Fehlercode P0629
Kraftstoffpumpe A Steuerstromkreis Spannung hoch
Der Fehlercode P0629 bedeutet, dass das Motorsteuergerät eine zu hohe Spannung im Steuerstromkreis der Kraftstoffpumpe 'A' festgestellt hat. Dies deutet auf einen elektrischen Fehler hin, der die Kraftstoffversorgung des Motors gefährdet.
Was meldet das Steuergerät?
Das Motorsteuergerät (ECM) hat im Steuerstromkreis der primären Kraftstoffpumpe (bezeichnet als 'A') eine Spannung gemessen, die außerhalb des zulässigen oberen Grenzwertes liegt. Konkret erwartet das Steuergerät, je nach Schaltungszustand, entweder eine Spannung nahe 0 Volt (wenn die Pumpe ausgeschaltet ist und über Masse geschaltet wird) oder eine definierte Betriebsspannung (z.B. Batteriespannung), wenn die Pumpe aktiv ist. Der Fehler P0629 wird gesetzt, wenn das ECM eine Spannung misst, die dauerhaft der Batteriespannung entspricht, obwohl es die Pumpe gar nicht angesteuert hat. Dies deutet auf einen Kurzschluss nach Plus oder ein fehlerhaftes Schaltelement hin, das den Stromkreis permanent geschlossen hält.
Die Diagnose-Routine des Motorsteuergeräts überwacht den Steuerkreis der Kraftstoffpumpe kontinuierlich, sobald die Zündung eingeschaltet wird. Das ECM steuert die Pumpe meist über ein Relais an. Wenn das ECM den Befehl zum Ausschalten der Pumpe gibt (indem es z.B. die Masse für die Relaisspule unterbricht), erwartet es, dass die Spannung im Steuerkreis auf nahezu 0 Volt abfällt. Stellt die Überwachung fest, dass die Spannung für eine vordefinierte Zeitspanne, typischerweise wenige Sekunden, über einem Schwellenwert von z.B. 2-3 Volt verbleibt, interpretiert es dies als Fehler. Der Fehlercode P0629 wird im Fehlerspeicher abgelegt und die Motorkontrollleuchte wird aktiviert.
Die elektrische Kraftstoffpumpe ist ein entscheidendes Bauteil für die Kraftstoffversorgung moderner Verbrennungsmotoren. Sie ist meist direkt im Kraftstofftank verbaut (als sogenannte Intankpumpe) und besteht aus einem kleinen Elektromotor, der eine Flügelrad- oder Verdrängerpumpe antreibt. Ihre Aufgabe ist es, den Kraftstoff mit einem konstanten Vordruck aus dem Tank zu den Einspritzventilen oder zur Hochdruckpumpe zu fördern. Angesteuert wird sie nicht direkt, sondern über ein Relais, um das Motorsteuergerät vor den hohen Anlaufströmen der Pumpe zu schützen. Ausfälle können durch Verschleiß des Elektromotors, eine Blockade durch Verunreinigungen im Tank oder, wie in diesem Fall, durch Fehler in der elektrischen Ansteuerung (Relais, Verkabelung) verursacht werden.
Dieser Fehlercode ist als kritisch einzustufen, auch wenn er nicht unmittelbar zu einem Motorschaden führt. Die größte Gefahr besteht darin, dass der Motor während der Fahrt plötzlich abstellen könnte, falls die Kraftstoffversorgung unkontrolliert ausfällt oder die Pumpe durch den Dauerbetrieb überhitzt und versagt. Ein weiteres Risiko ist eine tiefentladene Batterie, da die Pumpe möglicherweise auch bei abgestelltem Fahrzeug dauerhaft läuft. In der Regel aktiviert das Fahrzeug keinen spezifischen Notlaufmodus, da die Kraftstoffversorgung entweder funktioniert oder eben nicht. Folgefehler wie P0171 (Gemisch zu mager) können auftreten, wenn der Kraftstoffdruck durch die Fehlfunktion schwankt, bevor die Pumpe komplett ausfällt.
Typische Symptome bei P0629
Diese Anzeichen deuten darauf hin, dass der Fehlercode P0629 aktiv ist. Je mehr Symptome zutreffen, desto wahrscheinlicher:
- Die Motorkontrollleuchte (MKL) leuchtet.
- Der Motor startet nicht oder nur mit erheblicher Verzögerung.
- Plötzliches Absterben des Motors während der Fahrt.
- Leistungsverlust, Ruckeln oder Aussetzer beim Beschleunigen.
- Ein konstantes Summen oder Surren der Kraftstoffpumpe ist hörbar, auch bei ausgeschalteter Zündung.
- Die Fahrzeugbatterie entlädt sich über Nacht oder nach kurzer Standzeit.
Häufige Ursachen
Nach Wahrscheinlichkeit geordnet – arbeite die Liste von oben nach unten ab, bevor du Teile tauschst.
Defektes Kraftstoffpumpenrelais
Sehr häufigDies ist die mit Abstand häufigste Ursache. Durch die hohen Ströme beim Schalten der Pumpe können die internen Kontakte des Relais mit der Zeit verschleißen und schließlich miteinander verschweißen. Dadurch bleibt der Stromkreis zur Pumpe permanent geschlossen, auch wenn das Steuergerät das Relais nicht ansteuert.
📊 Ab ca. 120.000 km oder bei Fahrzeugen mit häufigen Kurzstreckenfahrten.
Kurzschluss nach Plus in der Verkabelung
HäufigDie Isolierung des Kabels, das vom Relais zur Kraftstoffpumpe führt, kann durchscheuern und Kontakt mit einem anderen, permanent stromführenden Kabel oder der Karosserie (bei Kurzschluss nach Plus) bekommen. Typische Stellen sind Kabeldurchführungen an der Karosserie oder im Motorraum, wo Vibrationen auftreten.
📊 Tritt oft bei älteren Fahrzeugen (über 10 Jahre) oder nach unsachgemäßen Reparaturen auf.
Korrodierte Steckverbindungen
GelegentlichFeuchtigkeit und Schmutz können zu Korrosion am Stecker der Kraftstoffpumpe (auf dem Tank) oder im Sicherungs-/Relaiskasten führen. In seltenen Fällen kann diese Korrosion eine Brücke zwischen zwei Pins bilden und einen Kurzschluss verursachen, der eine dauerhafte Spannungsversorgung bewirkt.
📊 Besonders bei Fahrzeugen, die häufig in feuchten oder salzreichen Regionen betrieben werden.
Defekte Kraftstoffpumpe
SeltenEin interner Kurzschluss im Elektromotor der Kraftstoffpumpe selbst kann zu anormalen elektrischen Werten führen. Meist führt dies jedoch eher zu einem durchgebrannten Sicherung (Code P0628/P0230) als zu einer permanenten Hochspannung, ist aber nicht gänzlich auszuschließen.
📊 Ab ca. 150.000 - 200.000 km.
Fehlerhaftes Motorsteuergerät (ECM)
Sehr seltenDer interne Treiber (Transistor) im Motorsteuergerät, der das Kraftstoffpumpenrelais ansteuert, kann durchbrennen und permanent auf 'Durchgang' schalten. Dies sollte immer die letzte geprüfte Möglichkeit sein, nachdem alle anderen externen Ursachen zweifelsfrei ausgeschlossen wurden, da der Austausch des ECM teuer ist.
Diagnose Schritt für Schritt
Systematische Fehlersuche vom günstigsten zum aufwändigsten Schritt. Notiere nach jedem Schritt das Ergebnis.
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Schritt 1
Sichtprüfung & Fehlerspeicher auslesen
Lies den Fehlercode P0629 und die dazugehörigen Freeze-Frame-Daten aus. Achte darauf, unter welchen Bedingungen (Motortemperatur, Drehzahl, Last) der Fehler aufgetreten ist. Führe eine Sichtprüfung des Sicherungs- und Relaiskastens auf Anzeichen von Korrosion, Feuchtigkeit oder Überhitzung (geschmolzenes Plastik) durch.
Soll-Ergebnis: Der Fehlerspeicher ist idealerweise leer und es sind keine sichtbaren Schäden an elektrischen Komponenten vorhanden. -
Schritt 2
Kraftstoffpumpenrelais prüfen
Lokalisiere das Kraftstoffpumpenrelais. Schalte die Zündung ein und aus und lausche, ob das Relais schaltet. Ein einfacher Test ist der Quertausch mit einem identischen, aber unkritischen Relais (z.B. vom Horn oder den Nebelscheinwerfern). Wandert der Fehler mit, ist das Relais defekt.
Soll-Ergebnis: Das Relais klickt hörbar beim Einschalten der Zündung und der Fehler lässt sich durch einen Quertausch nicht auf das andere System übertragen. -
Schritt 3
Spannungsmessungen am Relaissockel
Entferne das Relais und miss die Spannungen an den Klemmen des Sockels. Du solltest Dauerspannung (Klemme 30), Zündungsplus (Klemme 15, falls vorhanden) und die Steuerspannung vom ECM (Klemme 86) messen. Besonders wichtig ist die Messung an der Ausgangsklemme zur Pumpe (Klemme 87): Hier darf bei ausgeschalteter Zündung keine Spannung anliegen.
Soll-Ergebnis: An Klemme 87 liegt bei entferntem Relais und ausgeschalteter Zündung 0 Volt an. Die Spannungen an Klemme 30 und 86 entsprechen den Sollwerten. -
Schritt 4
Verkabelung auf Kurzschluss nach Plus prüfen
Klemme die Batterie ab. Miss den Widerstand zwischen dem Kabel an Klemme 87 (Ausgang zur Pumpe) und dem Pluspol der Batterie. Der Widerstand sollte unendlich hoch sein (kein Durchgang). Ein niedriger Widerstandswert deutet auf einen Kurzschluss nach Plus in der Leitung zur Pumpe hin.
Soll-Ergebnis: Der Widerstand zwischen dem Ausgangskabel der Pumpe und dem Batterieplus ist unendlich (OL - Open Line). -
Schritt 5
Ansteuerung vom Motorsteuergerät prüfen
Stecke das Relais wieder ein und klemme die Batterie an. Miss die Spannung am Steuerkreis des Relais (Klemme 85, die vom ECM geschaltete Masse). Beim Einschalten der Zündung sollte das ECM hier für wenige Sekunden Masse anlegen (Spannung fällt auf ~0V), dann wieder trennen. Bleibt hier dauerhaft Spannung an, obwohl Masse geschaltet sein sollte, könnte das ECM fehlerhaft sein.
Soll-Ergebnis: Das Motorsteuergerät schaltet die Masse für den Steuerkreis des Relais korrekt ein und aus.
Messwerte & Sollwerte
Referenzwerte für die Live-Daten-Diagnose mit OBD2-Scanner oder Multimeter.
| Messwert | Bedingung | Sollwert | Toleranz |
|---|---|---|---|
| Spannung am Relaissockel, Klemme 87 (Ausgang zur Pumpe) | Zündung AUS, Relais entfernt | 0 V | ±0.1 V |
| Spannung am Relaissockel, Klemme 85 (Steuerkreis Masse vom ECM) | Zündung EIN (erste 2 Sekunden) | ~0 V (Masse geschaltet) | ±0.5 V |
| Widerstand zwischen Relaissockel Klemme 87 und Batterie-Pluspol | Batterie abgeklemmt, Pumpe angeschlossen | Unendlich (OL) |
Reparaturkosten im Detail
| Diagnose in der Werkstatt (Fehlerspeicher, elektrische Prüfung) | 80 – 150 € |
| Kraftstoffpumpenrelais (Marken-OE) | 15 – 50 € |
| Reparatur Kabelbaum (ca. 1-2 Stunden Arbeit) | 100 – 250 € |
| Kraftstoffpumpe (Teile + Einbau) | 250 – 600 € |
Richtwerte für freie Werkstätten in Deutschland (Stand 2026). Bei Markenwerkstätten liegen die Arbeitskosten 20–40 % höher. Reine Fehlerspeicher-Diagnose kostet typischerweise 40–80 €.
Hersteller-spezifische Hinweise
Der gleiche Code kann bei verschiedenen Marken unterschiedliche Ursachen haben. Typische Auffälligkeiten:
Bei älteren Modellen der VAG-Gruppe sind die Relais (oft mit der Aufschrift '109' oder '67') eine bekannte Schwachstelle, nicht nur für die Kraftstoffpumpe. Eine Prüfung oder ein präventiver Austausch dieses Relais ist oft eine schnelle und günstige Lösung.
Bei einigen BMW-Modellen ist das Kraftstoffpumpen-Steuergerät (EKPS) eine separate Einheit. Ein Defekt in diesem Modul kann ebenfalls den Fehler P0629 verursachen und sollte in die Diagnose einbezogen werden.
Ähnlich wie bei BMW gibt es oft ein separates Kraftstoffpumpen-Steuergerät (FSCU), das im hinteren Bereich des Fahrzeugs verbaut ist. Korrosion an diesem Modul oder seinen Steckern ist eine mögliche Ursache.
Bei vielen Ford-Modellen (besonders US-Trucks, aber auch Focus/Mondeo) ist das Fuel Pump Driver Module (FPDM) eine häufige Fehlerquelle. Es ist oft am Rahmen oder unter dem Fahrzeug montiert und stark der Witterung ausgesetzt, was zu Korrosion und Ausfall führt.
Bei Opel sind oft die Sicherungs- und Relaiskästen im Motorraum (UEC) oder Kofferraum (REC) anfällig für eindringende Feuchtigkeit. Eine gründliche Prüfung der Platine und der Steckverbindungen auf Korrosion ist hier ratsam.
Kann ich das selbst reparieren?
Die Diagnose erfordert grundlegende Kenntnisse der Fahrzeugelektrik und den sicheren Umgang mit einem Multimeter.
OBD2-Diagnosegerät, Multimeter, Steckschlüsselsatz, Zangen, idealerweise ein Stromlaufplan für das Fahrzeug
Den Austausch eines Relais kann ein geübter Hobbyschrauber problemlos selbst durchführen. Die Suche nach einem Kurzschluss in einem Kabelbaum ist jedoch zeitaufwendig und erfordert Erfahrung. Wenn du mit elektrischen Messungen nicht vertraut bist, solltest du die Diagnose einer Werkstatt überlassen, um teure Fehldiagnosen (z.B. ein unnötig getauschtes Steuergerät) zu vermeiden.
Wann zur Werkstatt?
Du solltest definitiv eine Werkstatt aufsuchen, wenn dein Fahrzeug nicht mehr anspringt oder während der Fahrt ausgeht, da hier ein Sicherheitsrisiko besteht. Auch wenn du dir bei der elektrischen Diagnose unsicher bist, ist der Gang zum Profi ratsam. Eine freie Werkstatt mit einem guten Elektriker ist für diesen Fehler absolut ausreichend. Nur wenn der Verdacht auf ein defektes Motorsteuergerät fällt und eine spezielle Codierung oder Softwareprüfung notwendig ist, kann der Gang zur Markenwerkstatt unumgänglich sein.
So beugst du vor
Um diesem Fehler vorzubeugen, solltest du darauf achten, dass die Abläufe im Wasserkasten und im Bereich des Sicherungskastens stets frei von Laub und Schmutz sind, um das Eindringen von Feuchtigkeit zu verhindern. Verwende bei einem Austausch ausschließlich hochwertige Relais von Markenherstellern, da Billigprodukte oft eine kürzere Lebensdauer haben. Eine regelmäßige Batteriewartung kann ebenfalls helfen, das elektrische System stabil zu halten. Vermeide es, den Tank regelmäßig komplett leer zu fahren, da die Kraftstoffpumpe durch den Kraftstoff gekühlt wird und bei niedrigem Füllstand heißer läuft, was den Verschleiß beschleunigt.
Ähnliche Codes
Häufige Fragen zum Fehlercode
Kann ich mit dem Fehlercode P0629 noch fahren?
Wie lange dauert die Reparatur?
Ist P0629 ein Garantiefall?
Fehler gelöscht – kommt er wieder?
Gibt es eine einfache Sofort-Prüfung?
Bestehe ich den TÜV/die AU mit diesem Code?
Fazit
Der Fehlercode P0629 signalisiert ein ernstes Problem im Kraftstoffsystem, das nicht ignoriert werden sollte. Die häufigste Ursache ist ein günstiges und leicht zu tauschendes Kraftstoffpumpenrelais. Die möglichen Symptome, insbesondere das plötzliche Absterben des Motors, stellen jedoch ein erhebliches Sicherheitsrisiko dar. Eine systematische Diagnose, beginnend beim Relais und fortschreitend zur Verkabelung, ist der Schlüssel zur effizienten und kostengünstigen Reparatur. Aufgrund der Sicherheitsrelevanz empfehlen wir, bei Unsicherheit oder fehlender Erfahrung mit Fahrzeugelektrik umgehend eine Fachwerkstatt aufzusuchen.