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Lastmanagement: Wallbox + Wärmepumpe + Hausanschluss in Harmonie

Wenn Wallbox und Wärmepumpe gleichzeitig Volllast ziehen, überlasten sie den Hausanschluss. Lastmanagement verhindert das – so funktioniert es.

Lastmanagement: Wallbox + Wärmepumpe + Hausanschluss in Harmonie

Moderne Einfamilienhäuser haben typischerweise einen Hausanschluss mit 35 bis 63 Ampere pro Phase. Das klingt nach viel – bis alle Großverbraucher gleichzeitig laufen: 11-kW-Wallbox, 6-kW-Wärmepumpe, Elektroauto-zweite-Wallbox, Durchlauferhitzer, Herd und Backofen. Gemeinsam sprengt das jede normale Absicherung.

Die Hausanschluss-Rechnung

Ein 35-Ampere-Anschluss erlaubt dreiphasig theoretisch 24 kW Dauerleistung. Zwei Wallboxen (je 11 kW) plus Wärmepumpe (6 kW) plus Haushalt (3 kW) kommen auf 31 kW – das löst die Sicherung aus.

Was Lastmanagement macht

Ein Lastmanagement-System (LMS) überwacht den Gesamtstromfluss am Hausanschluss und regelt Verbraucher dynamisch herunter, wenn die Gesamt-Grenze erreicht wird. Prioritäten werden definiert:

  1. Grundversorgung (Herd, Beleuchtung, Waschmaschine) – immer voll
  2. Wärmepumpe – hohe Priorität (Heizung)
  3. Wallbox 1 – reduzierbar
  4. Wallbox 2 – reduzierbar

Statisches vs. dynamisches Lastmanagement

Statisch

Die Wallbox wird fest auf einen Maximalwert begrenzt (z. B. 6 Ampere = 4,1 kW dreiphasig). Einfach, aber ineffizient: Selbst wenn sonst nichts läuft, lädt die Wallbox nur mit 4,1 kW.

Dynamisch

Das System misst in Echtzeit, wie viel Leistung am Hausanschluss noch zur Verfügung steht, und gibt der Wallbox genau diesen Wert frei. Die Wallbox kann also je nach Tagessituation zwischen 1,4 kW und 11 kW laden.

Komponenten für dynamisches Lastmanagement

  • Smart Meter oder Stromwandler am Hausanschluss
  • Energy Manager oder Wallbox-interne Steuerlogik
  • Kommunikationskanal (Modbus, EEBus, MQTT) zur Wallbox
  • Optional: Schnittstelle zur Wärmepumpe

Typische Systeme

  • Mennekes AMEDIO Compact + Amtron: Lastmanagement bis zu 8 Wallboxen
  • ABL emh1 Installationsstick: Modbus-basierte Lösung
  • KEBA KeContact P30 x-series mit KeEnergy Meter: Dynamisches LMS
  • Openwb inkl. LMS: Open-Source, konfigurierbar bis ins Detail
  • SMA Home Manager 2.0: Umfassende Energiemanagement-Plattform

Hausanschluss-Erweiterung: die Alternative

Wenn Lastmanagement nicht ausreicht, bleibt der Hausanschluss-Ausbau. Kosten: 1.500 bis 6.000 Euro, je nach Netzbetreiber und Leitungs-Situation. Bei modernen Installationen oft nicht nötig, wenn intelligentes LMS korrekt dimensioniert wird.

Wärmepumpe und Wallbox priorisieren

Eine gut ausgelegte Wärmepumpe zieht selten Dauer-Maximalleistung, sondern läuft moduliert. Eine Wallbox dagegen zieht oft mehrere Stunden konstant Volllast. Die Priorisierung sollte daher lauten: Wärmepumpe kurzfristig voll, Wallbox zurücknehmen. Bei längerer Überlast ggf. beide reduzieren.

Rechen-Beispiel

Hausanschluss 35 A dreiphasig (24 kW). Wärmepumpe zieht gerade 4 kW, Haushalt 2 kW. Verbleibend: 18 kW. Das LMS gibt der Wallbox also 11 kW frei (maximale Ladung). Steigt der Haushaltsverbrauch durch Kochen auf 6 kW, reduziert das LMS die Wallbox automatisch auf 8 kW – ohne Fehlauslösung, ohne manuelle Intervention.