Bei der OBD AU verbindet der Prüfer ein Diagnosegerät mit der OBD2-Schnittstelle Deines Autos. Er liest abgasrelevante Daten aus dem Motorsteuergerät aus, prüft den Fehlerspeicher auf Fehlercodes und kontrolliert die sogenannten Readiness-Codes. Dies stellt sicher, dass alle Systeme zur Abgasreinigung korrekt funktionieren und keine Manipulationen vorliegen.
Das Wichtigste in Kürze
- Gesetzesgrundlage: Die OBD AU ist nach § 47a StVZO für Fahrzeuge ab Erstzulassung 2006 Pflicht und ersetzt die Endrohrmessung, wenn die Systeme fehlerfrei arbeiten.
- Readiness-Codes: Diese Codes zeigen an, ob alle abgasrelevanten Systemtests vom Fahrzeug selbst abgeschlossen wurden. Sind sie nicht gesetzt, gilt die AU als nicht bestanden.
- Fehlerspeicher: Ein gespeicherter, abgasrelevanter Fehlercode (z.B. P0420) oder eine leuchtende Motorkontrollleuchte führen zum sofortigen Nichtbestehen der Abgasuntersuchung.
- Prüfablauf: Der Prüfer checkt die Fahrgestellnummer, die Funktion der Motorkontrollleuchte und liest dann die Systemdaten und den Fehlerspeicher über die Diagnose-Schnittstelle aus.
- Vorbereitung ist alles: Lösche Fehlercodes nicht kurz vor der Prüfung. Fahre stattdessen einen kompletten Fahrzyklus, damit die Readiness-Codes gesetzt werden können.
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Die OBD AU ist seit 2006 ein fester und unumgänglicher Bestandteil der periodischen Fahrzeugüberwachung für fast alle modernen Kraftfahrzeuge. Statt einer reinen Endrohrmessung, bei der lediglich die ausgestoßenen Schadstoffe analysiert werden, rückt hier die elektronische Selbstdiagnose des Fahrzeugs in den Fokus. Der Prüfer greift dabei direkt auf die Daten des Motorsteuergeräts zu, um die Funktionstüchtigkeit aller abgasrelevanten Bauteile und Systeme zu verifizieren. Dieses Vorgehen basiert auf § 47a der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) und stellt sicher, dass die Abgasreinigung nicht nur im Moment der Prüfung, sondern dauerhaft im Alltagsbetrieb funktioniert. Für Dich bedeutet das: Ein intaktes Bordsystem ist der Schlüssel zur neuen HU-Plakette.
Rechtliche Grundlagen: Was § 47a StVZO zur OBD AU vorschreibt
Die rechtliche Basis für die Untersuchung des Motormanagement- und Abgasreinigungssystems ist in § 47a StVZO und den dazugehörigen Anlagen, insbesondere Anlage VIII und VIIIa, verankert. Die Vorschrift zielt darauf ab, die Einhaltung der Emissionsgrenzwerte über die gesamte Lebensdauer eines Fahrzeugs sicherzustellen. Kern der OBD AU ist die Überprüfung der On-Board-Diagnose (OBD), die bei allen Pkw mit Ottomotor seit dem 1. Januar 2001 und bei Dieselfahrzeugen seit dem 1. Januar 2004 Pflicht ist. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass die sogenannte Motorkontrollleuchte (MIL) vor dem Motorstart leuchten und nach dem Start erlöschen muss. Bleibt sie an oder leuchtet während der Fahrt, signalisiert dies einen Fehler im System, was unweigerlich zum Nichtbestehen der Abgasuntersuchung führt. Weiterhin muss die Kommunikation mit dem Motorsteuergerät über die genormte Diagnose-Schnittstelle möglich sein und die ausgelesene Fahrgestellnummer (FIN) mit der am Fahrzeug identisch sein. Laut VdTÜV-Mängelstatistik gehören Mängel am Abgassystem zu den häufigsten Beanstandungen bei der Hauptuntersuchung.
Der Prüfablauf der OBD AU Schritt für Schritt erklärt
Der Ablauf einer OBD AU folgt einem streng standardisierten Protokoll, um eine objektive und vergleichbare Bewertung zu gewährleisten. Ein Prüfingenieur einer amtlich anerkannten Überwachungsorganisation (wie TÜV, DEKRA, GTÜ oder KÜS) geht dabei wie folgt vor:
1. Visuelle und funktionale Vorprüfung
Zuerst erfolgt eine Sichtprüfung des Motorraums und der Abgasanlage auf offensichtliche Mängel, Manipulationen oder Undichtigkeiten. Anschließend wird die Zündung eingeschaltet, um die Funktion der Motorkontrollleuchte zu prüfen. Sie muss, wie gesetzlich gefordert, kurz aufleuchten (Selbsttest) und nach dem Starten des Motors wieder erlöschen. Dies bestätigt die grundsätzliche Funktionsfähigkeit der Warnleuchte selbst.
2. Verbindung über die Diagnose-Schnittstelle AU
Im zweiten Schritt verbindet der Prüfer sein Diagnosegerät, oft als AU-Tester oder OBD2-Scanner bezeichnet, mit der 16-poligen OBD-Buchse in Deinem Fahrzeug. Diese befindet sich meist im Fahrerfußraum, unterhalb des Lenkrads oder in der Mittelkonsole. Über diese Verbindung wird eine digitale Kommunikation mit dem Motorsteuergerät hergestellt.
3. Auslesen der Systemdaten
Nun beginnt der entscheidende Teil der OBD AU. Das Diagnosegerät liest mehrere Parameter aus:
- Fahrgestellnummer (FIN): Ein Abgleich stellt sicher, dass die Software zum Fahrzeug gehört.
- Status der Motorkontrollleuchte (MIL): Es wird geprüft, ob ein Befehl zum Einschalten der Leuchte vorliegt.
- Fehlerspeicher: Das System sucht nach gespeicherten, abgasrelevanten Fehlercodes (DTCs).
- Readiness-Codes: Diese binären Codes (gesetzt/nicht gesetzt) zeigen an, ob das Fahrzeug alle internen Systemtests seit dem letzten Löschen des Fehlerspeichers abgeschlossen hat.
Wenn alle Readiness-Codes gesetzt sind, kein abgasrelevanter Fehlercode gespeichert ist und die MIL nicht aktiviert ist, gilt die OBD AU als bestanden. Eine zusätzliche Endrohrmessung ist dann in der Regel nicht mehr erforderlich.
Ein einziger abgasrelevanter Fehlercode im Speicher oder eine nicht funktionierende Motorkontrollleuchte führen unweigerlich zum Nichtbestehen der AU. Es gibt hier keinerlei Ermessensspielraum für den Prüfer. Das Fahrzeug erhält einen erheblichen Mangel in der Mängelliste und die HU-Plakette wird verweigert.
Readiness-Codes und häufige Fehler bei der OBD AU
Die Readiness-Codes sind ein zentrales Element der OBD AU. Sie dienen als Nachweis, dass das Fahrzeug seine abgasrelevanten Komponenten selbstständig und erfolgreich überprüft hat. Wird der Fehlerspeicher gelöscht (z.B. nach einer Reparatur oder durch Abklemmen der Batterie), werden auch alle Readiness-Codes zurückgesetzt. Sie müssen durch einen spezifischen Fahrzyklus neu „erlernt“ werden. Sind zum Zeitpunkt der Prüfung nicht genügend Codes gesetzt, wird die AU ebenfalls als nicht bestanden gewertet, da eine Beurteilung der Systeme nicht möglich ist. Gemäß den Daten des Kraftfahrt-Bundesamtes (KBA) sind fehlerhafte Abgassysteme ein Dauerthema in der Fahrzeugüberwachung.
Typische Readiness-Codes und ihre Bedeutung
| Readiness-Code | System | Funktion |
|---|---|---|
| Katalysator (CAT) | Abgasanlage | Überwacht die Konvertierungsrate des Katalysators. |
| Beheizter Katalysator (HCAT) | Abgasanlage | Prüft die Aufheizphase des Katalysators. |
| Lambdasonde (O2S) | Gemischregelung | Überwacht die Funktion der Sauerstoffsensoren. |
| Lambdasondenheizung (HTR) | Gemischregelung | Stellt die schnelle Betriebsbereitschaft der Sonden sicher. |
| Abgasrückführung (AGR/EGR) | Abgasreduzierung | Kontrolliert das System zur Rückführung von Abgasen. |
| Sekundärluftsystem (AIR) | Abgasreduzierung | Prüft das Einblasen von Frischluft zur Nachverbrennung. |
Häufige Fehlercodes, die zum Nichtbestehen führen, sind beispielsweise P0420 (Wirkungsgrad Katalysatorsystem unter Schwellenwert) oder P0171 (System zu mager, Bank 1). Diese deuten auf ernste Probleme mit dem Katalysator, der Lambdasonde oder der Gemischbildung hin.
Vorbereitung und Reparatur: Was Du vor der Prüfung tun kannst
Eine gute Vorbereitung auf die OBD2 Abgasuntersuchung kann Dir Ärger und eine teure Nachprüfung ersparen. Leuchtet Deine Motorkontrollleuchte, solltest Du die Ursache unbedingt vor dem Termin in einer Fachwerkstatt klären lassen. Das bloße Löschen des Fehlerspeichers ist kontraproduktiv. setzt dies die Readiness-Codes zurück und der Prüfer erkennt den Eingriff sofort. Die eigentliche Ursache ist damit nicht behoben und der Fehler wird mit hoher Wahrscheinlichkeit nach kurzer Fahrt wieder eingetragen. Eine fachgerechte Reparatur ist unumgänglich. Nach dem Austausch eines defekten Bauteils wie einer Lambdasonde oder dem Luftmassenmesser ist es entscheidend, den für die OBD AU notwendigen Fahrzyklus zu absolvieren, damit das Motorsteuergerät alle Systemtests durchführen kann.
Nach einer Reparatur oder wenn die Batterie abgeklemmt war, fahre eine längere Strecke (ca. 30-50 km) mit variablen Drehzahlen und Geschwindigkeiten (Stadt, Landstraße, Autobahn). So gibst Du dem Motorsteuergerät die Chance, alle Systemtests durchzuführen und die Readiness-Codes für die OBD AU zu setzen.
Achte zudem auf einen betriebswarmen Motor bei der Vorführung zur Hauptuntersuchung. Ein Kaltstart kann die Messwerte negativ beeinflussen, falls doch eine ergänzende Endrohrmessung notwendig wird. Eine regelmäßige Wartung und die Beachtung von Symptomen wie unrundem Motorlauf oder erhöhtem Spritverbrauch helfen, teure Folgeschäden zu vermeiden und die Abgasuntersuchung problemlos zu bestehen.
Zusammenfassend ist die OBD AU ein effektives Werkzeug, um die dauerhafte Funktion der Abgasreinigungssysteme zu gewährleisten. Sie ist mehr als nur eine formale Hürde auf dem Weg zur neuen HU-Plakette. Ein sauberes Abgassystem schont nicht nur die Umwelt, sondern sorgt auch für einen effizienten Motorbetrieb und einen niedrigeren Kraftstoffverbrauch. Eine sorgfältige Vorbereitung und die rechtzeitige Behebung von Mängeln sind der beste Weg, um die Prüfung auf Anhieb zu meistern.
Alle unsere Ratgeber zu TÜV & HU findest du gebündelt in der TÜV & HU-Übersicht. Dort siehst du das gesamte Themen-Cluster im Zusammenhang und findest passende weiterführende Artikel.
Häufige Fragen
Was passiert, wenn mein Auto keine OBD-Schnittstelle hat?
Fahrzeuge, die vor den OBD-Vorschriften zugelassen wurden, meist vor 2001 bei Benzinern, unterliegen der klassischen Endrohrmessung. Hierbei wird mit einer Sonde direkt im Abgasstrom gemessen. Die Pflicht zur OBD AU gilt für neuere Fahrzeuge, die technisch dafür ausgerüstet sind.
Kann ich Fehlercodes einfach selbst löschen, um die AU zu bestehen?
Das ist keine gute Idee. Durch das Löschen werden auch die Readiness-Codes zurückgesetzt. Der Prüfer erkennt sofort, dass der Speicher kürzlich gelöscht wurde und wird die AU verweigern. Die zugrundeliegende Ursache des Fehlers bleibt zudem ungelöst und wird meist schnell wieder auftreten.
Leuchtet die Motorkontrollleuchte immer bei einem AU-relevanten Fehler?
Nicht immer. Manche Fehler werden im Speicher abgelegt, ohne sofort die Warnleuchte zu aktivieren. Sie gelten aber dennoch als erheblicher Mangel bei der OBD AU. Eine leuchtende Motorkontrollleuchte ist jedoch ein garantierter Grund für das Nichtbestehen der Prüfung.
Wie lange dauert die OBD AU?
Der reine Auslesevorgang über die Diagnose-Schnittstelle dauert nur wenige Minuten. Inklusive der Vorbereitung, dem Systemcheck und der Dokumentation ist die Abgasuntersuchung als Teil der Hauptuntersuchung meist in 15 bis 20 Minuten abgeschlossen, sofern keine Probleme auftreten.