Fehlercode P1400
AGR-Druckdifferenzsensor Signal fehlerhaft
Der Fehlercode P1400 bedeutet, dass das Motorsteuergerät ein fehlerhaftes oder unplausibles Signal vom Druckdifferenzsensor der Abgasrückführung (AGR/EGR) empfängt. Dies deutet auf ein Problem mit dem Sensor, dessen Schläuchen oder den AGR-Kanälen hin.
Was meldet das Steuergerät?
Das Motorsteuergerät (MSG) hat eine Unstimmigkeit im Signal des AGR-Druckdifferenzsensors, oft auch DPFE-Sensor (Differential Pressure Feedback EGR) genannt, festgestellt. Konkret erwartet das Steuergerät, dass sich die vom Sensor gemeldete Spannung ändert, sobald das AGR-Ventil angesteuert wird. Bleibt diese Spannungsänderung aus oder liegt das Signal dauerhaft außerhalb eines vordefinierten Bereichs (z.B. zu niedrig), interpretiert das MSG dies als Fehler. Die physikalische Erwartung ist, dass bei geöffnetem AGR-Ventil ein Abgasstrom fließt, der eine messbare Druckdifferenz an einer Messblende im AGR-Rohr erzeugt, welche der Sensor erfassen muss.
Die Diagnoseroutine des Steuergeräts ist in der Regel an bestimmte Betriebsbedingungen geknüpft, wie zum Beispiel eine konstante Fahrt bei mittlerer Last und betriebswarmem Motor. In diesem Zustand öffnet das MSG testweise das AGR-Ventil und überwacht die Reaktion des DPFE-Sensors. Wenn die gemessene Spannung über einen Zeitraum von mehreren Sekunden nicht den erwarteten Wert erreicht oder unter einem kritischen Schwellenwert (oft unter 0,2 Volt) verharrt, wird der Fehler P1400 im Fehlerspeicher abgelegt und die Motorkontrollleuchte aktiviert. Dieser Test wird in jedem Fahrzyklus wiederholt, um sporadische Fehler von permanenten zu unterscheiden.
Der DPFE-Sensor ist ein Druckwandler, der die Druckdifferenz zwischen zwei Punkten im AGR-Rohr misst. Er ist über zwei Schläuche mit den Messpunkten vor und nach einer Engstelle (Messblende) verbunden. Der durchfließende Abgasstrom erzeugt einen Druckabfall an dieser Engstelle, der proportional zur Durchflussmenge ist. Der Sensor wandelt diese Druckdifferenz in ein elektrisches Spannungssignal (typischerweise 0-5V) um, das an das Motorsteuergerät gesendet wird. Häufige Ausfallursachen sind die extreme thermische Belastung, interne Korrosion durch Kondensat im Abgas oder die Alterung der internen Messmembran. Auch die angeschlossenen Schläuche können porös werden oder verstopfen.
Der Fehlercode P1400 ist nicht unmittelbar motor-kritisch, das Fahrzeug bleibt also fahrbereit. Allerdings ist die Funktion der Abgasrückführung gestört, was zu erhöhten Stickoxid-Emissionen (NOx) führt und somit das Bestehen der Abgasuntersuchung unmöglich macht. Folgefehler können eine stärkere Verkokung im Ansaugtrakt sein, da die Verbrennungstemperaturen ohne AGR ansteigen. In manchen Fällen kann es zu leichtem Ruckeln oder Motorklopfen kommen, da die AGR auch zur Klopfregelung beiträgt. Ein Notlaufprogramm wird in der Regel nicht aktiviert, die Motorleistung kann aber minimal reduziert sein.
Typische Symptome bei P1400
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Fehlercode P1400 aktiv ist. Je mehr Symptome zutreffen, desto wahrscheinlicher:
- Die Motorkontrollleuchte (MKL) ist aktiv.
- Ruckeln oder Zögern des Fahrzeugs bei Teillast oder leichter Beschleunigung.
- Unrunder oder schwankender Leerlauf, insbesondere bei warmem Motor.
- Erhöhter Kraftstoffverbrauch.
- Klopfende oder klingelnde Geräusche vom Motor unter Last (Verbrennungsklopfen).
- Das Fahrzeug besteht die Abgasuntersuchung (AU) nicht.
Häufige Ursachen
Nach Wahrscheinlichkeit geordnet – arbeite die Liste von oben nach unten ab, bevor du Teile tauschst.
Defekter AGR-Druckdifferenzsensor (DPFE)
Sehr häufigDer Sensor selbst ist die häufigste Ursache. Durch die ständige Belastung mit Hitze und aggressiven Abgaskondensaten versagt die interne Elektronik oder die Messmembran. Besonders bei bestimmten Ford- und Mazda-Modellen war dies ein bekanntes Serienproblem.
📊 Ab ca. 100.000 km
Verstopfte oder undichte DPFE-Schläuche
HäufigDie Gummi- oder Silikonschläuche, die den Sensor mit dem AGR-Rohr verbinden, werden durch die Hitze porös, rissig oder hart. Sie können auch durch Rußpartikel und Ölkohle von innen verstopfen, was eine korrekte Messung verhindert.
📊 Ab ca. 80.000 km oder bei hohem Fahrzeugalter
Verkokte AGR-Kanäle oder blockiertes AGR-Ventil
GelegentlichStarke Rußablagerungen können die feinen Kanäle zum Sensor oder das AGR-Ventil selbst blockieren. In diesem Fall misst der Sensor korrekterweise keinen Durchfluss, der Fehler liegt aber an der Verstopfung. Dies tritt vermehrt bei Fahrzeugen auf, die häufig auf Kurzstrecken bewegt werden.
📊 Abhängig vom Fahrprofil, oft ab 120.000 km
Fehler in der Verkabelung oder am Stecker
SeltenEin Kabelbruch durch Vibrationen, ein durchgescheuertes Kabel oder Korrosion an den Pins des Steckers können zu Signalverlust oder falschen Werten führen. Eine sorgfältige Sichtprüfung des Kabelbaums im Bereich des Sensors ist hier ratsam.
📊 Eher alters- als laufleistungsbedingt
Defektes Motorsteuergerät (MSG)
Sehr seltenEin interner Defekt im Motorsteuergerät ist die unwahrscheinlichste Ursache. Bevor das MSG in Betracht gezogen wird, müssen alle anderen möglichen Fehlerquellen zu 100% ausgeschlossen werden. Dies ist die letzte und teuerste Diagnoseoption.
Diagnose Schritt für Schritt
Systematische Fehlersuche vom günstigsten zum aufwändigsten Schritt. Notiere nach jedem Schritt das Ergebnis.
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Schritt 1
Sichtprüfung & Fehlerspeicher auslesen
Lies zunächst alle Fehlercodes aus und speichere die Freeze-Frame-Daten. Diese zeigen die Motorparameter im Moment des Fehlers. Führe anschließend eine gründliche Sichtprüfung der beiden Schläuche zum DPFE-Sensor durch. Achte auf Risse, poröse Stellen, Knicke oder ob sie von den Anschlüssen gerutscht sind.
Soll-Ergebnis: Die Schläuche sind unbeschädigt, flexibel und sitzen fest auf den Anschlüssen. Es sind keine weiteren, relevanten Fehlercodes gespeichert. -
Schritt 2
Prüfung der Schläuche und Anschlüsse auf Durchgang
Demontiere die beiden Schläuche vom Sensor. Prüfe, ob sie frei von Ablagerungen sind. Blase vorsichtig mit niedrigem Druck durch die Schläuche und die Metallröhrchen am AGR-Rohr, um sicherzustellen, dass diese nicht verstopft sind. Ein Pfeifenreiniger kann helfen, leichte Verkokungen zu lösen.
Soll-Ergebnis: Luft und Reiniger passieren Schläuche und Anschlüsse ohne nennenswerten Widerstand. -
Schritt 3
Elektrische Grundprüfung des Sensors
Bei eingeschalteter Zündung (Motor aus) die Spannungsversorgung (meist 5V Referenzspannung) und die Masseverbindung am Stecker des Sensors prüfen. Miss anschließend die Signalspannung am Signalkabel. Alternativ kannst du den Wert direkt über die Live-Daten des Diagnosegeräts auslesen.
Soll-Ergebnis: Am Stecker liegen ca. 5V Referenzspannung und eine gute Masseverbindung an. Die Signalspannung bei Zündung AN/Motor AUS liegt typischerweise zwischen 0,5V und 1,0V. -
Schritt 4
Dynamische Prüfung des Sensors mit Vakuumpumpe
Schließe die Vakuumpumpe an den Eingang des Sensors an, der mit dem Anschluss vor der Messblende verbunden ist (meist 'HI' oder 'REF'). Baue langsam ein Vakuum auf und beobachte dabei die Signalspannung. Die Spannung muss proportional zum angelegten Vakuum ansteigen.
Soll-Ergebnis: Die Signalspannung steigt gleichmäßig und ohne Sprünge an, wenn Vakuum angelegt wird. Fällt die Spannung nicht oder nur sprunghaft, ist der Sensor defekt. -
Schritt 5
Stellglieddiagnose des AGR-Ventils
Starte den Motor und lasse ihn im Leerlauf laufen. Öffne über die Stellglieddiagnose deines Testers das AGR-Ventil schrittweise (z.B. in 25%-Schritten). Beobachte dabei parallel die Live-Daten des DPFE-Sensors. Der Spannungswert muss deutlich ansteigen, wenn das Ventil öffnet und Abgas fließt.
Soll-Ergebnis: Die DPFE-Spannung steigt bei Öffnung des AGR-Ventils an und der Motorlauf wird im Leerlauf spürbar unruhiger. Bleibt die Spannung unverändert, liegt die Ursache wahrscheinlich an einem blockierten AGR-Ventil oder verstopften Kanälen.
Messwerte & Sollwerte
Referenzwerte für die Live-Daten-Diagnose mit OBD2-Scanner oder Multimeter.
| Messwert | Bedingung | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| DPFE-Signalspannung (Key On, Engine Off) | Zündung eingeschaltet, Motor aus | 0,5 - 1,0 V | ±0,2 V |
| DPFE-Signalspannung (Leerlauf) | Motor warm, im Leerlauf | 0,8 - 1,3 V | ±0,2 V |
| Sensor-Referenzspannung | Zündung eingeschaltet, Stecker angeschlossen | 5,0 V | ±0,1 V |
Reparaturkosten im Detail
| Diagnose in der Werkstatt | 50 – 100 € |
| Neuteil DPFE-Sensor (Marken-OE) | 80 – 180 € |
| Neuteil DPFE-Sensor (Nachbau) | 40 – 90 € |
| Arbeitszeit (Tausch Sensor/Schläuche, 0,5-1,5 Std.) | 60 – 180 € |
Richtwerte für freie Werkstätten in Deutschland (Stand 2026). Bei Markenwerkstätten liegen die Arbeitskosten 20–40 % höher. Reine Fehlerspeicher-Diagnose kostet typischerweise 40–80 €.
Hersteller-spezifische Hinweise
Der gleiche Code kann bei verschiedenen Marken unterschiedliche Ursachen haben. Typische Auffälligkeiten:
Bei Fahrzeugen des VAG-Konzerns ist der Code P1400 seltener und bezieht sich oft auf einen Fehler im Stromkreis des AGR-Ventils oder auf einen Kurzschluss nach Masse. Die Diagnose konzentriert sich hier mehr auf die elektrische Ansteuerung des Ventils als auf einen separaten Drucksensor.
BMW nutzt P1400 gelegentlich für Probleme mit der Sekundärluftpumpe oder dem Tankentlüftungssystem (DMTL-Pumpe). Eine genaue Prüfung der fahrzeugspezifischen Fehlercode-Definition ist hier unerlässlich, da die Bedeutung stark vom Modell und Baujahr abhängt.
Bei Mercedes kann P1400 auf einen Fehler des AGR-Stellers oder dessen Ansteuerung hindeuten. Oft ist hier nicht ein Drucksensor, sondern ein Positionssensor des Ventils die Ursache, der eine unplausible Stellung an das Steuergerät meldet.
Für Ford ist P1400 der klassische Fehlercode für den DPFE-Sensor, besonders bei Modellen wie Focus (MK1), Mondeo (MK2/MK3) und Transit aus den späten 90ern und frühen 2000ern. Hier sind fast immer der Sensor selbst oder die beiden angeschlossenen Schläuche die Ursache.
Bei Opel, insbesondere bei älteren Dieselmotoren, deutet P1400 auf ein Problem im AGR-System hin, oft ein elektrischer Fehler am AGR-Ventil selbst. Verkokungen sind hier ebenfalls eine sehr häufige Ursache, die zu elektrischen Fehlfunktionen des Stellmotors führen kann.
Kann ich das selbst reparieren?
Der Austausch des Sensors und der Schläuche ist oft einfach, die Diagnose von Verkokungen oder elektrischen Fehlern erfordert jedoch Systemverständnis.
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Der Austausch des DPFE-Sensors und der Schläuche ist für einen geübten Schrauber gut machbar. Wenn der Fehler danach aber weiterhin besteht, deutet dies auf eine tiefere Ursache (Verkokung, Verkabelung) hin. In diesem Fall ist der Gang zur Werkstatt ratsam, um eine langwierige und eventuell erfolglose Fehlersuche zu vermeiden.
Wann zur Werkstatt?
Du solltest definitiv eine Werkstatt aufsuchen, wenn du dir bei der elektrischen Diagnose unsicher bist oder die Messwerte des Sensors nicht eindeutig interpretieren kannst. Insbesondere wenn der Verdacht auf eine starke Verkokung im AGR-Trakt oder gar im Ansaugkrümmer besteht, ist professionelles Equipment zur Reinigung erforderlich. Eine gute freie Werkstatt ist für dieses Problem bestens gerüstet. Nur wenn der Verdacht auf einen Defekt des Motorsteuergeräts fällt, was extrem selten ist, kann die Diagnose in einer Markenwerkstatt mit spezifischerer Hard- und Software sinnvoll sein.
So beugst du vor
Um die Lebensdauer des AGR-Systems zu verlängern, ist die Vermeidung von übermäßigem Kurzstreckenverkehr der wichtigste Faktor. Auf kurzen Strecken erreicht der Motor nicht die nötige Temperatur, um Ablagerungen freizubrennen, was die Verkokung fördert. Regelmäßige, längere Fahrten auf der Autobahn mit wechselnden Lastzuständen helfen, das System sauber zu halten. Die Verwendung von hochwertigem Kraftstoff und Motoröl gemäß Herstellervorgabe reduziert ebenfalls die Bildung von Ruß und Ölkohle, die das System belasten.
Ähnliche Codes
Häufige Fragen zum Fehlercode
Kann ich mit dem Fehlercode P1400 noch fahren?
Wie lange dauert die Reparatur?
Ist P1400 ein Garantiefall?
Fehler gelöscht – kommt er wieder?
Gibt es eine einfache Sofort-Prüfung?
Werde ich die Hauptuntersuchung (TÜV) mit diesem Code bestehen?
Fazit
Der Fehlercode P1400 ist ein häufiger, aber meist unkritischer Fehler, der auf ein Problem im AGR-System, speziell mit dem Druckdifferenzsensor, hinweist. Die häufigsten Ursachen sind ein defekter Sensor oder dessen altersschwache Anschlussschläuche. Eine systematische Diagnose ist entscheidend, um nicht unnötig Teile zu tauschen. Für erfahrene Schrauber ist die Reparatur oft selbst durchführbar. Spätestens wenn die Ursache nicht offensichtlich ist oder eine aufwändige Reinigung bevorsteht, ist der Weg zum Profi die richtige Entscheidung, um die Abgasnormen wieder zu erfüllen und den Motor vor Ablagerungen zu schützen.