Fehlercode P1568
Drosselklappensteller Leerlaufdrehzahl nicht erreicht
Der Fehlercode P1568 bedeutet, dass das Motorsteuergerät die geforderte Leerlaufdrehzahl nicht einregeln kann. Dies deutet auf ein Problem mit der Drosselklappe, Falschluft im Ansaugsystem oder der Ansteuerung hin.
Was meldet das Steuergerät?
Das Motorsteuergerät (ECU) hat festgestellt, dass die tatsächliche Motordrehzahl im Leerlauf signifikant von der Solldrehzahl abweicht. Die ECU versucht permanent, durch präzise Ansteuerung der elektronischen Drosselklappe eine stabile Leerlaufdrehzahl zu halten, die von Faktoren wie Motortemperatur und zugeschalteten Verbrauchern (z.B. Klimaanlage) abhängt. Wenn die ECU die Drosselklappe bis zu ihrem Regelanschlag verstellt, aber die Drehzahl immer noch zu hoch oder zu niedrig ist, wird die physikalische Erwartung einer erfolgreichen Regelung nicht erfüllt und der Fehler P1568 wird gespeichert.
Die Diagnoseroutine überwacht kontinuierlich die Differenz zwischen Soll- und Ist-Drehzahl. Überschreitet diese Abweichung einen herstellerspezifischen Schwellenwert, beispielsweise 150 Umdrehungen pro Minute, für eine definierte Zeitspanne von mehreren Sekunden, interpretiert das Steuergerät dies als Fehler. Es wird davon ausgegangen, dass die Drosselklappensteuereinheit den Befehlen nicht korrekt folgt oder ein externer Faktor wie Falschluft die Regelung stört. Der Fehler wird gesetzt, um auf eine Störung im Luftmanagement des Motors hinzuweisen, die sowohl die Leistung als auch die Abgaswerte negativ beeinflusst.
Die Drosselklappensteuereinheit, bei VW/Audi oft als J338 bezeichnet, ist ein zentrales Bauteil des Motormanagements. Sie besteht aus einem Gehäuse mit einer beweglichen Drosselklappe, einem Elektromotor zur Verstellung und zwei redundanten Positionssensoren (Potentiometer oder kontaktlose Hall-Sensoren), die der ECU die exakte Klappenstellung zurückmelden. Ausfälle können mechanischer Natur sein, wie starke Verschmutzung durch Öldämpfe und Ruß aus der Kurbelgehäuseentlüftung, die die Klappe blockieren. Ebenso sind elektrische Defekte am Stellmotor oder an den Schleifbahnen der Positionssensoren eine häufige Ursache.
Dieser Fehlercode ist als mäßig kritisch einzustufen. Ein direkter Motorschaden ist zwar unwahrscheinlich, die Fahrsicherheit kann jedoch erheblich beeinträchtigt werden. Der Motor kann an Kreuzungen oder beim Auskuppeln unvermittelt absterben, was zu gefährlichen Situationen führen kann. In den meisten Fällen wird die EPC-Leuchte (Electronic Power Control) aktiviert und der Motor geht in einen Notlaufmodus mit stark reduzierter Leistung und schlechter Gasannahme. Folgefehler wie P0171 (Gemisch zu mager) durch Falschluft sind ebenfalls möglich.
Typische Symptome bei P1568
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Fehlercode P1568 aktiv ist. Je mehr Symptome zutreffen, desto wahrscheinlicher:
- Motorkontrollleuchte (MKL) und/oder EPC-Leuchte sind aktiv.
- Stark schwankende oder unruhige Leerlaufdrehzahl.
- Motor stirbt im Leerlauf, besonders in der Warmlaufphase oder beim Anhalten.
- Deutlich verzögerte oder ruckelnde Gasannahme.
- Die Leerlaufdrehzahl ist permanent zu hoch oder zu niedrig.
- Das Fahrzeug befindet sich im Notlauf mit spürbar reduzierter Motorleistung.
Häufige Ursachen
Nach Wahrscheinlichkeit geordnet – arbeite die Liste von oben nach unten ab, bevor du Teile tauschst.
Starke Verschmutzung der Drosselklappe
Sehr häufigÖldämpfe aus der Kurbelgehäuseentlüftung und Abgasrückführung führen zu klebrigen Ablagerungen (Verkokungen) am Rand der Drosselklappe. Diese verhindern, dass die Klappe im Leerlaufbereich präzise schließt und sich frei bewegt, was die Regelung der Luftmenge stört.
📊 Ab ca. 80.000 km, besonders bei Fahrzeugen mit hohem Kurzstreckenanteil.
Undichtigkeit im Ansaugsystem (Falschluft)
HäufigPoröse Unterdruckschläuche, defekte Dichtungen an der Ansaugbrücke oder ein fehlerhaftes Kurbelgehäuseentlüftungsventil lassen ungemessene Luft (Falschluft) in den Motor. Das Steuergerät versucht dies durch Schließen der Drosselklappe auszugleichen, erreicht aber den Regelgrenzwert, ohne die Drehzahl senken zu können.
📊 Typisch bei Fahrzeugen älter als 8 Jahre durch Materialalterung.
Defekte Drosselklappensteuereinheit
GelegentlichEin interner Defekt kann die Ursache sein. Entweder versagt der Stellmotor, die Kunststoffzahnräder im Inneren verschleißen oder die Potentiometer zur Positionsbestimmung liefern unplausible oder keine Signale mehr.
📊 Kann bei jeder Laufleistung auftreten, gehäuft ab 150.000 km.
Fehler in der Verkabelung oder Steckverbindung
SeltenEin Kabelbruch durch Vibrationen, ein Marderbiss oder Korrosion am Stecker zur Drosselklappe können die Spannungsversorgung oder die Signalübertragung stören. Dies führt zu einer fehlerhaften Ansteuerung durch das Motorsteuergerät.
Defektes Motorsteuergerät (ECU)
Sehr seltenIn äußerst seltenen Fällen kann die Endstufe im Motorsteuergerät, die den Stellmotor der Drosselklappe ansteuert, defekt sein. Diese Diagnose sollte erst nach Ausschluss aller anderen möglichen Ursachen in Betracht gezogen werden.
Diagnose Schritt für Schritt
Systematische Fehlersuche vom günstigsten zum aufwändigsten Schritt. Notiere nach jedem Schritt das Ergebnis.
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Schritt 1
Sichtprüfung & Fehlerspeicher auslesen
Lies zunächst den Fehlerspeicher aller Steuergeräte aus. Achte auf Begleitfehler wie P0171 (Gemisch zu mager) oder LMM-Fehler. Untersuche danach alle Schläuche im Ansaugbereich, insbesondere die Kurbelgehäuseentlüftung, auf Risse, Porosität oder lockeren Sitz.
Soll-Ergebnis: Der Fehlerspeicher zeigt P1568, eventuell mit Falschluft-Codes. Alle Schläuche und Verbindungen sind augenscheinlich intakt und fest. -
Schritt 2
Drosselklappe auf Verschmutzung und Gängigkeit prüfen
Baue die Drosselklappe aus. Inspiziere das Gehäuse und die Klappe auf starke, schwarze Ablagerungen. Prüfe bei ausgeschalteter Zündung, ob sich die Klappe von Hand leicht gegen den Federdruck bewegen lässt und ohne zu haken in ihre Ausgangsposition zurückkehrt.
Soll-Ergebnis: Die Drosselklappe ist sauber, frei von Ablagerungen und bewegt sich mechanisch einwandfrei. -
Schritt 3
Ansaugsystem auf Falschluft prüfen
Die professionellste Methode ist das Einleiten von Rauch in das Ansaugsystem bei stehendem Motor. An undichten Stellen tritt der Rauch sichtbar aus. Alternativ kann bei laufendem Motor Bremsenreiniger auf verdächtige Dichtungen und Schläuche gesprüht werden; eine Drehzahlerhöhung verrät das Leck.
Soll-Ergebnis: Kein Rauch tritt aus dem System aus bzw. die Motordrehzahl bleibt beim Absprühen mit Bremsenreiniger konstant. -
Schritt 4
Elektrische Prüfung der Drosselklappe und Verkabelung
Prüfe gemäß Schaltplan die Spannungsversorgung (meist 5V für Sensoren, 12V für Motor) und die Masseverbindung am Stecker der Drosselklappe. Miss den Widerstand der Potentiometerbahnen, während die Klappe langsam bewegt wird; es dürfen keine Sprünge oder Unterbrechungen auftreten.
Soll-Ergebnis: Alle Spannungen und Widerstandswerte entsprechen den Sollwerten des Herstellers. Der Widerstandsverlauf ist linear. -
Schritt 5
Grundeinstellung der Drosselklappe durchführen
Nach jeder Reinigung oder jedem Austausch muss die Drosselklappe neu angelernt werden. Starte dazu die entsprechende Routine im Diagnosegerät (z.B. VCDS > Motorelektronik > Grundeinstellung > Kanal 060). Das Steuergerät fährt die Endanschläge ab und speichert die Werte.
Soll-Ergebnis: Die Grundeinstellung wird erfolgreich abgeschlossen, das Diagnosegerät zeigt 'Adaption i.O.' oder einen ähnlichen positiven Status an.
Messwerte & Sollwerte
Referenzwerte für die Live-Daten-Diagnose mit OBD2-Scanner oder Multimeter.
| Messwert | Bedingung | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| Leerlaufdrehzahl (Soll vs. Ist) | Motor betriebswarm, alle Verbraucher aus | ca. 750 U/min (je nach Motor) | ±50 U/min |
| Drosselklappenwinkel im Leerlauf | Motor betriebswarm, Leerlauf | 2 - 8 % | ±1 % |
| Spannungsversorgung Drosselklappensensor | Zündung an, Stecker angeschlossen | 5 V | ±0.2 V |
Reparaturkosten im Detail
| Diagnose in der Werkstatt | 50 – 100 € |
| Drosselklappe reinigen & anlernen | 80 – 150 € |
| Neuteil Drosselklappe (Marken-OE) | 200 – 400 € |
| Arbeitszeit Tausch & Anlernen (1-1,5 Std.) | 100 – 250 € |
Richtwerte für freie Werkstätten in Deutschland (Stand 2026). Bei Markenwerkstätten liegen die Arbeitskosten 20–40 % höher. Reine Fehlerspeicher-Diagnose kostet typischerweise 40–80 €.
Hersteller-spezifische Hinweise
Der gleiche Code kann bei verschiedenen Marken unterschiedliche Ursachen haben. Typische Auffälligkeiten:
Dieser Code ist sehr verbreitet bei Benzinmotoren des VAG-Konzerns, insbesondere bei den 1.4, 1.6 und 1.8/2.0 FSI/TSI Motoren der Baujahre ca. 2000-2012. Oft ist eine stark verkokte Drosselklappe die Ursache, die nach einer Reinigung und anschließender Grundeinstellung per VCDS oder ODIS wieder einwandfrei funktioniert.
Kann ich das selbst reparieren?
Der Ausbau und die Reinigung sind mechanisch einfach, aber die zwingend erforderliche Neuanlernung (Grundeinstellung) benötigt ein spezielles Diagnosegerät.
OBD2-Diagnosegerät mit Adaptionsfunktion (z.B. VCDS), Steckschlüsselsatz, Torx-Bits, Drosselklappenreiniger, Drehmomentschlüssel
Die mechanische Reinigung kann ein geübter Hobbyschrauber selbst erledigen. Ohne die Möglichkeit zur elektronischen Grundeinstellung ist die Reparatur jedoch unvollständig und der Fehler wird wieder auftreten. Wenn kein passendes Werkzeug vorhanden ist, sollte die Arbeit einer Werkstatt überlassen werden.
Wann zur Werkstatt?
Ein Werkstattbesuch ist dringend anzuraten, wenn die EPC-Warnleuchte aufleuchtet und das Fahrzeug sich im Notlauf befindet. Ebenso, wenn der Motor häufig abstirbt, da dies ein erhebliches Sicherheitsrisiko darstellt. Eine freie Werkstatt mit guter Diagnoseausstattung kann die Reinigung und den Tausch meist kostengünstiger durchführen. Bei komplexen elektrischen Problemen oder wenn eine freie Werkstatt nicht weiterkommt, ist eine auf VAG spezialisierte Werkstatt oder eine Vertragswerkstatt die bessere Wahl, da diese über die tiefgreifendsten Diagnosemöglichkeiten (ODIS) und die meiste Erfahrung mit diesem Fehlerbild verfügt.
So beugst du vor
Um der Verkokung der Drosselklappe vorzubeugen, solltest du übermäßigen Kurzstreckenverkehr vermeiden, bei dem der Motor nicht richtig auf Betriebstemperatur kommt. Die Verwendung von qualitativ hochwertigem Kraftstoff und gelegentlich ein Kraftstoffsystemreiniger als Additiv können helfen, Ablagerungen zu reduzieren. Eine professionelle Reinigung des Ansaugtrakts alle 80.000 bis 100.000 km kann als präventive Maßnahme sinnvoll sein, um die Funktion der Drosselklappe langfristig zu sichern.
Ähnliche Codes
Häufige Fragen zum Fehlercode
Kann ich mit dem Fehlercode P1568 noch fahren?
Wie lange dauert die Reparatur?
Ist P1568 ein Garantiefall?
Fehler gelöscht – kommt er wieder?
Gibt es eine einfache Sofort-Prüfung?
Bestehe ich die Hauptuntersuchung (TÜV) mit diesem Code?
Fazit
Der Fehlercode P1568 ist ein typisches Problem bei vielen VAG-Fahrzeugen und deutet auf eine Störung der Leerlaufregelung hin. In den allermeisten Fällen ist die Ursache harmlos und durch eine Reinigung der Drosselklappe und eine anschließende elektronische Grundeinstellung kostengünstig zu beheben. Aufgrund der Beeinträchtigung der Fahrsicherheit solltest du die Diagnose und Reparatur nicht aufschieben. Wenn du nicht über ein geeignetes Diagnosegerät für die finale Adaption verfügst, ist der Gang zum Profi der richtige und sichere Weg.