Die AU Oldtimer ist für die meisten Fahrzeuge mit H-Kennzeichen gesetzlich vorgeschrieben und Teil der Hauptuntersuchung. Sie richtet sich nach den zum Zeitpunkt der Erstzulassung gültigen Grenzwerten und Prüfverfahren gemäß Anlage VIIIa StVZO. Fahrzeuge mit Erstzulassung vor dem 01.07.1969 sind von der Pflicht zur Abgasuntersuchung befreit.
Das Wichtigste in Kürze
- Pflicht: Die AU Oldtimer ist für fast alle H-Fahrzeuge obligatorisch und in die Hauptuntersuchung integriert.
- Ausnahme: Fahrzeuge mit Ottomotor und Erstzulassung vor dem 01.07.1969 sind von der Abgasuntersuchung befreit.
- Grenzwerte: Es gelten die historischen Abgaswerte des Erstzulassungsjahres, nicht moderne Abgasnormen.
- Prüfverfahren: Die Messung erfolgt nach den Vorgaben des § 47a StVZO, meist ohne OBD-Diagnose direkt am Endrohr.
- Dokumentation: Herstellerspezifische Daten sind für die Prüfung entscheidend und haben Vorrang vor pauschalen Grenzwerten.
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Die AU Oldtimer ist ein fester und unumgänglicher Bestandteil der Hauptuntersuchung (HU) für fast alle historischen Fahrzeuge, die ein H-Kennzeichen tragen oder anstreben. Anders als bei modernen Autos orientiert sich die Prüfung jedoch nicht an aktuellen, strengen Abgasnormen, sondern an den Werten, die zur Zeit der Erstzulassung Deines Klassikers galten. Diese Sonderregelung ist in § 47a der Straßenverkehrs-Zulassungs-Ordnung (StVZO) in Verbindung mit der Anlage VIIIa StVZO verankert. Sie trägt dem historischen Charakter der Fahrzeuge Rechnung. Für Dich als Besitzer bedeutet das, dass Du die spezifischen Anforderungen und Grenzwerte für Dein Modell kennen musst, um böse Überraschungen bei der Prüfstelle zu vermeiden und die begehrte HU-Plakette zu erhalten.
Gesetzliche Grundlagen: Wann ist die AU für Oldtimer Pflicht?
Die entscheidende Datums-Grenze
Grundsätzlich muss jedes Fahrzeug, das zur Hauptuntersuchung vorgeführt wird, auch eine Abgasuntersuchung bestehen. Für klassische Automobile gibt es jedoch eine wichtige Ausnahme, die Du kennen solltest. Gemäß der Anlage VIIIa StVZO sind Fahrzeuge von der Pflicht zur Abgasuntersuchung befreit, wenn sie vor dem 1. Juli 1969 (bei Ottomotoren) beziehungsweise vor dem 1. Januar 1980 (bei Dieselmotoren) erstmals zugelassen wurden. Liegt die Erstzulassung Deines Fahrzeugs vor diesem Stichtag, entfällt die Messung der Abgaswerte komplett. Für alle jüngeren Klassiker ist die AU Oldtimer hingegen obligatorisch. Die Prüfung ist dabei vollständig in die Hauptuntersuchung integriert und wird nicht mehr durch eine separate Plakette nachgewiesen. Das Bestehen ist Voraussetzung für eine neue HU-Plakette. Auch bei der Begutachtung für das H-Kennzeichen nach § 23 StVZO wird eine bestandene Oldtimer Abgasuntersuchung verlangt, sofern das Fahrzeug nicht unter die genannte Ausnahme fällt.
Der Prüfablauf der AU Oldtimer im Detail
Die Untersuchung der Abgase bei einem historischen Fahrzeug folgt einem klar definierten Protokoll, das sich von der modernen OBD2-Diagnose stark unterscheidet. Der Prüfer geht in der Regel in mehreren Schritten vor, um eine korrekte Messung sicherzustellen.
- Identifikation und Datenabgleich: Zuerst gleicht der Prüfer die Fahrzeugdaten mit den offiziellen Datenbanken ab. Hier werden die vom Hersteller vorgegebenen Soll-Werte für CO-Gehalt und andere relevante Parameter für Dein spezifisches Modell und Baujahr ermittelt. Eine gute Dokumentation Deinerseits kann hier hilfreich sein.
- Visuelle Prüfung: Der Prüfer kontrolliert die gesamte Abgasanlage vom Krümmer bis zum Endrohr auf Dichtheit und Beschädigungen. Auch der Motorraum wird inspiziert: Sind alle Schläuche intakt? Gibt es Anzeichen für Falschluft?
- Motor auf Betriebstemperatur bringen: Eine korrekte Messung ist nur bei warmem Motor möglich. Die Öltemperatur muss laut Vorschrift mindestens 80 °C betragen. Nur so ist sichergestellt, dass die Kaltstartanreicherung nicht mehr aktiv ist und ein eventuell vorhandener Katalysator seine Arbeitstemperatur erreicht hat.
- Die Messung: Eine Sonde wird in das Endrohr eingeführt. Bei Fahrzeugen ohne Katalysator erfolgt die Messung des CO-Wertes ausschließlich im Leerlauf. Bei Fahrzeugen mit geregeltem Katalysator (G-Kat) wird zusätzlich bei erhöhter Leerlaufdrehzahl (ca. 2.500 U/min) der Lambdawert und der CO-Gehalt geprüft. Die Durchführung der AU Oldtimer erfordert vom Prüfer viel Erfahrung.
Fehlen die Herstellervorgaben für die Abgaswerte, greift der Prüfer auf die gesetzlichen Standardwerte der Anlage VIIIa StVZO zurück. Diese können strenger sein als die Deines Fahrzeugs. Eine gute Dokumentation wie ein Werkstatthandbuch oder ein offizielles Datenblatt ist hier Gold wert!
Grenzwerte und Toleranzen: Was wird genau gemessen?
Die entscheidende Frage bei der AU Oldtimer ist: Welche Grenzwerte gelten für mein Fahrzeug? Maßgeblich sind immer die Vorgaben des Herstellers zum Zeitpunkt der Erstzulassung. Liegen diese nicht vor, gelten die pauschalen Grenzwerte aus der StVZO. Der wichtigste Wert bei älteren Vergasermotoren oder mechanischen Einspritzanlagen ist der Kohlenmonoxid-Gehalt (CO) im Abgas, der in Volumenprozent (Vol.-%) gemessen wird.
Typische CO-Grenzwerte im Überblick
| Zeitraum der Erstzulassung | Fahrzeugtyp | Maximaler CO-Grenzwert (Vol.-%) im Leerlauf |
|---|---|---|
| 01.07.1969 – 30.09.1977 | Ohne Katalysator | 4,5 % |
| 01.10.1977 – 31.12.1985 | Ohne Katalysator | 3,5 % |
| ab 01.01.1986 | Ohne Katalysator | 3,5 % |
| ab 1986 (je nach Modell) | Mit geregeltem Katalysator (G-Kat) | 0,5 % (bei erhöhter Drehzahl 0,3 %) |
Diese Tabelle dient als Orientierung. Die exakten Werte für Dein Fahrzeug können abweichen. Bei Fahrzeugen mit G-Kat kommt die Prüfung des Lambdawertes hinzu. Dieser muss sich im Bereich von λ = 0,97 bis 1,03 bewegen, was eine korrekt arbeitende Gemischregelung anzeigt. Die Einhaltung dieser Werte ist für eine erfolgreiche H-Kennzeichen AU unerlässlich und ein klares Indiz für einen gut eingestellten Motor.
Häufige Fehlerquellen und Reparatur-Tipps
Ein Scheitern bei der AU Oldtimer ist ärgerlich, aber oft auf behebbare Ursachen zurückzuführen. Eine sorgfältige Vorbereitung kann Dir einen zweiten Werkstattbesuch ersparen. Die häufigsten Probleme liegen in der Gemischbildung und der Zündung.
- Falschluft: Poröse Unterdruckschläuche, eine undichte Dichtung am Ansaugkrümmer oder am Vergaserflansch führen zu einem zu mageren Gemisch. Der Motor läuft unrund, die Abgaswerte steigen. Eine systematische Suche mit Bremsenreiniger kann Lecks aufdecken.
- Vergaser-Einstellung: Ein falsch eingestellter oder verschlissener Vergaser ist die Hauptursache für zu hohe CO-Werte. Oft sind Leerlaufgemischschraube, Schwimmernadelventil oder Düsen die Übeltäter. Eine professionelle Einstellung oder Überholung wirkt hier Wunder.
- Zündanlage: Ein falscher Zündzeitpunkt, abgenutzte Zündkerzen, defekte Zündkabel oder eine fehlerhafte Verteilerkappe führen zu unvollständiger Verbrennung und damit zu schlechten Abgaswerten.
- Undichte Abgasanlage: Ein kleines Loch vor der Messsonde kann Umgebungsluft ansaugen und die Messung verfälschen, was oft zu einem nicht bestandenen Lambdatest bei G-Kat-Fahrzeugen führt.
Fahre Dein Auto vor der Prüfung zur Hauptuntersuchung richtig warm. Eine 20-minütige Fahrt auf der Landstraße oder Autobahn ist ideal, um den Motor und den eventuell vorhandenen Katalysator auf die optimale Betriebstemperatur zu bringen. Das allein kann schon den Unterschied für eine erfolgreiche AU Oldtimer machen.
Die AU Oldtimer ist mehr als nur eine gesetzliche Hürde. Sie ist ein wichtiger Gesundheitscheck für den Motor Deines Klassikers. Die Prüfung stellt sicher, dass die historisch korrekte Technik sauber und effizient arbeitet. Mit guter Vorbereitung, einem technisch einwandfreien Fahrzeug und dem Wissen um die speziellen Regeln und Grenzwerte ist die Oldtimer Abgasuntersuchung kein Problem. Sie sichert nicht nur Deine Mobilität durch eine frische HU-Plakette, sondern trägt auch zum Werterhalt Deines automobilen Kulturguts bei. Eine bestandene AU Oldtimer ist das beste Zeugnis für einen gepflegten Motor. Weitere Informationen zu den Mängellisten stellt der VdTÜV bereit, während das Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) die offiziellen Fahrzeugdaten verwaltet.
Alle unsere Ratgeber zu TÜV & HU findest du gebündelt in der TÜV & HU-Übersicht. Dort siehst du das gesamte Themen-Cluster im Zusammenhang und findest passende weiterführende Artikel.
Häufige Fragen
Was passiert, wenn mein Oldtimer die AU nicht besteht?
Wenn Dein Oldtimer die AU nicht besteht, gilt die gesamte Hauptuntersuchung als nicht bestanden. Du erhältst einen Mängelbericht mit einer Frist von einem Monat, um die Mängel zu beheben. Innerhalb dieser Frist musst Du das Fahrzeug zur Nachprüfung vorführen, bei der dann nur noch die beanstandeten Punkte, also die Abgaswerte, erneut geprüft werden.
Sind Oldtimer mit Dieselmotor auch AU-pflichtig?
Ja, auch für Diesel-Oldtimer gibt es eine AU-Pflicht. Die Ausnahme gilt hier für Fahrzeuge mit einer Erstzulassung vor dem 1. Januar 1980. Bei der Prüfung wird anstelle des CO-Gehalts die Rauchgastrübung (Absorptionsbeiwert) im Abgas gemessen. Der Motor wird dabei unter Volllast im abgeregelten Zustand kurz hochgedreht.
Kann ich die AU für meinen Oldtimer in jeder Werkstatt machen lassen?
Ja, grundsätzlich kann jede amtlich anerkannte AU-Prüfstelle die Abgasuntersuchung durchführen. Es ist jedoch empfehlenswert, eine Werkstatt oder Prüfstelle aufzusuchen, die Erfahrung mit klassischen Fahrzeugen hat. Diese Betriebe kennen die Besonderheiten der alten Technik und haben oft besseren Zugriff auf die notwendigen historischen Solldaten.
Welche Unterlagen benötige ich für die AU Oldtimer?
Zwingend erforderlich ist der Fahrzeugschein (Zulassungsbescheinigung Teil I). Sehr hilfreich, aber nicht zwingend, sind zusätzliche Dokumente wie ein originales Werkstatthandbuch oder ein offizielles Datenblatt des Herstellers. Diese können die spezifischen Soll-Abgaswerte für Dein Modell enthalten und dem Prüfer die Arbeit erheblich erleichtern.