Eine der häufigsten Fragen beim Kauf einer Wallbox: 11 kW oder 22 kW? Die kürzere Antwort: In 96 von 100 Fällen ist 11 kW die bessere Wahl. Aus drei Gründen.
Grund 1: Die meisten Autos können gar nicht mehr
Die Bordlader moderner Elektroautos sind auf eine bestimmte Leistung limitiert. Die weitaus meisten PKW haben einen 11-kW-AC-Lader. Eine 22-kW-Wallbox kann daran nicht schneller laden. Das Auto diktiert das Tempo, nicht die Wallbox.
Typische AC-Ladeleistungen (Auswahl)
| Modell | Max. AC-Leistung |
|---|---|
| VW ID.3 / ID.4 Pro | 11 kW |
| Tesla Model 3 / Y | 11 kW |
| BMW i4 / iX3 | 11 kW |
| Renault Zoe (2024+) | 22 kW (einer der wenigen) |
| Audi e-tron GT | 11 kW (22 kW gegen Aufpreis) |
| Hyundai Ioniq 5 / 6 | 11 kW |
Grund 2: Netzbetreiber-Anmeldung vs. Genehmigungspflicht
In Deutschland gilt: Wallboxen bis 11 kW sind anmeldepflichtig beim örtlichen Netzbetreiber. Wallboxen ab 12 kW aufwärts sind genehmigungspflichtig. Das heißt: Der Netzbetreiber kann den Anschluss ablehnen oder Auflagen machen – besonders in Altbau-Gebieten mit schwachen Netzanschlüssen.
Grund 3: Kosten und Nutzen
Eine 22-kW-Wallbox kostet typisch 200 bis 500 Euro mehr als die 11-kW-Variante. Zusätzlich teurere Kabel und ggf. die Netzverstärkung (mehrere Tausend Euro im ungünstigen Fall). Eingesparte Ladezeit: bei modernen Fahrzeugen null.
Rechenbeispiel: Ladezeit von 20 % auf 80 %
Beispiel Tesla Model Y Long Range (Akku 75 kWh):
- Benötigte Energie für 20 % → 80 %: ca. 45 kWh
- Mit 11 kW Wallbox: ca. 4,5 Stunden
- Mit 22 kW Wallbox: auch ca. 4,5 Stunden (weil Bordlader nur 11 kW kann)
Selbst wenn das Fahrzeug 22 kW könnte, wäre der Zeitvorteil rund 2 Stunden bei einer typischen Nachtladung zwischen 22 und 6 Uhr irrelevant.
Wann 22 kW doch sinnvoll ist
- Das Fahrzeug kann wirklich 22 kW AC-laden (Renault Zoe, einige Audi e-tron, einige Tesla mit optionalem 22-kW-Lader)
- Mehrere Fahrzeuge werden an einer Wallbox geladen
- Kurze Ladefenster tagsüber sind nötig (z. B. gewerblich)
- Die Wallbox soll auch von Besuchern/Gästen genutzt werden
Das bessere Geld-Argument
Statt in 22 kW zu investieren, lohnt sich:
- PV-Anlage oder Erweiterung
- Smarte Wallbox mit PV-Überschussladen
- Dynamisches Lastmanagement bei mehreren Verbrauchern
- Wallbox mit §14a-NAV-Unterstützung (reduzierte Netzentgelte)
Kaufst du heute deine erste Wallbox: 11 kW, intelligent, PV-ready. Das ist für die nächsten 10 Jahre ausreichend. Wenn in drei Jahren ein Auto mit 22-kW-AC-Lader ins Haus kommt, kannst du immer noch tauschen – dann weißt du auch, ob der Netzbetreiber zustimmt.