servolenkung aktiv ist. Bitte einen Helfer, von außen das linke Vorderrad zu beobachten. Bewege nun das Lenkrad leicht hin und her, bis der Helfer eine Bewegung am Rad erkennt. Der Weg, den Du am Lenkrad zurücklegst, sollte nicht mehr als 2-3 cm betragen.
  2. Lenkmanschetten sichtprüfen: Schlage die Lenkung voll in eine Richtung ein. So werden die Faltenbälge auf der Gegenseite maximal gedehnt. Leuchte mit einer Taschenlampe in den Radkasten und prüfe den Zustand der Gummimanschetten. Sind sie rissig, porös oder mit Schmierfett verschmiert?
  3. Auf Geräusche achten: Mache eine kurze Probefahrt auf einem leeren Parkplatz. Achte auf Geräusche wie Knacken oder Poltern beim Lenken im Stand und während der Fahrt, besonders in engen Kurven.
  4. Servolenkung kontrollieren: Prüfe bei abgestelltem, kaltem Motor den Füllstand im Behälter für die Servolenkung. Die Flüssigkeit sollte sich zwischen der MIN- und MAX-Markierung befinden.

Dieser kleine Check ersetzt natürlich nicht die professionelle Prüfung, gibt Dir aber eine gute Indikation, ob bei der Lenkung für die HU Probleme zu erwarten sind.

Fazit: Sicherheit hat Vorrang

Das Bestehen der Prüfung der Lenkung bei der HU ist mehr als nur eine formale Hürde. Es ist ein fundamentaler Aspekt Deiner Fahrsicherheit. Die Prüfer schauen hier zu Recht sehr genau hin, denn ein Defekt kann katastrophale Folgen haben. Ein geringer Aufwand bei der Vorbereitung, wie der hier beschriebene Selbst-Check, kann Dir nicht nur eine teure und ärgerliche Nachprüfung ersparen, sondern gibt Dir auch die Gewissheit, mit einem sicheren Fahrzeug unterwegs zu sein. Investitionen in die Lenkung sind immer gut angelegtes Geld.

Häufige Fragen

Was ist zulässiges Lenkungsspiel beim TÜV?

Ein geringes Lenkungsspiel ist normal. Als Faustregel gilt: Der Leerweg am Lenkrad, bevor die Räder reagieren, sollte nicht mehr als zwei bis drei Zentimeter (etwa zwei Finger breit) betragen. Alles darüber wird bei der Hauptuntersuchung als erheblicher Mangel eingestuft, da die Lenkpräzision und somit die Fahrsicherheit beeinträchtigt ist.

Was kostet die Reparatur eines Spurstangenkopfes?

Die Kosten für den Wechsel eines Spurstangenkopfes liegen inklusive Material und Arbeitszeit meist zwischen 150 und 350 Euro. Wichtig: Nach dem Austausch ist eine Achsvermessung für ca. 80-150 Euro zwingend erforderlich, die oft schon im Komplettpreis der Werkstatt enthalten ist. Ohne diese Einstellung würde sich der Reifen einseitig abnutzen.

Kann ich mit defekter Servolenkung zur HU fahren?

Nein, eine ausgefallene oder undichte Servolenkung wird bei der HU als erheblicher Mangel (EM) bewertet. Das Fahrzeug besteht die Prüfung somit nicht. Zudem ist das Fahren ohne Servounterstützung, wenn eine verbaut ist, sehr schwerfällig und im Straßenverkehr gefährlich. Du solltest den Defekt vor dem HU-Termin beheben lassen.

Wie erkenne ich eine defekte Lenkmanschette?

Eine defekte Lenkmanschette erkennst Du bei voll eingeschlagenen Rädern durch eine Sichtprüfung. Achte auf Risse, poröse Stellen oder Löcher im Gummi-Faltenbalg. Oft tritt an der defekten Stelle auch dunkles Schmierfett aus, das sich an der Manschette und benachbarten Teilen verteilt. Dies ist ein klares Zeichen für einen Defekt.